Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Fischgenuss mit gutem Gewissen?
Nachrichten Wirtschaft Fischgenuss mit gutem Gewissen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 09.12.2017
Fischdose mit dem MSC-Siegel aus einem Supermarkt Quelle: Foto: St. Sauer/dpa
Berlin

.  Überfischte Ozeane. Delfine und Schildkröten als Beifang. Fälle von Sklaverei in der südostasiatischen Fischerei. Das Lebensmittel Fisch hat Kehrseiten, die den Appetit verderben können. Ein Logo mit einem stilisierten Fisch, einem Häkchen und den drei Buchstaben MSC will den Menschen das Ratgeber-Lesen während des Einkaufs ersparen: Das blau-weiße Siegel kennzeichnet Fisch und Meeresfrüchte aus „zertifizierter, nachhaltiger Fischerei“. Vor 20 Jahren wurde der MSC, kurz für Marine Stewardship Council, gegründet. Zeit, um zu fragen, was so ein Siegel leisten kann.

Rückblick: Anfang der 90er Jahre wurde Überfischung zum Thema, als in Kanada Tausende Fabrikarbeiter und Fischer ihre Jobs verloren, weil die Kabeljau-Bestände zusammenbrachen. Bis dahin hielten viele die Meere für unerschöpflich. Nun wachten die Ersten auf. Bis zur Gründung des MSC vergingen noch Jahre, bis 1997. Zwei ungleiche Partner waren es, die die gemeinnützige Organisation am 10. Dezember ins Leben riefen: die Umweltstiftung WWF und der Weltkonzern Unilever.

Eine Umweltorganisation und ein großer Fischverarbeiter an einem Tisch. Dass es dazu kommt, spricht Bände. „Die Gründung des MSC war die Ausstellung eines Armutszeugnisses für die Politik“, sagte Robert Habeck, Schleswig-Holsteins grüner Umweltminister, kürzlich bei einer Konferenz zum MSC-Jubiläum in Berlin. Das Siegel als „spinnerte Idee“ – so wird die Gründung rückblickend von vielen bezeichnet – füllte eine Lücke. Der MSC beschreibt sich als Hüter und Entwickler einer Methode, um nachhaltige Fischerei zu überprüfen. Dieser Standard wurde von „mehr als 200 Wissenschaftlern, Entscheidungsträgern und Industrie- und Umweltgruppen“ entwickelt. Im Kern ist festgelegt, dass Fischer-Unternehmen nicht mehr Fisch fangen dürfen als nachwächst, keine irreversiblen Schäden im Ökosystem hinterlassen dürfen und „vorbildlich“ geführt sein müssen.

Laut der Welternährungsorganisation (FAO) sind bis zu 89 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände ausgereizt, überfischt oder gar zusammengebrochen. Von einer Stagnation spricht der Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann. „Wir sehen noch keine globale Trendumkehr, aber es geht auch nicht weiter bergab.“

Der Anteil der MSC-zertifizierten Wildfänge weltweit liegt bei 12 Prozent und soll bis 2020 auf 20 Prozent wachsen, bis 2030 auf ein Drittel. Mehr als 27 000 Produkte mit Siegel stehen schon in den Regalen weltweit.

Gisela Gross

Mehr zum Thema

Sewan Latchinian, Ex-Intendant am Volkstheater Rostock, über den Umgang mit seiner Person und die Situation in der Hansestadt.

05.12.2017

Werner Buchholz, Professor für Pommersche Geschichte an der Universität Greifswald, spricht im Interview über die Streichungen aus Arndt-Texten im Sozialismus. Entscheidet der Senat noch im Dezember über die Ablegung des Namens Ernst Moritz Arndt?

07.12.2017

Stundenlange hitzige Debatten, eine nervöse Parteiführung, die SPD vor der Zerreißprobe. Am Ende unterliegen die „GroKo“-Gegner - vorerst. Schulz bekommt grünes Licht für Gespräche mit der Union. Er selbst schrumpft von 100 auf knapp 82 Prozent.

07.12.2017

Tübinger Richter urteilen über Kleinsparer

09.12.2017

Die Bahn nimmt nach 26 Jahren die Schnellstrecke in Betrieb. In MV profitiert vor allem der Osten. Die Tourismusbranche freut sich über die verbesserte Anbindung.

09.12.2017
Wirtschaft ICE-Trasse Berlin-München - 623 Kilometer in vier Stunden

Satte 20 Jahre dauerte der Bau der ICE-Sprinter-Strecke zwischen Berlin und München. Für die Deutsche Bahn hängt davon viel ab. Sie hat Milliarden investiert und will den Fluglinien Kunden streitig machen. Doch Baustellen bleiben.

08.12.2017
Anzeige