Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Folgen eines Rückruf-Desasters: Takata meldet Insolvenz an
Nachrichten Wirtschaft Folgen eines Rückruf-Desasters: Takata meldet Insolvenz an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:22 26.06.2017
Angesichts von Verbindlichkeiten von mehr als umgerechnet 8,1 Milliarden Euro ist es eine der größten Insolvenzen in Japans Wirtschaftsgeschichte. Quelle: Paul Sancya
Anzeige
Tokio

Der japanische Airbag-Hersteller Takata hat wegen der Folgen eines gewaltigen Rückruf-Desasters Insolvenz in Japan und den USA angemeldet. Das teilte der 1933 gegründete Konzern mit.

Neben dem Mutterkonzern in Tokio wird die US-Tochter TK Holdings in die Insolvenz geschickt. Grund für diesen Schritt sind immense Kosten und Verbindlichkeiten wegen millionenfacher Rückrufe. In Europa sei indes nicht geplant, Insolvenzverfahren einzuleiten. Die Verfahren in den USA und Japan hätten keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf Takata in Europa, hieß es.

Zur Finanzierung eines Restrukturierungsplans soll Takata nun an den chinesisch kontrollierten US-Zulieferer Key Safety Systems (KSS) zu einem Preis von rund 175 Milliarden Yen (1,4 Milliarden Euro) verkauft werden. Beide Seite erzielten eine entsprechende Grundsatzvereinbarung, wonach KSS nahezu alle Vermögenswerte und operativen Geschäfte übernimmt, darunter auch die Herstellung von Sicherheitsgurten und Lenkrädern. Der Rest von Takata dürfte soweit wie möglich verkauft werden.

Angesichts von Verbindlichkeiten von mehr als einer Billion Yen (8,1 Mrd Euro) ist es eine der größten Insolvenzen in Japans Wirtschaftsgeschichte. Schon seit Jahren waren bei Takata technische Probleme bei Airbags bekannt. Bei langer Einwirkung von Hitze und Luftfeuchtigkeit kann der Airbag bei einem Unfall zu stark auslösen. Begrenzte Rückrufe 2008 in den USA führten schließlich zu einer weltweiten Rückrufwelle. Der entstandene Schaden soll sich auf rund 10 Mrd Euro belaufen.

Die Mängel haben allein in den USA zum Rückruf von 70 Millionen Airbags geführt, sie werden für den Tod von mindestens 16 Menschen verantwortlich gemacht. Der geplante Verkauf an KSS soll Takata helfen, Zahlungsverpflichtungen gegenüber seinen betroffenen Automobil-Kunden nachzukommen. Takata hatte sich im Januar mit der US-Justiz auf einen Vergleich geeinigt. Das Unternehmen gab kriminelle Vergehen zu und willigte ein, Strafen in Höhe von einer Milliarde Dollar zu zahlen.

Gegen drei Manager wurden Strafanzeigen gestellt. Laut Anklage sollen sie mit manipulierten Testergebnissen bewusst die Risiken mangelhafter Airbags verschleiert haben.

Die weltweite Geschäftstätigkeit und die Lieferungen an Kunden sollen auch nach den Insolvenzverfahren ohne Unterbrechung fortgeführt werden. Takata kündigte an, auch die Lieferung von Ersatz-Gasgeneratoren für die laufenden Airbag-Rückrufe fortzusetzen. Die Aktien von Takata wurden am Montag vom Handel in Tokio ausgesetzt. Sie sollen laut Medienberichten am Dienstag vom Börsenzettel gestrichen werden. Am selben Tag hält das Unternehmen seine Gesellschafterversammlung ab.

Angesichts Takatas Weltmarktanteil von 20 Prozent bei Airbags suchten die betroffenen Autobauer seit Jahren nach einer Lösung, damit Takata die Produktion fortsetzen kann. Durch den nun geplanten Zusammenschluss von nahezu allen Bereichen von Takata und KSS würde ein Anbieter von Sicherheitssystemen für Autos mit etwa 60 000 Mitarbeitern in 23 Ländern geschaffen.

„KSS ist nicht nur der ideale Investor, um die Kosten in Zusammenhang mit den Rückrufen von Airbag-Gasgeneratoren zu bewältigen, sondern auch ein optimaler Partner für Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter des Unternehmens“, sagte Shigehisa Takada, Vorstandsvorsitzender von Takata.

Lange Zeit hatte die Gründerfamilie, die bislang 60 Prozent der Anteile an Takata hielt, versucht, eine außergerichtliche Lösung zu finden. Die Autohersteller jedoch bestanden auf einem Insolvenzverfahren. Die Airbags von Takata werden von vielen Herstellern genutzt, unter anderem auch von deutschen.

dpa

Mehr zum Thema

Trotz Vorwürfen einer miesen Unternehmenskultur mit Sexismus und Diskriminierung hielt Uber-Chef Travis Kalanick an seinem Job fest. Jetzt platzte Investoren wohl der Kragen.

21.06.2017

Für Takata tickt die Uhr. Der weltweit vernetzte Autozulieferer steckt schon länger in Schwierigkeiten, eine milliardenteure Rückruf-Krise um defekte Airbags brachte ihn in die Bredouille. Hätte eine mögliche Insolvenz auch Folgen für deutsche Kunden?

22.06.2017

Die US-Justiz hat einem Medienbericht zufolge fünf frühere Manager und Entwickler von Volkswagen weltweit zur Fahndung ausgeschrieben.

22.06.2017

Milliarden hat der italienische Staat bereits in marode Geldhäuser gesteckt. Die Europäische Zentralbank hat nun genug - und trifft eine wichtige Entscheidung. Ein Plan der Regierung in Rom trifft wieder den Steuerzahler.

26.06.2017

Erst am Freitag hatte die EZB entschieden, zwei italienische Krisenbanken in die Pleite zu schicken. Jetzt greift die Regierung ein – sie will die Banken mit Milliarden Steuergeldern retten.

25.06.2017

Der Bosch-Konzern hat laut einem Bericht der „Bild am Sonntag“ der BER-Flughafengesellschaft gedroht, die Zusammenarbeit zu beenden.

25.06.2017
Anzeige