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Forscher fordern Partikelfilter für Schiffe

Rostock Forscher fordern Partikelfilter für Schiffe

Abgase sind offenbar noch schädlicher als gedacht / Schweröl-Verzicht bringt wenig

Rostock. Der Verzicht auf giftiges Schweröl in der Schifffahrt schont die Gesundheit von Küstenanwohnern offenbar weniger als erhofft. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscher-Team um den Chemie-Professor Ralf Zimmermann, der an der Universität Rostock und am Helmholtz Zentrum München arbeitet. Seit 2015 fahren viele Schiffe wegen strengerer Schwefelgrenzwerte mit Marinediesel statt mit dem viel billigeren, aber giftigeren Schweröl.

 

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Prof. Ralf Zimmermann

Quelle: Arscholl

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass auch die Abgase von Schiffen, die mit dem als weniger schädlich angesehen Dieselkraftstoff angetrieben werden, mehr gesundheitliche Schäden auslösen können als bisher bekannt war. Feinstaubpartikel aus den Schloten können demnach das Immunsystem beeinflussen, was zu Entzündungen und letztlich zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen kann.

Schätzungen zufolge sterben in Europa jährlich 24000 Menschen frühzeitig durch Schiffsabgase, 60000 sind es weltweit. Zimmermann fordert Politiker und Behörden auf, eine Rußpartikelfilter-Pflicht für Schiffe einzuführen.

Von Regelungen, die an Land seit Jahren selbstverständlich sind, sei die Schifffahrt weit entfernt. Zimmermann macht das mit einem Beispiel deutlich: Man fährt umweltbewusst im Auto mit der grünen Plakette zum Kreuzfahrtschiff, das nicht einmal eine rote Plakette bekommen würde. „Trotz Verzicht aufs Schweröl stoßen die Antriebsanlagen moderner Schiffe noch immer viele Feinstaubpartikel aus.

Partikel aus Dieselmotoren sind als krebserregend eingestuft“, sagt Zimmermann.

Das unter dem Dach des Virtuellen Helmholtz-Instituts HICE arbeitende Forschungskonsortium mit Wissenschaftlern aus Rostock, München, Berlin, Karlsruhe, Finnland, Wales und Luxemburg untersuchte mit neuen Methoden die Auswirkungen von Schiffsabgasen auf menschliche Lungenzellen und Makrophagen. Dazu wurden Forschungsmotoren von der Uni Rostock im Prüfstand-Zyklus gefahren, abwechselnd betankt mit Schweröl und Dieselkraftstoff. Die Abgase ließen sie, mit Frischluft verdünnt und in unterschiedlicher Konzentration, auf Zellproben einwirken.

Es ging um die Wirkung der Schadstoffe und Rußpartikel: Winzige Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems in der Lunge, reagierten extrem empfindlich. Entzündungsprozesse traten auf und teils sterben die Zellen sogar ab. Erstaunlicherweise fiel dieser Effekt beim weniger giften Dieselkraftstoff teilweise stärker aus als beim Schweröl.

Der Verband Deutscher Reeder lehnt eine Partikelfilterpflicht ab: „Unseres Wissens nach gibt es derzeit keine geeignete Filtertechnologie, die zuverlässig im Hochseebetrieb eingesetzt werden kann“, sagte eine Sprecherin. Die Fährreederei Scandlines stelle sich immer den gesetzlichen Verpflichtungen. „Das gilt auch für solche Filter“, sagt Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. TT-Line verweist auf den Umbau ihrer Flotte mit Abgaswäschern, sogenannten Scrubbern, die Schwefel und Ruß aus den Abgasen filtern. Die Rostocker Kreuzfahrtreederei Aida Cruises setzt bei ihren Neubauten auf einen Antrieb mit dem sauberen Flüssigerdgas (LNG). Alle Aida-Schiffe, die ab 2019 getauft werden, sollen nur mit LNG fahren.

Tödlicher Feinstaub

0,1 Prozent Schwefel dürfen die Abgase von Schiffen auf Nord- und Ostsee seit 2015 noch enthalten. Zuvor war der Wert zehnmal so hoch. Forscher Ralf Zimmermann hält die Rußpartikel für viel gesundheitsschädlicher als den Schwefel. Weltweit sterben jährlich 60 000 Menschen vorzeitig durch Schiffsabgase. In vielen Städten gibt es seit 2008 Umweltzonen mit einer Partikelfilterpflicht für Autos.

Gerald Kleine Wördemann

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