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Studie: Abschaffung des Soli könnte Schwarzarbeit senken

Aktuelle Analyse Studie: Abschaffung des Soli könnte Schwarzarbeit senken

Weil die Wirtschaft brummt, geht die Schwarzarbeit zurück. Dennoch werden weiterhin viele Milliarden am Fiskus vorbei verdient. Für die Politik gebe es Möglichkeiten, gegenzusteuern, sagen Forscher.

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Schwarzarbeit ist wegen der guten Wirtschaftslage seit Jahren rückläufig, die genauere Entwicklung prognostizieren die Forscher mit Hilfe von Faktoren wie dem Bargeldumlauf oder der Steuerbelastung.

Quelle: Christian Charisius/symbol

Stuttgart/Tübingen. Kurz mal am Samstag Nachbars Bad fliesen, für schmales Geld im Bekanntenkreis Haare schneiden oder die Putzhilfe schwarz beschäftigen - das kennt in Deutschland fast jeder. Wissenschaftler legen zum Thema Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung jedes Jahr eine Prognose vor.

Demnach soll die so genannte Schattenwirtschaft auch 2018 weiter sinken. Der Schaden ist dennoch enorm: Rund 323 Milliarden Euro könnten in diesem Zeitraum schwarz erwirtschaftet werden. Eine mögliche Gegenmaßnahme wäre die Abschaffung des Solis, sagen die Verfasser der Studie.

Das Verhältnis der Schattenwirtschaft zur offiziellen Wirtschaft sinke 2018 auf unter zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Vorjahr 10,1), heißt es in der aktuellen Schattenwirtschaftsprognose, die am Dienstag von Wissenschaftlern des Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und der Universität Linz vorgelegt wurde. Grund dafür seien in erster Linie die gute wirtschaftliche Lage und die geringe Arbeitslosigkeit. Von der Politik hingegen gingen im Jahr 2018 - soweit absehbar - keine Impulse zur Reduzierung der Schwarzarbeit aus.

Würde beispielsweise der Solidaritätszuschlag vollständig abgeschafft und nicht nur schrittweise, könnte sich die Schattenwirtschaft in diesem Jahr um mehr als zehn Milliarden Euro verringern, glauben die Autoren der Studie. „Natürlich ist Schattenwirtschaft nicht der einzige Gesichtspunkt, unter dem man Steuerpolitik betreiben sollte“, sagt Bernhard Boockmann vom Tübinger IAW, „aber über Anreize könnte man schon nachdenken.“

„Bei einer Abschaffung des Soli hätte der einzelne mehr Netto“, erläuterte Co-Autor Friedrich Schneider von der Universität Linz. „Normalerweise ist das Kalkül: So viel verdiene ich offiziell, das reicht aber nicht für ein neues Auto, den zweiten Urlaub oder die Renovierung, also arbeite ich noch schwarz dazu.“ Aus Umfragen und Untersuchungen wisse man sehr genau um diese Psychologie. Verringere sich die Steuerbelastung aufs Jahr gesehen, würden auch jene, die schwarz arbeiteten, lieber einen freien Samstag haben als illegal dazuzuverdienen.

Diese Logik kommt nicht bei allen gut an. Beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist man ebenfalls gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung, aber die Gewerkschaft glaubt nicht, dass das Phänomen an einer zu hohen Steuer- und Abgabebelastung liegt. „Wenn eine Friseurin abends noch Haare schneidet, macht sie das, weil sie nicht genug verdient“, sagt Martin Kunzmann, Vorsitzender des DGB Baden-Württemberg. „Schwarzarbeit kann man am besten verhindern, wenn Menschen ordentliches Geld verdienen.“

Außerdem plädiert Kunzmann dafür, die Kontrollen etwa auf Großbaustellen noch weiter zu verschärfen und dafür auch mehr Fahnder einzusetzen. Erst Ende Januar war es Zollbeamten in Nordrhein-Westfalen gelungen, in der Baubranche ein kriminelles Netzwerk auszuheben, das rund 48 Millionen Euro Schaden verursacht haben soll und dem 450 Baufirmen angehörten. Für diesen Fahndungserfolg waren dann allerdings auch 1100 Beamte im Einsatz.

Schwierig zu kontrollieren bleibt nach wie vor der private Sektor, da sind sich Forscher und Gewerkschafter einig. „Schätzungen zufolge arbeiten mehr als drei Viertel der Putzhilfen in Haushalten schwarz“, sagt IAW-Forscher Boockmann. Hier könnten Vereinfachungen bei der Anmeldung helfen. „Im Haushaltsbereich gibt es erhebliche Hürden für legale Beschäftigung - der private Arbeitgeber muss sämtlichen Papierkram eines regulären Arbeitgebers leisten. Dass viele das nicht machen, ist klar.“

„Es gehören immer zwei dazu“, kritisiert hingegen Martin Kunzmann, „derjenige, der seine Arbeitskraft schwarz anbietet, und derjenige, der sie annimmt.“ Im Fall der Putzhilfe seien die Auftraggeber in der Regel höhere Einkommensschichten. Diese könnten es sich also eigentlich leisten, ordentlich zu bezahlen, Steuern und Sozialabgaben inklusive.

Ausmerzen lässt sich das Phänomen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung nicht vollständig. Immerhin aber steht Deutschland im Vergleich zu anderen Industrieländern mit seiner Platzierung unterhalb des Durchschnitts noch ganz gut da. Spitzenreiter der Schattenwirtschaft ist seit Jahren Griechenland mit einem Anteil von 20,8 Prozent. Auf der anderen Seite glänzen die USA, wo die Schattenwirtschaft im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt lediglich bei 5,1 Prozent liegt. Zurückzuführen sei dieser Wert auf vergleichsweise niedrige reguläre Arbeitskosten sowie die starke US-Wirtschaft, sagt Co-Autor Friedrich Schneider.

dpa

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