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Wirtschaft Frauenpower auf der Milchstraße
Nachrichten Wirtschaft Frauenpower auf der Milchstraße
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00:01 19.04.2016
Käserin Antje Röhrbein prüft im Reiferaum auf dem alten Pfarrhof in Elmenhorst die selbsthergestellten Käsesorten. Quelle: Fotos: Stefan Sauer/dpa

. Der Alte Pfarrhof von Elmenhorst (Vorpommern-Rügen) vermittelt Idylle: Kälbchen liegen im Stroh, Katzen räkeln sich in der Sonne. Es duftet nach frischem Brot. In der Käserei klappern Gläser. Ware zum Ausliefern wird verpackt — Käse, Milch, Quark und Joghurt für die Naturkostläden in der Umgebung. Der Demeter-Hof bei Stralsund hat sich am Markt etabliert, sagt Inhaberin Claudia Resthöft, obwohl er marktfern liege. „Berlin und Hamburg sind weit weg“, sagt sie. In der Saison profitiert der Bio-Betrieb mit sechs Angestellten vom Tourismus an der Ostseeküste.

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Auf dem Alten Pfarrhof in Elmenhorst wird Käse, Quark und Joghurt produziert / Am Tag der offenen Käserei können handwerkliche Milchverarbeiter besichtigt werden

Die studierte Landwirtin (49) hat ihr Unternehmen breit aufgestellt: 40 Milchkühe, ein Zuchtbulle, 214 Hektar Acker- und Grünland, Käserei, Bäckerei, Hofladen und demnächst noch ein Café und ein Veranstaltungsraum. Zum ersten Tag der offenen Käserei in MV am 24. April sind Café und Laden noch eine Baustelle, bedauert Resthöft, die 2015 die Milch- und Käsestraße mit jetzt 17 Betrieben im Land mitgründete, viele von ihnen sind Bio-Höfe.

Im Umfeld von Stralsund hat die neue Milch- und Käsestraße gleich mehrere Betriebe, die Milch erzeugen und selbst verarbeiten, darunter den Ziegenhof Sievertshagen, den Demeter-Hof Zandershagen oder den Schaf- und Ziegenhof Palmzin. „In touristischen Gebieten macht die Käsestraße Sinn“, sagt Klaus Tipke, Chef des Verbandes der handwerklichen Milchverarbeitung. „In der Gemeinschaft kann man gut vermarkten.“

Ganz neu ist die Milchstraßen-Idee nicht. Rund um die Kleinstadt Bützow (Landkreis Rostock) gibt es seit längerem ein Projekt, mit dem sechs Agrarbetriebe Verbrauchern Produktion und Verarbeitung der Milch „erlebbar“ machen wollen, sagt Michael Constien von der Agrargenossenschaft Jürgenshagen, Mitbegründer der Milchstraße „Bützower Land“. Deren neueste Idee sind mehrere Meter hohe „sprechende Milchkannen“, in denen Besucher mehr über das für diesen Landstrich so typische Produkt erfahren können.

Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den vergangenen 20 Jahren immer stärker zum „Käseland“ entwickelt. Großkäsereien wie in Altentreptow und Dargun (Mecklenburgische Seenplatte sowie die Rückers-Ostseemolkerei in Wismar verarbeiten den überwiegenden Teil der in MV produzierten Milch. Trinkmilch und andere frische Produkte liefert in großem Stil nur noch die Arla-Molkerei Upahl (Nordwestmecklenburg).

Um große Mengen geht es auf dem Alten Pfarrhof in Elmenhorst eher nicht. Im Gegenteil — der Bio-Landbau ist dort Lebenseinstellung. 40 000 Liter Milch werden auf dem Hof verarbeitet, gut 100000 Liter gehen an die Gläserne Molkerei Dechow (Nordwestmecklenburg). „Auch die Menschen müssen ihren Platz finden“, sagt Claudia Resthöft, die den Betrieb vor elf Jahren kaufte. An der Spitze des Hofes stehen drei Frauen. „Wir teilen uns die Arbeit — das Melken, die Bäckerei, die Käserei und das Herdenmanagement“, erläutert sie. Die beiden anderen Frauen haben ihre Spezialgebiete als Käserin und Bäckerin. Alle drei können sich gegenseitig ersetzen. Käserin Antje Röhrbein hält diese Flexibilität für entscheidend, damit der Hof läuft.

Alles regional

17 Firmen zählt die neue Milch- und Käsestraße MV. Sie wurde 2015 von Betrieben gegründet, die Kühe, Ziegen oder Schafe halten, deren Milch handwerklich verarbeiten und in der Region vermarkten. Beteiligt sind u.a. der Alte Pfarrhof Elmenhorst, der Ziegenhof Sievertshagen, der Demeter-Hof Zandershagen und der Schaf- und Ziegenhof Palmzin — alle in der Nähe von Stralsund. Am Sonntag (24. April) laden mehrere Höfe zu einem Tag der offenen Käserei ein.

• Alle Höfe unter www.hofkaese.de/milchundkaesestrassen/mecklenburg_vorpommern

Von Birgit Sander und Elke Ehlers

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