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Freundliche Übernahme erwünscht

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Die Koordinierungsstelle „Brücke MV“ hilft Existenzgründern, in bestehende Betriebe als Chef einzusteigen.

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Manfred Hartz, Brücke MV

Rostock — Ein eigenes Unternehmen aufzubauen verlangt Existenzgründern nicht nur gute Ideen, sondern auch viel Zeit und Kraft ab. Eine Alternative dazu bieten Unternehmensnachfolgen.

Die Initiative „Brücke MV“ hilft Existenzgründern und scheidenden Chefs bei der Umsetzung einer solchen Betriebsübernahme. Die OSTSEE-ZEITUNG sprach mit Manfred Hartz, dem Leiter der Koordinierungsstelle.

OZ: Welche Vorteile hat es für Existenzgründer, ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen?

Manfred Hartz: Am Markt eingeführte Produkte, vorhandenes Personal, Kundenbeziehungen — das alles muss man sich nicht erst aufbauen. Auch die Banken betrachten gestandene Unternehmen wohlwollender, als wenn Existenzgründer mit neuen Ideen kommen.

OZ: Was sind die Nachteile?

Hartz: Der Kaufpreis. Es gibt Eigenanteile, die zu zahlen sind. Die Landesregierung bietet Instrumente wie Bildungs- und Beratungsgutscheine und die Meisterprämie, die die Kosten für eine Unternehmensnachfolge lindern.

OZ: Wie viele potenzielle Nachfolger interessieren sich derzeit für bestehende Unternehmen?

Hartz: Aktuell stehen bei uns über hundert potenzielle Existenzgründer auf der Liste, die auf ein passendes Unternehmen warten.

OZ: Wer sind die Kandidaten?

Hartz: Es sind gestandene Persönlichkeiten. Sie sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, haben teilweise Führungsverantwortung.

OZ: Und wie viele Unternehmen brauchen in den kommenden Jahren einen Nachfolgern?

Hartz: Zwischen 3000 und 5000.

OZ: Welche Herausforderungen muss ein Existenzgründer als neuer Unternehmens-Chef meistern?

Hartz: Ein potenzieller Nachfolger muss ein gestandenes Team übernehmen, sich einfühlen, es führen. Manchmal sind zudem die Kundenbeziehungen sehr inhaberbezogen. Sie müssen schrittweise übertragen werden. Hier ist der Altunternehmer gefragt.

OZ: Welche Eigenschaften muss ein Nachfolger mitbringen?

Hartz: Er muss was vom Fach verstehen, führen können, kaufmännische Kenntnisse haben. Und er braucht Partner an seiner Seite, die ihn unterstützen.

OZ: Dazu gehört auch „Brücke MV“. Wie helfen Sie?

Hartz: Wir bieten Seminare und eine Potentialanalyse, bei der sich jeder Jungunternehmer selbst einschätzen kann: Kann ich mit Personal und Kunden umgehen? Bin ich stressresistent? Wir haben einen Pool an Beratern und Coaches aus der Wirtschaft, unsere Lotsen. Sie stehen dem Unternehmer oder auch dem Nachfolger zur Seite.

OZ: Wie viele Unternehmensnachfolgen konnten in den vergangenen Jahren umgesetzt werden?

Hartz: Wir haben in letzter Zeit mit unserer Begleitung um die hundert Übernahmen realisiert. In rund 300 weiteren Fällen standen wir indirekt als Partner durch Hilfe zur Selbsthilfe zur Seite.

OZ: Wie lange dauert die Nachfolgeregelung?

Hartz: Ein Unternehmen muss sich langfristig darauf vorbereiten. Fünf Jahre sind realistisch.

OZ: Können Jungunternehmer ihre eigenen Ideen im bestehenden Betrieb überhaupt umsetzen?

Hartz: Wenn alte Strukturen sie einschränken, dann werden sie in Zukunft nicht erfolgreich. Ein Unternehmen muss sich immer wieder selbst erfinden. Wir helfen, diese Prozesse zu entwickeln.

Aus einer Unternehmensnachfolge geht auch immer ein Stück weit ein neues Unternehmen hervor.

OZ: Auch die Altunternehmer spielen bei Nachfolgeregelungen eine wichtige Rolle.

Hartz: Ja, ihnen fällt das Loslassen oft sehr schwer. Aber ein permanentes Bevormunden wird sich ein Existenzgründer nicht gefallen lassen. Er muss selbst die Geschäfte gestalten.

OZ: Welchen Stellenwert hat die Unternehmensnachfolge für Mecklenburg-Vorpommern?

Hartz: Sie ist ein wirtschaftliches Problem, weil viele Nachfolger fehlen. Jedes Unternehmen, das im ländlichen Raum geschlossen wird, ist auch eine Einschränkung der Lebensqualität. Solche Schließungen fördern eine Abwanderung. Da wollen wir gegensteuern.

E-Mail: info@nachfolge-mv.de Online: www.nachfolge-mv.de

Junge Existenzgründer gesucht
Die OSTSEE-ZEITUNG verleiht auch in diesem Jahr wieder den OZ-Gründerpreis. Es ist ganz einfach, sich zu beteiligen — einfach einen kurzen Fragebogen ausfüllen und ab an:

OSTSEE-ZEITUNG Thomas Luczak, Ressort Wirtschaft, Richard-Wagner-Str. 1a,

18055 Rostock

Zur Teilnahme berechtigt sind alle Firmen, die ihren Sitz in MV haben, vor dem 1. Juni 2012 gegründet wurden und nicht älter als fünf Jahre sind. Der Fragebogen kann unter www.ostsee-zeitung.de heruntergeladen werden. Auf Anfrage (03 81/36 53 81 bzw. existenzgruenderpreis@ostsee-zeitung.de) wird er auch zugesandt. Bewerbungsschluss: 9. September.

Erneut werden drei Preise vergeben: der mit 5000 Euro dotierte „Gründerpreis der OZ“ sowie die mit je 1500 Euro dotierten Sonderpreise „Mut zur Selbstständigkeit“

, gestiftet von der Creditreform von der Decken KG Rostock, und „Interessante Gründerstory“, gesponsert von den Volksbanken und Raiffeisenbanken Mecklenburg-Vorpommern.

 

Interview von Antje Bernstein

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