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Friseure fordern mehr Wertschätzung fürs Handwerk

Rostock Friseure fordern mehr Wertschätzung fürs Handwerk

Zu hohe Preise, zu niedrige Löhne: Branche leidet unter schlechtem Ruf

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Trends im Selbstversuch: Neueste Schnitte und Produkte für einen schönen Schopf probieren die Hairstylisten Daniela Hannemann (stehend) und Luisa Nüske im Rostocker Salon „Daniela Hannemann – Ihr Friseur“ erst an sich selbst aus, bevor sie diese ihren Kunden empfehlen.

Quelle: Foto: Antje Bernstein

Rostock. Friseure sind Typberater, Aufhübscher und Seelsorger in Personalunion. Trotzdem schneiden die Dienstleister in Sachen gesellschaftlicher Wertschätzung schlecht ab, sagt Daniela Hannemann, Innungsmeisterin des Friseurhandwerks und der Kosmetiker in MV. „Wir wünschen uns mehr Respekt für unsere Leistung.“ Stattdessen hätte die Branche mit der „Geiz-ist-geil“-Mentalität zu kämpfen. „Bei jeder Preiserhöhung haben wir Bauchschmerzen. Schon bei 50 Cent wird gemault und wir müssen uns rechtfertigen“, sagt Hannemann, die in Rostock einen Salon führt. „In der Autowerkstatt wird nicht diskutiert, wenn pro Meisterstunde 60 Euro fällig sind. Beim Friseur schon“, bekräftigt Gabriela Glävke-Münkwitz, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Rostock-Bad Doberan.

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Zu hohe Preise, zu niedrige Löhne: Branche leidet unter schlechtem Ruf

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Die beiden Frauen ärgert zudem, dass so mancher Kunde Termine platzen lässt. Das könne einem Salon übers Jahr ein Minus von bis zu 10000 Euro einbrocken, sagt Hannemann. „Das ist vielen gar nicht bewusst.“ Genauso wenig wie die Kosten, die in Betrieben anfallen: Strom, Heizung, Kosmetikprodukte und Betriebshaftpflicht würden von Jahr zu Jahr teurer. Hinzu kämen die Seminare, mit denen sich Friseure weiterbilden. Sie kosten und bedeuten zeitgleich Verdienstausfall, weil Coiffeure währenddessen im eigenen Betrieb fehlen. Auf Kurse verzichten können die Stylisten aber nicht, sonst bleibt die Kundschaft aus.

Denn kaum eine Branche ist so schnelllebig, so sehr vom Zeitgeist getrieben wie die der Friseure und Kosmetiker. Tagtäglich überfluten sogenannte Influencer – modeaffine Promis – via Youtube, Instagram und eigenem Beautyblog ein Millionenpublikum mit neuen Stylingideen. In unzähligen Videoclips wetteifern Hobbystylisten aller Altersklassen mit Schopf- und Make-up- Kreationen. „Das zeigt, dass sich heute viel mehr Menschen mit Schönheit beschäftigen als früher. Das ist toll“, sagt Hannemann. Sich selbst beim Haareglätten, Schminken oder Lockeneindrehen zu filmen, ist bei Teenies beliebt. Beruflich Hand an Schöpfe legen wollen aber die wenigsten.

Der Berufsstand der Friseure und Kosmetiker teilt das Schicksal vieler Handwerke: Der Nachwuchs fehlt. Das sei vor allem ein Image-Problem, sagt Gabriela Glävke-Münkwitz. „Das Klischee ,Friseur gleich blond und blöd’ ist leider noch in vielen Köpfen drin“, beklagt die Friseurmeisterin. Dabei erfordere der Job viel Fachwissen. Wer Haarfarbe anmischen will, müsse sich mit Chemie auskennen.

Kreativität, handwerkliches Geschick, ein Gespür für Menschen – das sei Pflicht. Genauso wie Kenntnisse in Social Media. Denn auf einen Facebookauftritt, eigene Homepage und Online-Terminvergabe kann kaum ein Salon verzichten. Wie die Frisur aussehen könnte, will Kunde auf dem Tablet gezeigt bekommen.

Hinderlich bei der Nachwuchswerbung sei der vermeintlich geringe Verdienst ausgelernter Friseure, sagt Glävke-Münkwitz. Dabei zahle die Branche den Mindeststundenlohn von 8,84 Euro. Viele Salonchefs beteiligten ihre Mitarbeiter zudem am Umsatz. Dennoch sei mehr drin. Dafür müsse aber die Mehrwertsteuer für Friseurdienstleistungen gesenkt werden.

Dass es durchaus junge Leute gibt, die mit Spaß und guten Ideen zu Schere und Föhn greifen, wollen morgen gut ein Dutzend Lehrlinge in Rostocks Stadthalle beweisen. Beim Hair- and Fashion-Day tauschen sich gut 300 Friseurmeister, -gesellen und Azubis aus ganz MV über die neuesten Frisuren- und Make-up-Trends aus. Teil der Fachmesse ist ein Wettbewerb, bei dem Nachwuchsstylisten einen Look zum Thema „Tierkreiszeichen“ zaubern müssen.

Davon, dass ihr Beruf trotz aller Widrigkeiten Zukunft hat, ist Gabriela Glävke-Münkwitz überzeugt. „Als Friseur kann man weltweit arbeiten und wird im Gegensatz zu den anderen Jobs niemals durch Computer ersetzbar sein. Es ist einer der schönsten Berufe auf der Welt.“

Trendlooks der Herbstsaison 2017 – eine Auswahl

Blunt Bob : Die Haare werden stumpf (engl. blunt), sprich ohne Stufen, geschnitten und enden je nach Gesichtform auf Höhe der Ohrläppchen oder des Kinns. In der Wavy-Variante wird der Bob mit lockeren Wellen und rund geföhntem Pony aufgepeppt. (Bild 1) Moving Clavi: Die Haare werden auf Höhe des Schlüsselbeins geschnitten und leicht durchgestuft. Eine fließende Farbgebung (Blayage-Technik) unterstützt das Volumen. (Bild 2)

Rockabilly Cool: Beim Sidecut á la James Dean werden die Seiten und Konturen sehr kurz und sauber geschnitten. Die Haare am Oberkopf bleiben länger und werden nach vorne ansteigend gestuft. (Bild 3)

Wave Chic

Beim locker-gewellten Männer-Look ist die obere Partie voller gehalten und setzt sich damit deutlich vom Resthaar ab. Wellen im Stirnbereich verleihen dem Style eine gewisse Coolness. (Bild 4)

Fotos/Text: Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks

Antje Bernstein

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