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„Für uns ist die Fichte unersetzlich“

Wismar „Für uns ist die Fichte unersetzlich“

Ilim Nordic Timber in Wismar – Europas größtes Sägewerk– verarbeitet große Mengen Nadelholz.

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Behält die Übersicht: Ilim-Timber-Mitarbeiter Andreas Zeitz (34) kontrolliert das aufgestapelte Schnittholz.

Quelle: Fotos: Dietmar Lilienthal

Wismar. In langer Schlange reihen sich in Wismars Haffeld-Gewerbegebiet die Laster mit frisch geschlagenen Baumstämmen aneinander. Sie bringen Nachschub für die Ilim Nordic Timber GmbH, Europas größtes Sägewerk. Rund 2,2 Millionen Festmeter Rundholz, so der fachmännische Begriff für die Stämme, verarbeitet die Firma pro Jahr. Von Montag bis Freitag rollen täglich rund 280 Holztransporter in den Betrieb, der mit 500 Beschäftigten auf einem Areal von mehr als 20 Hektar zudem als „Herzstück“ des Wismarer Holz-Clusters gilt.

OZ-Bild

Ilim Nordic Timber in Wismar – Europas größtes Sägewerk– verarbeitet große Mengen Nadelholz.

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Weit haben es die meisten Sattelauflieger nicht: Sie holen die bis zu sechs Meter langen Stämme aus dem benachbarten Seehafen. „Traditionell liegen Sägewerke ja in ländlichen Regionen, meist nahe am Wald“, weiß Ilim-Werkleiter Christoph Zöchling (43). Doch Wismar habe mit der Lage an der Ostsee einen enormen Vorteil: Der größte Teil des nachwachsenden Rohstoffs gelangt per Schiff ins Werk, auch die daraus gefertigten Bretter können auf dem Seeweg in alle Welt transportiert werden.

Aus Schweden legen Holzfrachter an, auch aus dem Baltikum, Dänemark, Polen und Russland. „Für die Forstämter in ganz Norddeutschland sind wir ebenfalls der größte Nadelholz-Abnehmer“, sagt Carsten Doehring (48), Geschäftsführer der beiden deutschen Töchter der russischen Ilim Timber Industry-Gruppe, die das Wismarer Werk 2010 übernahm.

Verarbeitet werden vor allem Kiefern und Fichten. Doehring: „Tannen, Lärchen und Douglasien sind eher die Ausnahme.“ Dass die Fichte als Baum des Jahres jetzt mehr Aufmerksamkeit bekommt, freut den 48-Jährigen, der auch Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Säge- und Holzindustrie ist. Denn in der jüngeren Vergangenheit hatte der Ruf der Fichte arg gelitten: Nach 1945 stand sie für Monokulturen und Kahlschlag, außerdem ist sie anfällig für Windbruch und Borkenkäfer.

Die beiden Ilim-Manager meinen jedoch: „Für uns ist die Fichte unersetzlich.“ Werkleiter Zöchling lobt die Eigenschaften des „Brotbaums der deutschen Forstwirtschaft“. Fichtenholz ist leicht, hat eine gute Festigkeit, ist trotzdem elastisch. „Für die Holzbranche ist Fichte ein optimaler Rohstoff, der sich gut verarbeiten lässt“, meint auch Geschäftsführer Doehring. Heimwerker und Möbelkunden schätzen an der schnell wachsenden Nadelbaumart außerdem den Preis: Fichte kostet weniger als Buche oder Eiche.

Etwa 60 Prozent des Schnittholzes aus Wismar werden exportiert: nach Australien und Afrika, auch in die USA und natürlich innerhalb Europas. Das war nicht immer so. Die österreichische Klausner-Gruppe, die das Werk in der Wismarbucht 1998 gegründet hatte, war stärker auf den US-Markt orientiert. Dadurch traf die Finanzkrise ab 2007 das Tiroler Traditionsunternehmen so hart, dass Klausner mehrere Tochterfirmen verkaufen musste. Seit 2010 gehören die Werke in Wismar und Landsberg (Bayern) zur Ilim Timber-Gruppe mit Hauptsitz in Petersburg, einem der weltweit führenden Produzenten von Nadelschnittholz. Dass es mit dem russischen Eigentümer aufwärtsgeht, freut auch Mitarbeiter wie Steffen Wilkens (46). Der Gabelstaplerfahrer arbeitete mehrere Jahre in Hamburg, kam aber zurück nach Wismar. „Arbeit vor der Haustür ist viel wert.“

Im Außengelände des Wismarer Werkes packen sogenannte Highlifter ganze Bündel von Stämmen, als seien es Streichhölzer. Die leistungsstarken Maschinen fahren die tonnenschwere Fracht ins Sägewerk, wo aus dem Rundholz Bretter geschnitten werden – Schnittholz, wie der Fachmann sagt. „Je nach Kundenwunsch in unterschiedlicher Breite, Stärke, Länge und Festigkeit“, erläutert Geschäftsführer Doehring.

In den Hallen läuft die Produktion weitgehend automatisch, rund um die Uhr. An je zwei Säge- und Hobellinien überwachen Mitarbeiter die Fertigung, fegen auch schnell mal die Späne zusammen. „Das ist aber kein Abfall“, betont Werkleiter Zöchling, der vor knapp 20 Jahren aus seiner österreichischen Heimat an die Ostsee zog. Alle Produktionsreste – ob Hackschnitzel, Baumrinde, Hobel- oder Sägespäne – werden weiterverarbeitet. Ein Großteil sogar gleich auf der anderen Straßenseite. Nachbarfirmen fertigen daraus zum Beispiel Spanplatten, Pellets oder Paletten. „Kurze Wege – das ist der Sinn des Holzclusters“, meint Manager Zöchling.

Fichte ist „Baum des Jahres“

7 Prozent der Waldfläche Mecklenburg-Vorpommerns nimmt die Fichte ein. Damit hat sie nach der Kiefer (37 Prozent) den zweitgrößten Anteil unter den Nadelbäumen. Bundesweit gilt sie als häufigste Baumart. 2017 wurde die Fichte erstmals zum „Baum des Jahres“ erklärt.In MV werden Fichten meist in

Mischwäldern mit Buchen, Kiefern und Douglasien angebaut. Größter Verarbeiter von Fichtenholz in Mecklenburg-Vorpommern ist die Ilim Nordic Timber GmbH Wismar.

Internet: www.baum-des-jahres.de

Elke Ehlers

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