Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Fuest: Deutschland in EU ohne Briten größter Verlierer

München Fuest: Deutschland in EU ohne Briten größter Verlierer

Der neue Ifo-Chef sieht die Gefahr, dass es zu einem Brexit kommt. Das würde nicht nur die deutsche Exportwirtschaft hart treffen, sondern auch die EU verändern. Und deren Glaubwürdigkeit sieht er sowieso auf dem Prüfstand.

München. Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht der Volksabstimmung der Briten über einen Austritt aus der EU im Juni mit großer Sorge entgegen. „Deutschland wäre wahrscheinlich der größte Verlierer eines Brexit, abgesehen von Großbritannien selbst“, sagte der neue Ifo-Präsident der dpa.

Großbritannien sei der drittwichtigste Exportmarkt für Deutschland, mit einem Volumen von 90 Milliarden Euro: „Ein Austritt trifft die gesamte deutsche Industrie.“ Vor allem aber würde sich Europäische Union massiv zum Nachteil Deutschlands verändern.

Großbritannien und Deutschland seien freihändlerisch orientiert. Um zum Beispiel Handelsbeschränkungen zu verhindern, sei in der EU aber eine Sperrminorität nötig. Ohne die Briten wäre es schwerer, diese Sperrminorität zu erreichen: „Das wäre ein Riesen-Nachteil“, sagte Fuest. Bei einem Austritt würde „die Attraktivität des europäischen Binnenmarktes zurückgehen. Natürlich wird sich das Gewicht der EU in der Welt deutlich verringern.“ Und ohne den Nettozahler Großbritannien würden auf Deutschland in der EU zusätzliche Milliardenlasten zukommen.

Theoretisch wäre zwar denkbar, dass die britische Wirtschaft Teil des Binnenmarktes bleibt. Aber „dann müssten die Briten ja weiterhin die meisten Regulierungen aus Brüssel übernehmen, nur könnten sie nicht einmal mehr mitreden“.

In den Umfragen bröckle die Mehrheit der EU-Befürworter unter den Briten, und die Gegner seien leidenschaftlicher und leichter zu bewegen, an die Urne zu gehen. „Deshalb sehe ich reales Risiko in dem Referendum“, sagte Fuest, der lange als Professor in Oxford gelehrt hatte und seit kurzem Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) ist.

Eine weitere zentrale Krise für die EU sieht er in Griechenland, „weil es hier um fundamentale Prinzipien der Zusammenarbeit in der Währungsunion geht“. Die griechische Regierung habe die Reformverträge zwar unterschrieben, um frisches Geld zu bekommen, aber „die Reformen werden verschleppt“, sagte Fuest.

So habe Griechenland versprochen, durch Privatisierung 50 Milliarden Euro zu erlösen und mehr Dynamik in die Wirtschaft zu bekommen. Statt dessen wolle sie offenbar nur noch Staatsbetriebe für nicht einmal 10 Milliarden Euro verkaufen. Wenn Athen seine Zusagen nicht halte, aber in der Eurozone bleibe, sollte „nicht permanent noch mehr neues Geld nach Griechenland fließen“, sagte Fuest: „Wenn man das einfach laufen ließe, würden andere Länder, die große Anstrengungen unternommen und ihrer Bevölkerung viel zugemutet haben, sich fragen, warum halten wir uns eigentlich an diese Abmachungen?“

Ohne weitere europäische Zahlungen würde Athen zum Sparen gezwungen. „Vielleicht verlieren einige private Gläubiger Geld, und es könnte eng werden für einige griechische Banken. Aber es geht nicht, dass man das Land dauerhaft alimentiert“, sagte Fuest.

Einen weiteren Schuldenerlass seitens der öffentlichen Gläubiger lehnt Fuest ab. „Die Laufzeiten wurden bereits so weit gestreckt und die Zinsen so weit gesenkt, dass der Schuldendienst derzeit nicht das Hauptproblem Griechenlands ist.“

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Straßburg

Flüchtlingskrise und Schmähgedicht. Zwei Themen bestimmen die Debatte im Europaparlament. Die EU liege nicht vor Herrn Erdogan auf den Knien, beschrieb der christdemokratische EVP-Fraktionschef Weber das Verhältnis zum türkischen Präsidenten.

mehr
Mehr aus Wirtschaft
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.