Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Gas-Pipeline durch Ostsee: Bagger legen los
Nachrichten Wirtschaft Gas-Pipeline durch Ostsee: Bagger legen los
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:20 16.05.2018
Lubmin

Im sonst eher stillen Hafen Lubmin brummt es gewaltig. Seit gestern werden im Greifswalder Bodden die Gräben für die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 ausgehoben. Laut Planfeststellungsbeschluss des Bergamts Stralsund sind die Arbeiten seit Dienstag möglich. Der Umweltverband Nabu hatte gegen die Genehmigung geklagt und wollte den Baustart mit einem Eilantrag und einer Zwischenverfügung verhindern. Das Gericht hatte dem Pipelinebauer jedoch bis Freitag eine Stellungnahmefrist eingeräumt.

Der Stelzenbagger „Gian Lorenzo Bernini“ wird vom „Skinfaxe“ geschleppt. Quelle: Foto: Peer Schmidt-Walther

Vorerst laufen die Schiffe von Lubmin aus. Wichtigstes Gerät sind der luxemburgische Stelzenpontonbagger „Gian Lorenzo Bernini“, ausgerüstet mit einem Liebherr-Bagger aus Rostock, und sein niederländischer Kollege „Vitruvius“. Für den Transport des Baggerguts sind die beiden Hopperbargen „Pagadder“ und „Sloeber“ zuständig. Sie transportieren und verklappen das Material vom Grund des Boddens und säubern mit ihren „Rüsseln“ den Graben für die Rohre wie Staubsauger.

Zusätzlich sind die vier luxemburgischen Hopperbargen zunächst für sieben Wochen gechartert und pendeln ebenfalls zwischen Baggern und Verklappungsareal hin und her.

Die OZ ist an Bord des dänischen 3040 PS-Schleppers „Skinfaxe“, als dieser den 60 Meter langen und 18 Meter breiten „Bernini“-Bagger auf seine Position vor dem Lubminer Strand schleppt. 34 Meter hoch sind die Stelzen, auf denen die beiden Pontonbagger jetzt ruhen und fest im Boddengrund verankert sind.

Ein internationales Konsortium, bestehend aus drei Stelzenpontonbaggern, sechs Laderaumsaugbaggern, drei Verholschleppern für die Stelzenbagger, fünf Schleppern, drei Vermessungsbooten, drei Personentransportern, siebzehn Klappschuten und zwei Mehrzweckschiffen, hat sich zum Baustart im Greifswalder Bodden versammelt.

Das Team der Brüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund hat in Absprache mit der Maklerei Coe Shipping Rostock einen detaillierten Ablauf-Plan erarbeitet. Der Greifswalder Lotsen-Ältermann Dr. Christian Subklew und sein Rostocker Seelotsen-Kollege Arne Bergholz auf der Barg „L´Etoile“ sorgen mit ihren Einweisungen dafür, dass die großen Fahrzeuge von rund 100 Meter Länge während der Bauarbeiten von der Lotsenpflicht befreit sind. Dazu müssen die Kapitäne und Steuerleute sich im Revier zwischen Osttief, Landtief, Greifswalder Oie und Ruden freifahren, wie es im Fachjargon heißt. „Wir sind froh, dass dieses Unternehmen nun endlich startet“, sagt Subklew. Das Projekt sei ein Gewinn für die Region. Auch wenn sich der Nabu dagegenstelle. Er könne es nicht verstehen, dass hier gemeinsame Sache mit den Interessen der USA, Polens und der Ukraine gemacht werde, die eigene Interessen vertreten – zum Nachteil Deutschlands.

Wie sich während der Proberunden unter Aufsicht herausgestellt hat, ist das Navigieren im Revier, trotz modernster Technik selbst für erfahrene Nautiker kein Kinderspiel. Auch die Bagger- und Schlepperfahrer sind gefordert, die schwere körperliche Arbeit mit Trossen, Leinen und Ketten leisten müssen. Und das nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch bei Sturm und Seegang. „Damit irgendwann das preiswerte Gas aus Russland strömen kann“, meint Subklew.

Die 1200 Kilometer lange Erdgaspipeline von Russland nach Deutschland ist politisch umstritten. Bislang fehlen noch Genehmigungen aus Dänemark, Russland und Schweden. Die Ukraine befürchtet, nach dem Bau der russischen Pipeline in Mittel- und Westeuropa ihre Bedeutung als Transitland zu verlieren. Die Einnahmen daraus sind immens wichtig für die Ukraine. Möglich ist eine Garantie Russlands über eine bestimmte Transit-Menge von russischem Gas. Ursprünglich hatten es die Russen abgelehnt, nach dem Bau von Nord Stream 2 weiter Gas durch ukrainische Leitungen zu pumpen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier weilt derzeit zu Gesprächen in Moskau, um im Gas-Streit zu schlichten.

Zweite Gasleitung durch die Ostsee wird teurer als ursprünglich geplant

55 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr sollen die beiden neuen Stränge zusätzlich ins Gebiet der Europäischen Union leiten. Das Investitionsvolumen für den Bau dieser Gasleitung in der Ostsee wird voraussichtlich die Summe von 7,4 Milliarden Euro übersteigen, die für die bereits betriebene Leitung aufgewendet wurde.Es wird auf etwa 8 Milliarden Euro veranschlagt. Der Bau beider Leitungen soll laut den Plänen der Betreiberfirma bis Ende 2019 fertiggestellt sein.

Die Pipeline Nord Stream 2 soll nach Angaben des Nord-

Stream-Konsortiums weitgehend parallel zur bereits bestehenden Ostseepipeline verlaufen.

Peer Schmidt-Walther

An der Frankfurter Wertpapierbörse wurden im Späthandel am 15.05.2018 um 20:30 Uhr folgende Schlusskurse für die 30 Werte des Deutschen Aktienindex DAX festgestellt.

15.05.2018

An der Frankfurter Wertpapierbörse wurden im elektronischen Handel (Xetra) am 15.05.2018 um 17:55 Uhr folgende Schlusskurse für die 30 Werte des Deutschen Aktienindex DAX festgestellt.

16.05.2018

Ganze 14 Jahre schwelt schon der Streit der zwischen Boeing und Airbus. Nun hat die WTO für Klarheit gesorgt. Die EU habe entgegen von Absprachen Airbus mit Subventionen bedacht. Die USA können nun Gegenmaßnahmen ergreifen.

15.05.2018
Anzeige