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Gegen den Trend: In MV stockt der Export

Rostock Gegen den Trend: In MV stockt der Export

Der deutsche Außenhandel erreicht 2016 neuen Rekord. Das befeuert den Ärger mit dem US-Präsidenten. In MV ging der Export zurück.

Rostock. Das könnte Donald Trump gefallen: Zum dritten Mal in Folge erklimmen die Exporte der deutschen Wirtschaft ein neues Rekordniveau: 2016 verließen Waren und Dienstleistungen für 1,21 Billionen Euro das Land, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes liefern dem US-Präsidenten zusätzliche Argumente für seine Androhungen von Strafzöllen für deutsche Autos und andere Beschränkungen des freien Handels. Die Exportlastigkeit von „Made in Germany“ wird immer mehr zum Problem, warnen Ökonomen.

Sollte er es ernst meinen, müsste Trump Mecklenburg-Vorpommern dagegen loben: Statt neuer Rekordzahlen gingen die Exporte im Nordosten von Januar bis November 2016 um knapp neun Prozent zurück. Mit Gütern und Dienstleistungen für insgesamt 6,6 Milliarden Euro steuerte MV nur 0,6 Prozent zur deutschen Exportsumme bei. Kein anderes Bundesland verkauft so wenig im Ausland. Sogar die Betriebe des kleinen Saarlands machten mit 14,4 Milliarden Euro jenseits der Grenze mehr als doppelt so viel Kasse.

Starke Rückgänge gab es laut Statistischem Landesamt bei Weizen und Dünger – Waren, die traditionell aus dem Nordosten exportiert werden. Mario Rothaupt, Volkswirt der Industrie- und Handelskammer Rostock, bleibt trotz trüber Zahlen gelassen. In der Tat erinnert die Exportkurve der vergangenen Jahre an eine Berg- und Talfahrt. „Schon ein oder zwei weggebrochene Großaufträge können sich in der Statistik auswirken“, sagt Rothaupt. Das sei ein mathematischer Effekt und sage nicht viel über die tatsächliche Exportabhängigkeit der Betriebe zwischen Grevesmühlen und Ahlbeck aus.

„Es besteht kein Grund zur Beunruhigung“, erklärt auch ein Sprecher der Schweriner Staatskanzlei. Das Exportergebnis von 2016 sei trotz des Rückgangs „das zweitbeste der letzten zehn Jahre“.

Viele Unternehmen aus MV sind Zulieferer für Hersteller in Deutschland, die ihre Waren exportierten, das gilt zum Beispiel für die Automobilindustrie. Dieser Umweg macht die Wirtschaft im Nordosten etwas weniger anfällig für Krisen: „Wenn es zu einem Handelskrieg kommen sollte, merken wir das nicht sofort, sondern verzögert“, meint IHK-Volkswirt Rothaupt.

2016 sorgten gleich mehrere Faktoren für magere Exportzahlen im Nordosten. Eine laut Landesbauernverband mäßige Weizen-Ernte und ein Überangebot aus Russland sowie der Ukraine sorgten für ein Außenhandels-Minus von 36 Prozent bei dem Getreide. Es geht um ein Milliardengeschäft: Trotz der Krise exportierte MV allein in der ersten Jahreshälfte 2016 noch Weizen im Wert von 527 Millionen Euro. Ausfuhren nach Russland brachen im gleichen Zeitraum um mehr als 50 Prozent ein. Eine Spätfolge der 2014 verhängten Sanktionen, die wegen langer Vertragslaufzeiten teilweise erst jetzt wirksam werden, so Mario Rothaupt.

Auch der Schiffbau exportierte vergangenes Jahr weniger als sonst. Die MV Werften lieferten 2016 noch kein Schiff ab, die Vorgängergesellschaft Nordic Yards verkaufte zuletzt 2015 zwei High-Tec-Rettungsschiffe nach Russland. Diesen Sommer stellt Nordic Yards seine letzte Offshore-Plattform „Dolwin Gamma“ fertig – die in der deutschen Nordsee installliert wird. Das 400-Millionen-Euro-Projekt wird daher wohl nicht als Export verbucht, meint MV Werften-Sprecher Stefan Sprunk. Zwei neue Flusskreuzfahrtschiffe, erste Aufträge von Genting, dem neuen Eigner der Schiffbau-Standorte Wismar, Warnemünde und Stralsund, dagegen schon: Die Schiffe sollen im Sommer getauft werden, den Kaufpreis schätzen Marktbeobachter auf zusammen gut 100 Millionen Euro. Allein dieser Deal dürfte die Exportkurve von MV wieder ein wenig nach oben ausschlagen lassen. Kräftige Steigerungen kündigen sich ab 2020 an: Dann will Genting alle 18 Monate ein neues Kreuzfahrtschaft von den MV Werften in Betrieb nehmen, zum Stückpreis von einer Milliarde Euro.

Auch der Rostocker Windrad-Hersteller Nordex erwartet für 2017 gute Geschäfte jenseits der Grenzen. „Andere Märkte wachsen schneller als Deutschland“, sagt Sprecher Harald Peters. Selbst in den USA läuft es gut für Nordex, trotz Trump-Wirren. Peters: „Die Kunden bleiben am Ball.“ 2016 stieg das Auslandsgeschäft von des Rostocker Unternehmens nach der Übernahme der Wind-Sparte des spanischen Konzerns Acciona von 68 auf 74 Prozent. Weil Nordex viel im Ausland produziert, fällt nicht alles unter Export.

Gerald Kleine Wördemann

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