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Genting geht nach MV: Bremerhavener Werftarbeiter fürchten um Jobs

Wismar/Bremerhaven Genting geht nach MV: Bremerhavener Werftarbeiter fürchten um Jobs

Millionen-Investition in Kaianlagen wird auf Eis gelegt / Der Nordosten will sich künftig auf dem hart umkämpften Markt behaupten

Wismar/Bremerhaven. Jubelstimmung an der Ostsee, Verzweiflung an der Nordsee: Nach der überraschenden Entscheidung des Genting-Konzerns, den Hauptsitz seines neuen Werftenverbundes in Wismar anzusiedeln und nicht wie geplant in Bremerhaven, fürchten dort die Werftarbeiter um ihre Jobs. Denn damit geht auch ein Milliarden-Auftrag für zehn Schiffsneubauten nach Mecklenburg-Vorpommern.

 

OZ-Bild

Daumen hoch für den Werft-Standort Wismar: Genting-Konzernchef Tan Sri Kok Thay.

Quelle: Frank Söllner

„Ab September hat die Werft keine Arbeit mehr“, sagt Daniel Müller, Betriebsratschef der Bremerhavener Lloyd Werft. „Wir stehen von heute auf morgen vor der Situation, keine neuen Aufträge zu haben.“

Seit einem Jahr habe sich die Werft auf neue Schiffe des Werfteigners Genting konzentriert, die ab Oktober in Bremerhaven gebaut werden sollten. „Wir haben keine Akquise mehr gemacht, jetzt brauchen wir einen Plan, wie wir uns für die Zukunft fit machen“, ergänzt Müller. Zurzeit beschäftigt die Lloyd Werft 430 Mitarbeiter.

Genting-Konzern-Boss Tan Sri Lim Kok Thay hatte am Donnerstag verkündet, dass neue Ozean- Kreuzliner und Flusskreuzfahrtschiffe nur noch in Wismar, Rostock und Stralsund entstehen sollen. Die Lloyd Werft Bremerhaven soll sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: Umbau und Reparaturen sowie den Bau von Megayachten. Für Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) ist die neue Ausrichtung eine große Chance. Gleichzeitig sei es eine Herausforderung für die Werften, sich auf dem global hart umkämpften Markt des Schiffbaus in den verschiedenen Facetten international zu behaupten. „Ein klarer Vorteil ist, dass die Genting-Gruppe Aufträge mitbringt, die für Auslastung und Arbeit an den Standorten sorgen sollen“, sagt Glawe.

Martin Günthner, Hafensenator in Bremerhaven, setzt indes ein Fragezeichen hinter die von Bremen bereits ausgeschriebene Sanierung der Kajen im Kaiserhafen mit einem Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro. Eine Vergabe des Auftrags sei grundsätzlich daran geknüpft, dass die von Genting zugesagten Investitionen in die Kaiaufbauten tatsächlich wie mündlich zugesagt auch schriftlich bestätigt werden. „Dies ist bislang nicht geschehen“, berichtet Günthner. Insofern sei eine endgültige Entscheidung über den Beginn der Sanierungsarbeiten derzeit nicht zu treffen. Der Senator fordert ein baldiges Gespräch mit Genting, um zu klären, wie es mit dem Standort Bremerhaven weitergehen soll.

Die Schiffbauer in Mecklenburg-Vorpommern sind indes voller Hoffnung. Warum Genting die vier Werften an Nord- und Ostsee gekauft hat, lasse sich nach Aussage des Hamburger Schiffbau-Experten Stefan Krüger einfach erklären: „Genting braucht dringend Schiffe. Und die Werften, die solche Schiffe bauen können, sind komplett ausgebucht.“ Asiatische Werften seien dazu nicht in der Lage, das habe man am Beispiel des neuen Aida-Schiffs gesehen, das die Japaner mit etlicher Verspätung abgeliefert hätten. Die beauftragte Werft in Nagasaki hatte vorher keine Erfahrung mit dem Bau von Kreuzfahrtschiffen (die OZ berichtete). In Wismar sind bereits zwei Kreuzfahrtschiffe gebaut worden – ebenfalls für die Rostocker Reederei Aida Cruises. 2002 ist in der Hansestadt die „Aidavita“, ein Jahr später die „Aidaaura“ ausgeliefert worden.

ks

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