Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Genveränderter Raps auf Acker bei Demmin ausgesät

Demmin Genveränderter Raps auf Acker bei Demmin ausgesät

Umweltschützer verlangen strenge Nachkontrolle / Auf der Versuchsparzelle einer französischen Saatzuchtfirma war es ungewollt zur Vermischung mit Gen-Raps gekommen

Voriger Artikel
New Yorker Schlusskurse am 11.05.2016
Nächster Artikel
Spargelpreis könnte 2016 neues Zehnjahreshoch erreichen

Gentechnik-Fachfrau Annemarie Volling

Quelle: Herzog/AbL

Demmin. Strahlend gelb sollte sie jetzt eigentlich blühen – die neue Winterraps-Sorte eines französischen Züchterhauses auf dem Versuchsfeld bei Demmin. Doch die jungen Pflanzen wurden kurz nach der Aussaat vernichtet. Der Acker im Landkreis Vorpommern-Greifswald „liegt jetzt nackt“, versichert die Sprecherin des Schweriner Agrarministeriums, Eva Klaußner-Ziebarth.

Gentechnikgegner fordern, dass die Fläche mindestens 15 Jahre überwacht und für den Raps-Anbau gesperrt wird.

Für die Zulassungsprüfung einer neuen Winterraps-Sorte hatte eine französische Saatzuchtfirma im Herbst 2015 Saatgut eingesetzt, das mit der in der Europäischen Union verbotenen Gen-Rapssorte OXY-235 vermischt war. Der Acker in Vorpommern war einer von elf Standorten in Deutschland.

„Die Vermischung fand in Frankreich statt und wurde in mehrere europäische Länder getragen“, informiert Annemarie Volling, Gentechnik-Expertin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Nachdem in Großbritannien die ersten Verunreinigungen auffielen, stellte sich heraus, dass auch in Deutschland Mischpartien aus Gen-Raps und herkömmlichem Saatgut ausgesät wurden. 48 Parzellen in acht Bundesländern sind betroffen. Zu der Vermischung kam es offenbar unabsichtlich. Das französische Unternehmen hatte seinen Raps-Neuling auf Flächen gezüchtet, auf denen eine Vorgängerfirma angeblich in den 1995er Jahren mit genmanipuliertem Bayer CropScience-Raps experimentierte.

„20 Jahre später kann Gen-Raps noch zu Vermischungen führen, das muss man im Blick haben“, appelliert Burkhard Roloff von der Umweltorganisation BUND an die deutschen Aufsichtsbehörden. Als Koordinator der 13 gentechnikfreien Regionen Mecklenburg-Vorpommerns empört ihn vor allem, „dass so etwas passiert, ohne dass es hier jemand mitbekommt“.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) hatte versichert, dass es in MV „keinen Platz mehr für die grüne Gentechnik“ gibt. Nach dem Vorfall relativierte der Minister: „So etwas kann, darf aber nicht passieren.“ Nachdem auf der 60-Quadratmeter-Parzelle und deren Nebenflächen im Herbst aufgelaufene Rapspflanzen „vernichtet“ worden waren, kündigte er für das Frühjahr die Nachkontrolle an. Die führt der betroffene Betrieb offenbar eigenständig durch. „Das Unternehmen muss das dokumentieren und dem Ministerium nachweisen“, teilte Backhaus-Sprecherin Klaußner-Ziebarth mit. Bis 2020 soll es Nachkontrollen geben.

Das reicht den Gentechnik-Gegnern nicht. „Mindestens 15 Jahre muss kontrolliert werden“, meint Annemarie Volling. So lange könnten aus Rapssamen im Boden neue Pflanzen sprießen. „Auf keinen Fall darf dort anderer Raps angebaut werden.“ Sonst könne es – wie in Frankreich – wieder zu Vermischungen kommen. 2007 war in MV schon einmal unbeabsichtigt gentechnisch verunreinigter Raps ausgesät worden, von 17 Landwirten auf insgesamt rund 800 Hektar.

„Minimale Verunreinigungen können immer wieder auftreten, seit Ende der 1980er Jahre mit genverändertem Material gearbeitet wird“, meint Dietmar Brauer, Chef des Züchterhauses NPZ Lembke Hohenlieth/Malchow (Poel). Denn genveränderter Raps dürfe aus Kanada nach Europa importiert werden, nicht für die menschliche Ernährung, aber zur Herstellung von Biodiesel. Anders als die Gentechnik-Gegner ist Brauer der Meinung, dass dies „niemandem schadet, weder Mensch noch Tier“. Brauer meint: „Es sollte Schwellenwerte geben, die im Saatgut geringfügige Verunreinigungen tolerieren.“ Seit Mitte der 1990er Jahre hatte es auch in MV an mehreren Orten Anbauversuche mit genverändertem Raps gegeben, nach 2005 konzentriert am Agrobiotechnikum Groß Lüsewitz bei Rostock.

Seit 2011 ist in Lüsewitz die Freiland-Genforschung eingestellt. „Ob es da Nachkontrollen gibt, wir bekommen nichts mit“, sagt Anwohnerin Ute Strauß aus Sagerheide, die vor dem Europäischen Gerichtshof erfolgreich gegen die Freisetzung genveränderter Organismen geklagt hatte.

In MV war 2009 die erste gentechnikfreie Region Deutschlands gegründet worden. Die Gründer, darunter der Chef des Ökogutes Dalwitz, Heinrich von Bassewitz, lehnen nicht nur den Anbau genveränderter Pflanzen ab, sondern plädieren auch für die Ablösung von Import-Soja, das zumeist genverändert aus Südamerika kommt.

Rapsland Nummer eins

235000 Hektar (ha) Ackerland werden in Mecklenburg-Vorpommern für den Rapsanbau genutzt. Damit ist Raps nach Getreide die am häufigsten angebaute Feldfrucht. Es handelt sich ausschließlich um nicht-genveränderten Raps. Im Ranking der Bundesländer liegt MV mit 18 Prozent aller Rapsflächen auf Platz 1 vor Sachsen-Anhalt mit rund 170000 ha. Auf einer Parzelle bei Demmin kam es ungewollt zur Vermischung von Winterraps mit der genveränderten Sorte der Firma Bayer CropScience OXY-235. Die Sorte ist immun gegen die Unkrautvernichter Bromoxynil und Ioxynil.

Von Elke Ehlers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Barcelona

Die moderne Formel 1 ist ein Datenpuzzle mit Millionen Teilen. Einem Tüftler wie Nico Rosberg kommt die Detailarbeit im Grenzbereich entgegen. Das hat sich der WM-Spitzenreiter auch bei Michael Schumacher abgeschaut.

mehr
Mehr aus Wirtschaft
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Serie, Weltkrieg, erster Weltkrieg, zweiter Weltkrieg Teaser der den User auf die Sonderseiten zum Thema Weltkrieg führen soll image/svg+xml Image Teaser Weltkrieg 2015-09-23 de Serie Erinnerung an Weltkriege Alle Beiträge und Bildergalerien zum Thema sowie Infos zu Ausstellungen und Museen finden Sie auf unseren Sonderseiten. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier. > Erster Weltkrieg > Zweiter Weltkrieg 1914 bis 1918 1939 bis 1945
Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.