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Gewerkschaft: Meisterbrief soll wieder Pflicht werden

Rostock Gewerkschaft: Meisterbrief soll wieder Pflicht werden

Meisterpflicht statt Freibrief: In Mecklenburg-Vorpommern werden Forderungen laut, die Meisterqualifikation wieder zur Pflicht zu machen.

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Anika Oesterreich (18) lernt in einem Meisterbetrieb, dem Rostocker Dentallabor Ro-Dent GmbH, den Beruf der Zahntechnikerin.

Quelle: Frank Söllner

Rostock. Meisterpflicht statt Freibrief: In Mecklenburg-Vorpommern werden Forderungen laut, die Meisterqualifikation wieder zur Pflicht zu machen. „Meisterbriefe schaffen dauerhaftere und sicherere Arbeitsplätze“, sagt der Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern, Hans-Peter Siegmeier. Als „wichtiges Mittel gegen Fachkräftemangel“ sieht auch der Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft IG Bau Mecklenburg, Manfred Scharon, den Meisterbrief. Und fordert, die Meisterpflicht wieder einzuführen.

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Meisterpflicht statt Freibrief: In Mecklenburg-Vorpommern werden Forderungen laut, die Meisterqualifikation wieder zur Pflicht zu machen.

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Durch die Reform der Handwerksordnung 2004 unter der damaligen rot-grünen Bundesregierung sollte es einfacher werden, Firmen zu gründen und somit Arbeitsplätze zu schaffen. Im Zuge der „Agenda 2010“

war daher die Anzahl der meisterpflichtigen Handwerke von 94 auf 41 reduziert worden. So sind Meisterbriefe nach wie vor ein Muss beispielsweise für Maurer, Betonbauer, Maler, Metallbauer oder Kraftfahrzeugtechniker. Aus der Pflicht entlassen wurden hingegen Berufe wie Uhrmacher, Graveure, Rollladenbauer oder Böttcher. Oder Fliesenleger, die von Meisterbrief-Befürwortern gern als Paradebeispiel einer ungesunden Entwicklung angeführt werden. So gab es im Jahr 2004 im Nordosten 829 Fliesenleger-Betriebe. Doch deren Zahl stieg bis Ende 2015 auf 1372, wie aus Angaben der Handwerkskammern hervorgeht.

Dass ohne Meisterbrief mehr Firmen gegründet werden — diese Agenda-Rechnung ist also aufgegangen. Allerdings kritisieren Kammern und Gewerkschaft, dass vor allem die Zahl der Ein-Mann-Betriebe drastisch gestiegen sei. Was wiederum die Qualität und die Ausbildung gefährde. Fliesen-, Platten- und Mosaikleger müssten seit 2004 „nicht einmal eine Gesellenprüfung machen, um ein Gewerbe anzumelden“, beklagt Gewerkschafter Scharon. „Ein-Mann-Betriebe ohne Qualifikation werden sich kaum dauerhaft am Markt platzieren können“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin, Edgar Hummelsheim. Um erfolgreich zu wirtschaften, seien insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen „die fachlichen Kompetenzen aller im Betrieb mitarbeitenden Personen unerlässlich“. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hätten sich qualifizierte Handwerksbetriebe „als sehr robust erwiesen“, betont Hummelsheim.

Nach Beobachtungen der IG Bau habe es in den vergangenen Jahren immer mehr Klagen über Pfusch bei Handwerksarbeiten gegeben. „Wer ohne geprüften Berufsabschluss arbeitet, der beherrscht sein Handwerk oft nicht richtig“, sagt Scharon. Zudem fehlten ihnen häufig die Kenntnisse, um einen Betrieb zu führen.

Die von Meisterbetrieben geschaffenen Arbeitsplätze seien hingegen wesentlich beständiger, sagt Kammerpräsident Siegmeier. So seien „knapp 70 Prozent“ der Handwerksbetriebe auch fünf Jahre nach ihrer Gründung noch am Markt — wenn sie Meisterqualifikationen hätten; in Branchen ohne Meister seien es nur 40 Prozent.

Dass die Reform nicht das Gelbe vom Ei war, sieht inzwischen auch die SPD so. „Rückblickend erweist sich die Abschaffung der Meisterpflicht als durchaus kritisch“, räumt die Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion für das Handwerk, Sabine Poschmann, ein. Die Reform habe zwar kurzfristig zu einem Gründerboom im Handwerk geführt. Dabei habe es sich aber „meist um Kleinbetriebe — oft Solo-Selbstständige — mit geringer Wettbewerbsfähigkeit und wenig Personal“ gehandelt. Von denen sei mehr als die Hälfte innerhalb von fünf Jahren wieder vom Markt verschwunden. Zudem würden „ganze Gewerke unter Druck“ gesetzt, wenn sich Kleinstbetriebe „über niedrige Preise gegen die Konkurrenz durchsetzen wollen“.

Merkel will in der EU für Meisterbrief kämpfen

Meisterbrief-Befürworter bekommen Schützenhilfe von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie versicherte unlängst, sich auf EU-Ebene neben der dualen Ausbildung auch für die Meisterausbildung einzusetzen. Es müsse auch weiter möglich sein, über die Meisterausbildung Abschlüsse zu machen, sagte Merkel. Hintergrund ist das Vorhaben der EU, Hürden für den Zugang zu sogenannten reglementierten Berufen abzubauen.

Von Axel Meyer

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