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Glückliche Puten: Bei Güstrow wächst das Geflügel im Wald

Güstrow Glückliche Puten: Bei Güstrow wächst das Geflügel im Wald

2000 Vögel werden auf dem Hofgut Dehmen zwischen Wiese und Bäumen gemästet / Das idyllische Landleben hat jedoch bald ein Ende – das Schlachthaus wartet schon

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Geschäftsführer Martin Bohn inmitten seiner Puten auf dem Domgut Dehmen bei Güstrow

Quelle: Bernd Wüstneck/dpa

Güstrow. . Links Wald, rechts eine dichte Baumreihe, dazwischen etliche tausend Quadratmeter saftiges Grün und fast 2000 Puten. „Das sind unsere Waldländer, Kelly-Bronzeputen. Die sind schon etwas ganz Besonderes“, sagt Domgut-Geschäftsführer Martin Bohn, der das eingezäunte Gelände am Ortsrand von Dehmen (Landkreis Rostock) kontrolliert. Der aus Bayern stammende Landwirt, der mehrere Betriebe im Nordosten hat, bewirtschaftet das Domgut seit 2013.

Unsere Waldländer sind schon etwas ganz Besonderes.“ Martin Bohn,

Geschäftsführer von Domgut Dehmen

In der Güstrower Vorortgemeinde wurden schon zu DDR-Zeiten Puten gemästet. Seit 1992 ist der Betrieb Mitglied des Ökoanbauverbandes Biopark, wie dessen Geschäftsführerin Delia Micklich berichtet. Der Mast von Bio-Puten widmen sich in Mecklenburg-Vorpommern nur eine Handvoll Betriebe. Der Absatz der großen teuren Tiere sei schwierig, sagt sie. Bohn vermarktet die meisten in Bayern.

Bronzeputen, vor rund 40 Jahren in England gezüchtet, sind äußerst robust. Derzeit leben in Mecklenburg-Vorpommern rund 8000 Puten ausschließlich im Freiland – insgesamt werden landesweit mehr als 600000 gehalten.

Auf der weitläufigen Weidefläche picken die Vögel nach frischem Grün und Würmern, aber auch nach Bio-Getreide. „Die Futtermischungen sind selbst produziert“, erklärt Betriebsleiter Steffen Ladwig. „Wir haben hier einen geschlossenen Kreislauf. Reicht das Grün auf der Weide nicht, greifen wir auf unsere Feldbestände zurück.“ Unterstände spenden Schatten und bieten Schutz vor Angreifern.

Nach gut drei Monaten haben die Truthähne ein Gewicht von etwa 15 Kilogramm erreicht. Zum Schlachten geht es nach Severin im Landkreis Ludwigslust-Parchim, wie Bohn berichtet. Die Mecklenburger Landpute GmbH in Severin mit 230 Mitarbeitern ist der größte Putenerzeuger im Nordosten. Wöchentlich werden dort bis zu 6000 Tiere geschlachtet und verarbeitet.

 Putenspezialist Bohn als Chef der Freilandputen GmbH Fahrenzhausen im Raum München lässt bereits seit 1999 dort schlachten und arbeitet mit dem Landputen-Geschäftsführer Armin Kremer zusammen. Der wiederum startete 2013 als Erster europaweit ein Projekt zur Freilandhaltung von Puten mit Auslauf im Wald. Die Kooperation kommt beiden Seiten zugute. Freilandaufzucht auf dem Domgut, Schlachten in Severin und die Vermarktung wieder durch den Erzeuger selbst, vorwiegend im Süden Deutschlands.

Als Ende 2014 in einem konventionellen Putenmastbetrieb mit Stallhaltung in Heinrichswalde bei Anklam der bis dato nur in Asien bekannte hochansteckende Geflügelpestvirus H5N8 festgestellt wurde, mussten 31 000 Tiere vorsorglich getötet werden. Freilandbestände waren bislang hierzulande nicht von der Vogelgrippe betroffen. Eine Gefahr sind eher Diebe: Rund 100 Puten seien in diesem Sommer vom Gelände in Dehmen gestohlen worden, beklagt Bohn.

Neben den männlichen Puten hält das Domgut weibliche Tiere unter vergleichbaren Bedingungen im Raum Parchim. „Die werden allerdings nur acht bis neun Kilo schwer, ihre männlichen Artgenossen erreichen fast das doppelte Gewicht.“  Was alle Tiere dieser Rasse eint, ist ihre Robustheit, die eine Haltung ausschließlich im Freien erst ermöglicht. Ziel der Züchter Derek und Paul Kelly Ende der 1970er Jahre war eine Pute, die ohne Hormongaben, Antibiotika und Futtermittelzusätze auskommt, auch ohne tierisches Eiweiß. Diese Eigenschaften verhalfen der Bronzepute zu weltweiter Verbreitung.

Das Domgut will die Haltung weiter ausbauen. „Geeignete Flächen sind durchaus vorhanden“, sagt Martin Bohn. 220 Hektar gehören zum Domgut, das Gros sind Grünflächen. Ende August sollen die nächsten Bio-Jungtiere von einem Züchter in Brandenburg kommen, um rechtzeitig zu Weihnachten schlachtreif zu sein.

Jürgen Drewes

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