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Wirtschaft Gotthard, Brenner, Bosporus – kein Tunnel ohne Herrenknecht
Nachrichten Wirtschaft Gotthard, Brenner, Bosporus – kein Tunnel ohne Herrenknecht
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00:05 17.06.2017

. Wenn dieser Mann in die Röhre schaut, ist es meist laut. Es kreischt, pocht, poltert. Doch für Martin Herrenknecht ist der Lärm, den gigantische Bohrmaschinen erzeugen, fast die Melodie seines Lebens. Vor 40 Jahren gründete der Ingenieur aus dem badischen Allmannsweier eine Firma für Großbohrgeräte. In nur einer Generation hat er sie zum Weltmarktführer für Tunnelvortriebstechnik mit mehr als einer Milliarde Euro Jahresumsatz und rund 5000 Beschäftigten entwickelt. Nächsten Samstag wird Herrenknecht 75 Jahre alt.

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Unternehmer-Patriarch wird 75 / Badische Heimat ist Sitz eines Weltkonzerns

Für die Feier mit Verwandten und Freunden in Südfrankreich hat er sich – ausnahmsweise – drei Tage freigenommen. „Mehr geht nicht“, sagt Herrenknecht. „Es werden immer neue Tunnel gebraucht, die Arbeit ruft.“ Der Konzernchef erledigt sie längst nicht nur am Schreibtisch im Hauptwerk gleich neben seinem Heimatort – zwischen der Rheingrenze zu Frankreich und der Autobahn 5.

Auch mit fast 75 Jahren ist der Spross einer Handwerkerfamilie – seine Eltern betrieben eine Polsterei – immer dort, wo es um große Bohraufträge für unterirdische 

Schienenstränge, Autostraßen oder Versorgungstrassen geht. Unterirdisch kann auch „unter Wasser“ bedeuten: Unter der Seine in Paris etwa, wo die Metro erweitert wird. Unterm Bosporus, wo mit Herrenknecht-Maschinen der Tunnel für die Straßenverbindung zwischen Europa und Asien ausgehöhlt wurde. Auch unter Megastädten werden mit Herrenknecht-Maschinen Tunnel vorangetrieben. 

„Das ist für mich die Erfüllung eines Wunschtraums“, sagte der Firmengründer gerührt, als im letzten Sommer der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz feierlich eröffnet wurde – mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt. Vier Bohrer aus Schwanau-Allmannsweier mit rund zehn Metern Durchmesser und mehr als 400 Metern Länge waren dort im Einsatz. 

Am nächsten „Tunnelweltmeister“ wird bereits gearbeitet: 64 Kilometer lang wird der Brenner-Basistunnel zwischen Österreich und Italien. Beim Bau neuer Metrotunnel in Hongkong hat e iner der dortigen Bohrer einen Durchmesser von 17,6 Metern – die größte Tunnelbohrmaschine der Welt.

An ca. 150 Tagen im Jahr ist Herrenknecht auf Achse. Für den „Tunnelbohrer-König“ steht stets ein Firmenjet auf dem nahen Airport Lahr bereit. Wolfgang Müller, Lahrs Oberbürgermeister: „Wenn Sie ihm zuhören, wo er die letzten Wochen überall auf der Welt war, wird Ihnen schwindelig.“

Bodenhaftung und Heimatverbundenheit hat der Tunnelbohrer nie verloren. Davon zeugte auch seine Empörung, als die Grünen 2010 wegen der Auftragsvergabe für das Bahnprojekt Stuttgart 21 auf Herrenknechts Nähe zum einstigen CDU-Ministerpräsidenten Lothar Späth anspielten. Das hat ihn gekränkt. Auf den relativ kleinen Auftrag von rund 80 Millionen Euro war der Weltkonzern, der allein im Schwarzwald gut 2000 Menschen beschäftigt, nie angewiesen.

Viel Lob gibt es für sein soziales Engagement. „Er gehört für mich zu den ganz großen Unternehmerpersönlichkeiten unseres Landes“, sagt Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) über das CDU-Mitglied Herrenknecht. „Er ist jemand, der Erfolge teilt und großzügig ist, wenn es um das Soziale, um Jugendarbeit und Sport geht.“

Thomas Burmeister

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