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Gröhe verspricht Wettbewerb der Krankenkassen

Berlin Gröhe verspricht Wettbewerb der Krankenkassen

Vor der Beratung des Bundeskabinetts über die Gesundheitsreform hat Minister Hermann Gröhe (CDU) einen stärkeren Wettbewerb der Krankenkassen und stabile Lohnnebenkosten versprochen.

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Union und SPD leiten in dieser Woche eine geänderte Finanzierung der Krankenkassen ein. Die Zeche zahlen die Versicherten, kritisiert die Opposition. Foto: Jan Woitas4)

Berlin. Vor der Beratung des Bundeskabinetts über die Gesundheitsreform hat Minister Hermann Gröhe (CDU) einen stärkeren Wettbewerb der Krankenkassen und stabile Lohnnebenkosten versprochen.

Die Opposition warnt hingegen vor Mehrbelastungen der Versicherten. „Vor allem der mittlere Arbeitnehmerbereich wird besonders betroffen sein“, sagte der Linke-Gesundheitsexperte Harald Weinberg der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

An diesem Mittwoch will die Regierung die Reform im Kabinett auf den Weg bringen. Änderungen sind im Bundestag möglich. Anfang 2015 soll dann der bisherige, allein von den Kassenmitgliedern zu zahlende Sonderbeitrag von 0,9 Prozent des Einkommens entfallen. Stattdessen sollen die Kassen Zusatzbeiträge nehmen können, die ebenfalls vom Einkommen abhängig sind.

Die Beitragszahler müssen sich laut Gröhe auf eine Spreizung bei den Kassen einstellen: Manche würden den Sonderbeitrag von 0,9 Prozent durch einen Zusatzbeitrag in gleicher Höhe ersetzen, andere würden niedrigere Zusatzbeiträge nehmen und wieder andere höhere. „Die Versicherten haben dann das Recht, sich nach einem günstigeren Angebot umzusehen“, sagte Gröhe der dpa. Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU) betonte, betroffene Versicherte wüssten bei der Einleitung von Zusatzbeiträgen ihrer Kasse dann: „Es gibt ein Sonderkündigungsrecht.“

Gröhe verteidigte die geplante Fixierung des von Arbeitgebern und Arbeitnehmern je zur Hälfte getragenen Beitragssatzes bei 14,6 Prozent. Man könne nicht grenzenlos die Beitragsschraube drehen. Stabile Lohnnebenkosten sicherten Arbeitsplätze. Würden hingegen Jobs vernichtet, schade dies auch dem Gesundheitswesen.

Die Opposition lehnt die Pläne rundheraus ab. Die Grünen-Expertin Maria Klein-Schmeink sagte der dpa, die geplanten Zusatzbeiträge würden in absehbarer Zeit deutlich steigen. Zwar habe die SPD das Ende der Kopfpauschale durchgesetzt. Denn bislang sind pauschale Zusatzbeiträge der Kassen noch erlaubt. Doch brisant werde die Frage der Aufschläge erst mit der in wenigen Jahren prognostizierten schlechteren Finanzlage der Kassen: Die Versicherten müssten bald draufzahlen - da ist sich die Opposition einig.

„Es handelt sich wie bei der Rente zudem um einen Griff in die Taschen der Beitrags- statt der Steuerzahler“, erklärte die Grünen-Politikerin. 2014 und 2015 solle die Krankenversicherung sechs Milliarden Euro weniger aus dem Bundeshaushalt bekommen, als zunächst geplant. „Das Geld wird fehlen, wenn es darauf ankommt, absehbare Kostensteigerungen zu finanzieren.“ Selbst ab 2017 geplante höhere Bundeszuschüsse wögen die Lücke nicht auf.

Die Vorsitzende des Kassen-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, lobte die Pläne. „Diese Reform ist gelebter Bürokratieabbau“, sagte sie der dpa. Denn künftig falle der sogenannte Sozialausgleich fort, der gegen zu große Belastungen durch Zusatzpauschalen geplant war. Zudem sagte Pfeiffer: „Der Finanzminister sollte sich bedanken, dass er zwei Milliarden zusätzlich hat, weil die nun nicht mehr für den Sozialausgleich benötigt werden.“

Doch manche gesetzlichen Kassen befürchten eine Abwanderung von Versicherten in die private Krankenversicherung. „Es besteht für die gesetzlichen Kassen die Gefahr, dass viele freiwillig Versicherte sich überlegen werden, ob sich ein Wechsel in die private Krankenversicherung lohnt“, sagte der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, dem „Spiegel“. Mit der Finanzreform entfällt für finanzstarke Kassen wie etwa die Techniker auch die Option, Versicherte durch Prämienversprechen anzuwerben. Nach Recherchen des Magazins profitierten in diesem und dem vergangenen Jahr rund acht Millionen Kassenmitglieder von einer Beitragsrückerstattung.



dpa

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