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Große Unterschiede beim Wasserpreis

Bonn Große Unterschiede beim Wasserpreis

Die Verbraucher in Deutschland schätzen die hohe Qualität des Trinkwassers. Doch bei den Wasserpreisen herrscht zum Teil Wildwuchs und Intransparenz. Das Kartellamt hat in einer neuen Studie hohe Preisunterschiede festgestellt und fordert eine stärkere Aufsicht.

Bonn. Für Trinkwasser zahlen die Verbraucher in Deutschland nach einer Untersuchung des Bundeskartellamts höchst unterschiedliche Preise. Das hat die Bonner Wettbewerbsbehörde in einem neuen Bericht über die großstädtische Trinkwasserversorgung festgestellt.

Danach schwankten die durchschnittlichen Wasserentgelte für Endkunden 2013 bei den befragten Versorgern in 38 Großstädten in einer Spanne von 1,40 Euro und 2,60 je Kubikmeter, teilte das Kartellamt in Bonn mit. Um zu vermeiden, dass die Versorger ihre Monopolstellung zu Lasten der Verbraucher ausnutzten, sei eine behördliche Kontrolle der Wasserentgelte unumgänglich.

Ausdrücklich wies das Kartellamt darauf hin, dass die genannten Durchschnittspreise nur das allgemeine Wasserpreisniveau der Unternehmen widerspiegele, das über alle Kunden- und Tarifgruppen ermittelt wurde. Für Haushaltskunden liege der Preis etwas höher, für Groß- und Industriekunden niedriger. Reine Wasserpreisvergleiche seien für die Verbraucher aber wenig aussagekräftig. Die Angemessenheit der Entgelte könne nur in einer vertiefen behördlichen Prüfung festgestellt werden. Durch die vielen Tarife seien die Preise und Gebühren zudem sehr intransparent.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) variieren die Wasserpreise, weil es die Versorger mit vielen Strukturen zu tun hätten, die sie nicht beeinflussen könnten. „Es geht um eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Bedingungen für die Wassergewinnung“, erklärte Martin Weyand, BDEW-Hauptgeschäftsführer für den Bereich Wasser und Abwasser.

Die Preisunterschiede - so auch das Kartellamt - könnten zum Teil auf Zusatzkosten zurückzuführen sein, die sich durch geologische Gegebenheiten vor Ort (Druckzonen, Pumpen) oder durch aufwendig aufzubereitendes Oberflächenwasser ergeben würden. Auch die Gewinnung von Wasser aus Talsperren könne kostspieliger sein. Einen weiterer Grund für die Preisdifferenzen sieht das Kartellamt in der unterschiedlichen Kalkulation von Abschreibungen.

Nach Angaben des Verbandes der kommunalen Unternehmen (VkU) ist Trinkwasser in Deutschland nicht nur qualitativ hochwertig und jederzeit verfügbar, sondern auch unschlagbar günstig. Jeder Bürger zahle pro Tag im Schnitt 30 Cent für Trinkwasser, kommentierte der Verband den Bericht des Kartellamtes.

Der Präsident der Behörde, Andreas Mundt, bedauerte unterdessen, dass mit einer Gesetzesänderung von 2013 die kartellrechtliche Missbrauchsaufsicht über Gebühren ausgeschlossen worden sei. Damit unterliegen auch die Wassergebühren nur der Kommunalaufsicht der Länder, die weniger strenge Maßstäbe anlege. Das eröffne Unternehmen, die unter Preisaufsicht des Kartellamts stünden, die Möglichkeit einer „Flucht in die Gebühr“. Aber „gerade für den Verbraucher macht es keinen Unterschied, ob er zu hohe Preise oder zu hohe Gebühren für sein Trinkwasser zahlt“, betonte Mundt.

Derzeit gibt es laut Kartellamt mehr als 6000 Wasserversorger in Deutschland. Einer Vielzahl von kleinen kommunalen Betrieben stünden große Versorger gegenüber, die ebenfalls fast immer direkt oder indirekt in kommunaler Hand befänden. Seit mehr als 20 Jahren sei der Wasserverbrauch unter anderem durch technologischen Wandel, aber auch einem bewussteren Umgang rückläufig. Verbrauchte 1991 jeder Verbraucher im Schnitt 144 Liter pro Tag, seien es heute noch 121 Liter.

dpa

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