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Wirtschaft Güstrower Strippenzieher schalten Stromnetz für ganz MV
Nachrichten Wirtschaft Güstrower Strippenzieher schalten Stromnetz für ganz MV
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01:22 04.08.2016
Alles im Blick: Am Überwachungsplatz steuert Betriebsmeister Udo Faßauer (56) die Hochspannungsanlagen und erteilt Wartungs-Freigaben.

Fahren Sie gern Auto? Die Frage stellt Ralf Plischke in jedem Bewerbungsgespräch als erste. Seine 76 Mitarbeiter sind täglich im ganzen Land unterwegs. Mehr als 2000 Kilometer Leitungen halten sie in Schuss – für den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. Dessen Regionalzentrum für Mecklenburg-Vorpommern befindet sich in Güstrow (Kreis Rostock). Chef ist Ralf Plischke. Der 51-Jährige kennt das Stromgeschäft in der Barlach-Stadt seit der Kindheit. Bereits sein Vater hat zu DDR-Zeiten im Umspannwerk gearbeitet. „Ich bin von klein auf an mit ihm mitgelaufen und wollte auch nie etwas anderes machen“, erzählt er.

Im Regionalzentrum von 50Hertz werden die Umspannwerke und Schaltanlagen instand gehalten / Das Offshore-Geschäft lässt die Mitarbeiterzahl steigen

Fast 1000 Mitarbeiter

30 Prozent der Fläche Deutschlands deckt das Unternehmen 50Hertz mit seinem Höchstspannungsnetz ab. Hauptsitz des Übertragungsnetzbetreibers ist Berlin. Das Unternehmen betreibt mehr als 10 000 Kilometer Leitungen und beschäftigt rund 950 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben versorgt das Unternehmen mehr als 18 Millionen Menschen indirekt mit Strom.

Da nur wenig Strom gespeichert werden kann, müssen die Güstrower darauf achten, dass sich Produktion und Verbrauch zu jeder Zeit in der Waage befinden. „Wir sorgen für ein stabiles Netz, damit immer Strom aus der Steckdose kommt“, erklärt Plischke. Während früher ausschließlich Kohle- und Kernkraftwerke für die Herstellung verantwortlich waren, spielen heute regenerative Energien eine immer größere Rolle. „Doch der Wind pustet an manchen Tagen schwächer, nachts scheint keine Sonne, diese Faktoren müssen wir berücksichtigen“, erklärt Plischke. Aufgabe sei, den Erneuerbaren Energien stets den Vorrang im Netz zu geben.

22 Umspannwerke an Land und auf der Ostsee werden von dem Regionalzentrum aus betreut sowie mehr als 1800 Kilometer Freileitungen. Regelmäßig werden Transformatoren gewartet, Batterien kontrolliert, Trassen freigehalten und Isolatoren gewechselt. Damit Mitarbeiter in den elektrischen Anlagen sicher arbeiten können, werden von Güstrow aus die betreffenden Anlagen während der Arbeiten ausgeschaltet. Doch das fällt zunehmend schwerer, weil das Netz wird vor allem durch die Erneuerbaren Energien immer stärker ausgelastet wird und jede durch sie erzeugte Kilowattstunde zum Verbraucher gebracht werden soll.

Auch auf dem Wasser sind die Technik-Experten im Einsatz: Denn die Offshore-Netzanschlüsse für die Windparks „Baltic 1“ und „Baltic 2“ vor dem Darß und der Insel Rügen werden von Güstrow aus betreut. Sie haben für einen ordentlichen Schub bei der Mitarbeiterzahl gesorgt. 26 Kollegen kümmern sich inzwischen um den Offshore-Bereich, Tendenz steigend. „Vermutlich wird sich die Zahl verdoppeln“, sagt Plischke. Grund: Weitere Windparks entstehen. Seit März wird von Iberola der „Wikinger“-Park gebaut. Die Plattform – also das schwimmende Umspannwerk – tritt Mitte August von einer spanischen Werft aus die 4000-Kilometer-Seereise in die Ostsee an. „Unsere Mitarbeiter sind in den Bau involviert, schließlich müssen sie später mit der Technik, unserem Netzanschluss auf See arbeiten“, betont Plischke. Die 70 Turbinen des Windparks sollen ab dem kommenden Jahr 350 Megawatt Leistung bringen. In Lubmin bei Greifswald wird der Offshore-Strom an Land gebracht – auch der vom geplanten Windpark „Arkona“. Das sogenannte Anschluss-Projekt „Ostwind“ kostet 1,5 Milliarden Euro und wird damit die umfangreichste Investition in der Geschichte von 50Hertz. Die dafür notwendigen Seekabel werden bereits in die Ostsee gelegt. „Wenn unsere Mitarbeiter nicht mit dem Auto unterwegs sind, dann mit dem Schiff“, berichtet Plischke. Vorher müssten sie jedoch Höhenrettungs- und Überlebenstrainings absolvieren.

Die bisher turbulenteste Nacht hat der Güstrower im Februar 2005 erlebt: Ein Sturm tobt damals über das Land. Die Freileitungen fangen an zu schwingen – so stark, dass es zu unzähligen automatischen Ab- und Wiedereinschaltungen kommt. Das komplette Netz droht auszufallen. „Wir waren kurz davor, dass MV schwarz wird“, erinnert sich Plischke. Innerhalb von fünf Stunden gehen rund 16000

Warn- und Fehlermeldungen ein. Erst mit Hilfe der zentralen Schaltzentrale in Berlin gelingt es, das Netz wieder in die Waage zu bringen. „Dafür haben wir das Land aufgeteilt, wir haben uns um die eine Hälfte gekümmert, Berlin um die andere.“

Insgesamt hat 50Hertz sieben Regionalzentren. Ihre Mitarbeiter sorgen dafür, dass mehr als 18 Millionen Menschen in MV, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen rund um die Uhr Elektrizität haben.

Kerstin Schröder

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