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Heimspiel im Kuhstall

Heimspiel im Kuhstall

Zum Bundesfinale im Wettbewerb der grünen Berufe kommen junge Landwirte an die Küste. Mit dabei: Tierwirtin Daniela Walter

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Ganz in ihrem Element: die angehende Tierwirtin Daniela Walter (28) aus Mecklenburg-Vorpommern im „Prüfungsstall“.

Quelle: Fotos: Dietmar Lilienthal

Güstrow/Dummerstorf. Im Kuhstall hat Daniela Walter ein Heimspiel. Die 28-Jährige lernt Tierwirtin in der Burower Gutsmilch GmbH, einem Betrieb mit 900 Milchkühen bei Altentreptow (Mecklenburgische Seenplatte). Mit einem Blick erfasst sie, warum die Kühe im „Prüfungsstall“ von Gut Dummerstorf bei Rostock sich wohlfühlen. „Der Stall ist hell und gut belüftet, die Liegeflächen sind mit Stroh ausgelegt“, notiert Daniela auf ihrem Prüfungsbogen. Als Landessiegerin im Berufswettbewerb der deutschen Landjugend hatte sie sich – wie noch sieben weitere Teilnehmer aus MV – für den Bundesausscheid qualifiziert, der in dieser Woche in Mecklenburg-Vorpommern stattfindet. Dabei hatte Daniela zunächst Restaurant-Fachfrau gelernt und in mehreren Hotels gearbeitet, bevor sie jetzt Landwirtin lernt. Ihr Motiv: „Ich möchte einfach gern mit Tieren arbeiten.“

OZ-Bild

Zum Bundesfinale im Wettbewerb der grünen Berufe kommen junge Landwirte an die Küste. Mit dabei: Tierwirtin Daniela Walter

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Auch die nächste Station meistert die Mecklenburgerin – jetzt aber zusammen mit der Landessiegerin von Schleswig-Holstein, Katja Hartmann (20), einer angehenden Schäferin. „Löwenzahn, Vogelmiere, Weidelgras, Luzerne, Weißklee.“ Mühelos bestimmen beide die Futterpflanzen. Dass zwei Nordlichter ein Team bilden, ist Zufall. „Das wird ausgelost“, erklärt Carina Gräschke vom Bund der Deutschen Landjugend. Das Besondere in der Tierwirt-Sparte: elf von zwölf Teilnehmern sind Frauen.

Der Zufall hatte es offensichtlich gut gemeint mit dem „nordischen Doppel“. Auch beim nächsten Teil der Aufgabe harmonieren Daniela und Katja bestens. Sie sollen errechnen, wie groß eine Weide sein muss, damit fünf Kühe einen Tag dort satt werden können. Und die Fläche dann mit einem elektrischen Weidezaun abstecken.

„Das ist schon anspruchsvoll“, meint Detlef Nickel vom Bauernverband Güstrow, der seit vielen Jahren als „Prüfer“ bei den Landjugendwettbewerben agiert und mit seinem Engagement dazu beitrug, den Bundesausscheid erstmals nach MV zu holen.

Seit Anfang Februar hatten bundesweit rund 10 000 Nachwuchskräfte der grünen Berufe in den Sparten Land-, Tier- und Forstwirte, Winzer und Hauswirtschaft ihre Landessieger ermittelt. Die 119 Besten, darunter 35 junge Frauen, sind jetzt beim Bundesfinale dabei. Die meisten Teilnehmer kommen aus Baden-Württemberg (18), Niedersachsen (12) und Bayern (11).

„Der Bundeswettbewerb soll Aufmerksamkeit für die grünen Berufe wecken und deutlich machen, dass sie Zukunft haben“, betont der Schweriner Agrar-Staatssekretär Jürgen Buchwald. Bundesweit steige das Interesse an der Ausbildung in der Landwirtschaft, in MV dagegen gehe die Zahl der Lehrverträge zurück. Für das laufende Ausbildungsjahr wurden insgesamt fast 13600 Ausbildungsverträge in den grünen Berufen abgeschlossen – davon 11000 in den alten Bundesländern. Nur 432 Neuverträge gab es 2016 in MV – 5,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Viele Jung-Landwirte aus den alten Bundesländern sind beeindruckt von den „riesigen Flächen“ in Mecklenburg-Vorpommern. „Wir waren gerade auf einem 55-Hektar-Schlag, so groß ist unser ganzer Betrieb“, berichtet Jochen Ehrmann (19) aus Baden-Württemberg. „Die großen Strukturen sind natürlich wirtschaftlicher“, weiß Michael Schuhmann (19) aus Bayern. „Das kann man so nicht vergleichen“, meint Martin Joos (19). Er will lieber den Familienbetrieb seiner Eltern am Bodensee übernehmen. Christin Borchers (21) aus Nordrhein-Westfalen will nach der Lehre erst einmal Landwirtschaft studieren. Wo sie dann mal arbeitet, sei noch völlig offen. „Da gibt es viele Möglichkeiten“, ist sie überzeugt. Heute haben die Nachwuchs-Landwirte Zeit, bei Exkursionen Mecklenburg-Vorpommern näher kennenzulernen. Die beiden Ausflugsziele an der Ostsee – der Baumwipfelpfad in Prora auf Rügen und die Robbenstation in Warnemünde-Hohe Düne – waren besonders gefragt. „Da gab es mehr Wünsche als Plätze“, berichtet Organisatorin Anne Glamann vom Landjugendverband MV. Wie die künftigen Meister-Bauern aber im Wettbewerb abgeschnitten haben, ist bis heute ein Geheimnis. Erst spät am Abend wird es gelüftet – bei einem großen Fest an der Güstrower Agrar-Fachschule.

Bundeswettbewerb mit 10 000 Teilnehmern

8 Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern haben sich für den Bundesausscheid im Berufswettbewerb der Deutschen Landjugend qualifiziert. Beim Bundesfinale war gestern der spannendste Tag. Die 119 Besten in den Sparten Land-, Tier- und Forstwirtschaft sowie Weinbau und Hauswirtschaft absolvierten ihre praktischen Aufgaben.

Seit Februar hatten rund 10000 Nachwuchskräfte der grünen Berufe bundesweit ihre Landessieger ermittelt. Damit ist der seit 1953 alle zwei Jahre ausgetragene Wettstreit europaweit einer der größten beruflichen Leistungsvergleiche.

Der Wettbewerb findet zum 33. Mal statt, aber das erste Mal in MV. Austragungsorte sind Dummerstorf bei Rostock, das Forstamt Güstrow, die Lehrküche der Beruflichen Schule Güstrow und das Weingut Schloss Rattey.

Elke Ehlers

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