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Wirtschaft Heißer Metaller-Streik an der Küste
Nachrichten Wirtschaft Heißer Metaller-Streik an der Küste
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00:01 11.05.2016
Zentrale Kundgebung der IG Metall gestern vor dem Haupttor der Neptun Werft in Warnemünde. Quelle: Imago

Sonne satt und gute Laune auf der einen Seite, harte Tarifforderungen und Streikdrohungen auf der anderen: Der Aktionstag der IG Metall Küste bot gestern vor dem Tor der Neptun Werft Warnemünde von allem etwas. Mit dem zweistündigen Warnstreik will die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber im aktuellen Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie erhöhen. Zu der zentralen Kundgebung vor der Neptun Werft versammeln sich laut IG Metall etwa 1200 Metaller — aus der Werft, von Nordic Yards, Liebherr Rostock und Lubmin, IMG, Caterpillar und Siemens. Insgesamt beteiligen sich in ganz MV 1420 Beschäftigte aus zwölf Betrieben an dem Küstenaktionstag.

Wenn die Arbeitgeber nicht auf unsere Forde- rung eingehen, müssen wir eben weiter streiken.“ Tobias Klaeske (32), Schweißer bei Liebherr in Lubmin
Wir wollen einen gerech- ten Lohn für unsere Arbeit. Fünf Prozent mehr, wie ge- fordert, wären sehr schön.“ Ilona Mauksch (57) von der Neptun Werft Warnemünde
Wenn die Arbeitgeber nicht auf unsere Forde- rung eingehen, müssen wir eben weiter streiken.“ Tobias Klaeske (32), Schweißer bei Liebherr in Lubmin
Wir wollen einen gerech- ten Lohn für unsere Arbeit. Fünf Prozent mehr, wie ge- fordert, wären sehr schön.“ Ilona Mauksch (57) von der Neptun Werft Warnemünde

Schon kurz nach 11 Uhr stehen Hunderte Männer — und ein paar Frauen — auf dem Platz. Von Minute zu Minute werden es mehr. Fünf Busse fahren vors Werfttor, Gewerkschafter aus Stralsund und Lubmin steigen aus. Einer von ihnen ist Tobias Klaeske (32), Schweißer bei Liebherr in Lubmin: „Ich mache beim Warnstreik mit, weil ich eine gerechte Bezahlung für meine Arbeit will.“ Fünf Prozent mehr, die Forderung der Gewerkschaft sei gerechtfertigt. Wenn die Arbeitgeber nicht darauf eingehen, „müssen wir eben weiter streiken“, betont Klaeske.

Jetzt knallt die Sonne richtig vom wolkenlosen Himmel. Helfer verteilen Wasserflaschen, die reißenden Absatz finden. Und weil es langsam Mittagszeit wird, bildet sich auch am Stand mit Wienern und Suppe eine lange Schlange. Überall hängen Plakate, auf einem ist zu lesen: „Ihr könnt uns mal . . 5 Prozent mehr geben.“

Hinter dem Slogan verbirgt sich der Grund für den küstenweiten Warnstreik. „Wir fordern fünf Prozent mehr Entgelt für die 140000 Beschäftigten der norddeutschen Metallindustrie“, erklärt Stefan Schadt, Geschäftsführer der IG Metall Rostock-Schwerin. Und, auf den Arbeitgeberverband Nordmetall gemünzt: „Wenn sie Streik wollen, dann können sie ihn kriegen.“ Die Arbeitgeber würden nur 2,1 Prozent mehr anbieten sowie eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent über eine Laufzeit von 24 Monaten, sagt Schadt. Die Antwort der Streikenden: „Buh“-Rufe und ein Trillerpfeifenkonzert. Das Angebot der Arbeitgeber sei „lächerlich“, sagen viele der Metaller.

Das hört sich auch der Arbeitgeberverbands-Chef an. Nordmetall- Präsident Thomas Lambusch steht unter den Hunderten Beschäftigten vor der Neptun Werft. Er will sich über die Stimmung informieren, heißt es aus dem Verband. Zuvor hat Lambusch den Aktionstag der IG Metall verurteilt: „Was da als Warnstreiks über 24 Stunden inszeniert wird, ist verantwortungslose Gewerkschaftsfolklore“, sagt er.

Viele Betriebe im Norden, die unter Auftragsrückgängen und der schwächelnden Weltkonjunktur leiden, würden durch eine ganztägige Lahmlegung zusätzlich belastet. Das erhöhe den Kostendruck erneut, nimmt weitere Spielräume für Lohnerhöhungen und gefährdet am Ende Arbeitsplätze.

Das sehen die Mitarbeiter ganz anders. „Natürlich bin ich als IG-Metallerin bei diesem Warnstreik dabei. Wir wollen nur einen gerechten Lohn für unsere Arbeit“ erklärt Ilona Mauksch (57) aus der Lagerwirtschaft der Neptun Werft, seit 1975 auf der Werft. Fünf Prozent mehr Lohn, so wie in der Tarifrunde gefordert, wären sehr schön.

Gestern haben IG Metall und Arbeitgeber vereinbart, den Tarifkonflikt in Nordrhein-Westfalen zu lösen. Morgen wollen die Tarifpartner in Köln weiter verhandeln.

Von Bernhard Schmidtbauer

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