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00:01 17.03.2017
Das Früchtchen passt: Mit einem Kalibriermessring prüft Einkaufsleiterin Claudia Krüger-Bellmann (32), ob sich die angelieferten Äpfel eher für Ringe oder doch eher für Dörrwürfel eignen. FOTOS (3): NORBERT FELLECHNER

In den süßsauren Apfel beißen, das ist für Karina Angrick im Job Pflicht. Und das schmeckt der 50-Jährigen. Vor allem, wenn sie das Kernobst als Chips knabbern kann. „Die sind lecker.“ Ihr Chef, Martin Nätscher, hat nichts dagegen, wenn Karina Angrick bei der Arbeit nascht. Im Gegenteil: „Meine Mitarbeiter sind die beste Qualitätskontrolle“, sagt der 46-Jährige. Was bislang nur sein Team verkosten durfte, soll nun Kunden anlocken. Kommende Woche startet Nätschers Trockenfrüchte-Fabrik mit der Produktion. Drei Monate lang hat der Unternehmer im Greifswalder Gewerbegebiet „Am Koppelberg“ eine ausgediente Großküche zum Dörr-Werk umbauen lassen. Einst wurde hier Essen für die Unimedizin zubereitet, nun verarbeitet Nätscher auf 1800 Quadratmetern Äpfel zu Ringen, Würfeln, Mehl und sortenreinen Säften.

Ab Montag produziert die Firma Bio am Sund in Greifswald Apfelringe, Kiwiwürfel und andere Trockenfrüchte. Die werden als Snacks, Müslis und im Schokomantel verkauft.

Bestes Bio-Obst – etwas anderes komme ihm nicht in die Chips-Tüte, betont Martin Nätscher. Schließlich bürge er buchstäblich mit seinem Namen für Qualität: „Martins“ soll auf jeder Packung seiner Dörrobst-Produkte stehen. „Bio braucht ein Gesicht, um erfolgreich zu sein.“ Die Werbestrategie hat er sich beim Babybrei-Papst Claus Hipp abgeschaut. „Mein Vorbild.“ Wie man knackige Äpfel in Chips mit Biss verwandelt, weiß Nätscher hingegen aus vielen Jahren Erfahrung in der Branche: Er war Mitbegründer und Chef von Biosanica. Nach Differenzen mit Norbert Braun, dem Mehrheitseigner des Trockenfrüchte-Herstellers am Pommerndreieck, verließ Nätscher Ende 2015 das Unternehmen. In Stralsund gründet er seine Firma Bio am Sund, berät Bio-Betriebe. Doch bald schon juckt es Nätscher wieder in den Fingern. Besser gesagt in der Nase. Beim Besuch eines früheren Obstlieferanten im Alten Land erliegt er dem Duft frischer Äpfel. „Der Geruch ist einfach geil.“ Für ihn steht fest: Er will selbst wieder ins Apfelgeschäft einsteigen. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, Claudia Krüger-Bellmann, und Daniel Rosenfeld – beide einst wie Nätschers bei Biosanica – plant er eine Betriebsstätte in Greifswald. Die ist nun fertig und soll ab sofort Müslihersteller mit Apfelwürfeln beliefern. Ein Vorhaben mit Beigeschmack, denn schließlich ist das auch Biosanicas Kerngeschäft. Von Konkurrenzkampf will Nätscher aber nichts wissen. „Unser Fokus liegt nicht auf Industriekunden, sondern auf dem Endverbraucher.“ Um den als Kunden für sich zu gewinnen, hat Nätscher gleich eine ganze Palette an Ideen.

Die Bio-am-Sund-Fabrik hat er als gläserne Produktion angelegt. Durch Fenster können Besucher dabei zusehen, wie Äpfel im Maschinenpark entkernt, geschnitten und anschließend in die Dörrkammern geschoben werden. Was in den Trockenschränken entsteht, wird über den Werksverkauf (inklusive Müslibar) und den firmeneigenen Online-Shop vermarktet. „Wir möchten aber auch kleine Läden eröffnen, vor allem in Urlaubsregionen“, kündigt Martin Nätscher an. Außerdem plane er, mit Hoteliers zusammenzuarbeiten. „Ich kann mir gut vorstellen, dass unsere Produkte als Betthupferl auf den Zimmern liegen.“

Sein Dörrobst wird Nätscher nicht nur pur, sondern auch in einer extrasüßen Variante anbieten: Eine Spezialmaschine verpasst Apfelringen einen Bio-Schoko-Mantel. Außerdem will Nätscher Tafelschokolade mit Apfelwürfeln aufpeppen. „Das hab’ ich zu Hause in meiner Küche ausprobiert und es war saugut“, schwärmt der Unternehmer. Auch von seinem Versuch, Kiwis zu trocknen und als Würfel ins Müsli zu mischen, ist er begeistert. Deshalb sollen auch die ins „Martins“-Sortiment, genau wie gedörrte Ananas und Mango. Die Fruchtstücke schmecken nicht nur dem Firmenchef. Gut 20 Großkunden hätten unlängst auf der Messe Biofach bei ihm angebissen, berichtet Nätscher stolz. Ähnlich gute Erfolge erhofft er sich von weichen Früchtchen: Der 46-Jährige will Kunden softe Apfelringe schmackhaft machen. „Der Markt dafür ist riesig. Drogerieketten sind ganz scharf darauf.“ Bislang seien die vor allem auf Chinaware angewiesen. Er hingegen verwende ausschließlich Bio-Äpfel aus Deutschland, Österreich und Südtirol. Obst allein genügt dem Herrn der Apfelringe nicht. Ab Juli will Martin Nätscher auch Gemüse wie Kohlrabi und Zucchini zu Chips trocknen.

Die Preise für Nätschers Dörrware sind vergleichsweise saftig: Rund 2,50 Euro kostet eine 100-Gramm-Tüte „Martins“-Apfelchips. Dafür steckt darin gut ein Kilo Kernobst. Und viel Qualität und Handarbeit, betont der Nätscher. „Dafür ist der Verbraucher bereit etwas mehr zu zahlen.“ Am Erfolg seiner Fabrik hat der Herr der Apfelringe daher keinen Zweifel. Das sage ihm sein Bauchgefühl.

Gläserne Produktion mit Werksverkauf

20 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit sind in Greifswald für Bio am Sund tätig. 100 Tonnen Apfel-Trockenfrüchte will Firmenchef Martin Nätscher im ersten Jahr produzieren.

In der gläsernen Produktion können Besucher verfolgen, wie aus Äpfeln Chips und Schokofrüchte werden. Alle Produkte werden künftig im Werksverkauf angeboten sowie über den firmeneigenen Onlineshop und in Läden in der Region vertrieben.

1,66 Millionen Euro – 524000 Euro davon Fördermittel – wurden in den Aufbau der Trockenobst-Produktion investiert.

Antje Bernstein

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