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Hilfe von oben – mit Drohnen Leben auf dem Feld retten

Dolgen am See Hilfe von oben – mit Drohnen Leben auf dem Feld retten

Der Verein Wildtierhilfe MV macht sich stark für Rehkitz & Co.

Dolgen am See. Das kleine Dorf Sabel liegt idyllisch zwischen Wiesen und Feldern. Ein schönes Fleckchen Erde, denkt man. Doch gerade diese Wiesen und Felder werden in den kommenden Monaten zum Friedhof vieler wild lebender Tiere.

Hier sah Frank Demke – Gründer des Vereins Wildtierhilfe MV – zum ersten Mal, was im Freien wirklich los ist. Verstümmelte Gliedmaßen, zerquetschte und aufgeschlitzte Körper. Bilder, die nur schwer aus dem Kopf zu kriegen sind. Schuld ist jedoch nicht der Fuchs, sondern der Mensch. Laut Schätzungen sterben jährlich rund 500000 Wildtiere durch Mähtod in Deutschland. Darunter Bodenbrüter, Amphibien und Rehe. Besonders Rehkitze sind in ihren ersten Lebenstagen hilflose Opfer der Mähmaschinen. Fluchtunfähig ducken sie sich instinktiv tiefer ins Gras. Es gibt kaum Chancen für den Bauern das Tier rechtzeitig zu sehen.

Frank Demke wollte dem sinnlosen Tod dieser Tiere nicht mehr untätig zusehen. So startete er 2012, ausgestattet mit einer Handkamera mit Wärmebrücken-Detektion, um kurz vor der Mahd stehende Wiesen nach Kitzen abzusuchen. Ein uneffektives Unterfangen. Durch einen Zufall habe er dann einen Hubschrauberpiloten kennengelernt. Der zeigte dem Vereinsgründer, was mit einer Drohne, auch Copter genannt, alles möglich ist.

Wildtierrettung aus der Luft. Ein Copter, ausgestattet mit Echtbild- und Wärmebildkamera, überfliegt die Wiesenfläche. In nur wenigen Stunden werden die Mähwerke ertönen. Für das ehrenamtliche Team des Vereins Zeit die Rehkitze mit dem Copter zu entdecken und vor den scharfen Klingen der Mäher zu retten. Wird ein Kitz gefunden, wird dieses mit Hilfe eines modifizierten Windschutzes umkreist und von den Landwirten beim Mähen umfahren. So konnten schon 73 Rehkitze in den letzten vier Jahren gerettet werden. Trefferquote der Einsätze: hundert Prozent.

2016 war durch den Verlust der beiden Fluggeräte geprägt, ein Schaden von 15000 Euro. Für das neue Jahr ist der Verein allerdings positiv gestimmt. „Jetzt startet die Mähsaison. Wir sind gut vorbereitet. Dank neuem Copter und verbesserter Wärmebildkamera sind wir viel effektiver unterwegs als vorher“, erzählt der Wildtierretter.

Die Anzahl der Landwirte in MV, die das kostenlose Angebot des Vereins annehmen, ist in den letzten Jahren gestiegen. Betriebsleiter aus Dummerstorf, Teterow, Sanitz, Bützow und Ahrenshagen gehen mit gutem Beispiel voran. Jedoch sei diese Zahl „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Frank Demke bemängelt das fehlende Interesse bei Landwirten und auch bei Jägern. Dabei stehen beide Personengruppen laut Tierschutzgesetz in der Pflicht, prophylaktische Maßnahmen zu ergreifen, um das Töten „von Wirbeltieren ohne ersichtlichen Grund“ zu vermeiden. Zu wünschen wäre, wenn zumindest Jäger und Landwirte bei der Vermeidung von Wildtierverlusten durch Mähmaschinen zusammenarbeiten würden, so Demke. Sei es durch Abgehen der Flächen mit Hunden oder anderen konventionellen Methoden, wie Vergrämung durch Piepser oder das Mähen von innen nach außen.

Deutschlandweit gibt es nur wenige Projekte, die sich der Luftrettung von Wildtieren verschrieben haben. Wildtierhilfe e.V. ist in Mecklenburg-Vorpommern einzigartig und lebt allein von ehrenamtlichem Engagement. Für den Verein mit nur 14 Mitgliedern wünscht sich Vereinschef Demke, dass sich mehr Leute engagieren: „Wir leben von der Natur, aber wir plündern und beuten sie aus.

Jeder sollte darüber nachdenken, ehrenamtlich etwas zurückzugeben.“ Drohnen fliegen ist da eine Möglichkeit.

Sarah Rosinski

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