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Wirtschaft Hofmanns wunderbare Müll-Waschmaschine
Nachrichten Wirtschaft Hofmanns wunderbare Müll-Waschmaschine
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00:13 31.03.2018
Michael Hofmann, Geschäftsführer FVH Folienveredlung Hamburg GmbH&Co.KG Schwerin
Schwerin

Im Januar begann in der Welt der Müllverwertung eine neue Zeitrechnung. China, bislang größter Abnehmer von Plastikabfällen, machte die Schranken dicht. Grund dafür waren Umweltprobleme: Zu schmutzig war der Müll, zu wenig sortenrein, wie es in der Verwertungsbranche heißt. Nun herrscht Krisenstimmung. Wohin mit den 560000 Tonnen deutschem Kunststoffmüll, der bisher in China landete? Abkippen auf Deponien ist verboten, ein Großteil wird daher zurzeit verbrannt. Um das zu beenden, werden gerade neue Recyclingverfahren gesucht. Damit endlich funktioniert, was bisher bloß auf bunten Schautafeln klappte: aus altem Plastik neues machen. Hier kommt Michael Hofmann (59) mit seiner Wundermaschine ins Spiel.

Krisenstimmung in der Abfallbranche / Eine Schweriner Firma profitiert davon

Seit knapp zwei Jahren betreibt der Verfahrenstechnik-Ingenieur aus Hamburg am Schweriner Stadtrand ein Recycling-Unternehmen. Nebenan stellt die Firma Zim Flugzeugsitze her, gegenüber ist die Kaffeekapselfabrik von Nestlé. Der Name von Hofmanns Firma ist noch dem alten Standort verpflichtet: Folienveredlung Hamburg. Wohl kaum eine Firma in Deutschland profitiert so sehr von der Plastikmüllkrise. „Wir werden überrannt“, sagt der Unternehmer. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche laufen die Anlagen. Die Nachfrage würde locker für das 20-Fache reichen. 22 Delegationen aus China waren seit Jahresanfang bei ihm zu Besuch. Um die Wundermaschine des Wahl-Schweriners zu sehen, die altes Plastik in neues verwandeln kann. Viele der Chinesen wollen sein Endprodukt kaufen:

Weißes und graues Plastikgranulat, begehrter Industrie-Rohstoff , den Hofmann unter dem Markennamen „Ecophoenixx“ verkauft. Der Stoff ist knapp, seit China das Recycling einstellte. Andere Chinesen, die zu ihm kommen, wollen als Investoren einsteigen.

Hofmanns Maschine ist ungefähr so groß wie ein Automotor, eine ganze Reihe davon gibt es in seiner Fabrik, umgeben von mächtigen Förderanlagen und Leitungen. Es riecht ein wenig streng, in einer Halle stapelt sich der Plastikmüll bis zur Decke, darunter der gesamte Folienabfall der Stadt Oslo. Genau genommen ist das Gerät eine Art Waschmaschine, die in Fetzen geschredderte Plastikfolie wäscht. Klebeetiketten, Lebensmittelreste – selbst gut vorsortierte Folie ist voll davon. Hochwertiger Kunststoff lässt sich daraus nicht herstellen. Jedenfalls nicht ohne Reinigung. Und die besorgt Hofmanns Maschine. Wie in einer Flugzeugturbine werden die Plastikfetzen mit Wasser in irrsinniger Geschwindigkeit durch enge Schlitze gepresst. Pro Sekunde werden so 250 Quadratmeter gereinigt.

„Ohne Waschmittel, nur mit kaltem Wasser“, betont Hofmann. Er hat mit seinem Ingenieurbüro die Maschine erfunden. Auftraggeber war ein großer Entsorger, Hofmann gehören die Patente.

„Wir betreiben grüne Technologie“, erklärt der Firmengründer. Das ist ihm wichtig. Jedes Jahr werden weltweit 330 Millionen Tonnen Kunststoff produziert. 40 Prozent davon landen als Verpackungsmaterial früher oder später im Müll. Oder im Meer. „Laut einer Studie wird es 2050 genauso viel Plastik in den Meeren geben wie Fisch“, sagt Hofmann. Die Verbraucher in Deutschland misstrauten dem Recyclingsystem. „Alle sagen sich: Wir sammeln und trennen, und dann wird es doch verbrannt“, so der Unternehmer. Ein funktionierender Kreislauf könnte die Lösung sein. Aus 100 Kilo Folienabfall macht die Schweriner Fabrik 60 Kilo neues Plastik. Der Rest ist organischer Abfall, der in Kraftwerken verbrannt werden kann, und kleinere Mengen grober Plastikmüll. Das nötige Wasser wird in einer eigenen Kläranlage aufbereitet und fließt in einem Kreislauf.

Hofmann verkauft seine Maschinen auch. Sie laufen in Fulda und in Bulgarien. Bald auch in Peru. „Dort gibt es Täler, in denen sich der Plastikmüll zehn Meter hoch stapelt“, sagt er. Auch sein Hamburger Büro soll bald nach Schwerin ziehen. Privat hat der 59-Jährige diesen Schritt bereits vollzogen. Das Recyclingwerk in Schwerin wird bis 2022 seine Kapazität verfünffachen, so die Planung.

150 neue Arbeitsplätze entstehen, zu den 40 vorhandenen. 45 Millionen Euro wird das kosten. Investoren sollen sich beteiligen, vielleicht auch aus China. Hamburg sei als Industriestandort zu teuer geworden, außerdem gebe es dort kaum noch Fachkräfte, meint der Unternehmer. „Mecklenburg-Vorpommern ist das Beste, was uns passieren konnte“, sagt Hofmann.

150 Jobs sollen entstehen

18000 Tonnen Folienabfall kann die Schweriner Firma FVH Folienveredlung Hamburg zurzeit im Jahr verarbeiten. Bis 2022 soll die Kapazität auf 98000 Tonnen steigen. 150 neue Job sollen entstehen. 45 Millionen Euro will das Unternehmen investieren – auch mit Hilfe von Investoren. 2016 hat sich die Firma in Schwerin angesiedelt, in der Nachbarschaft von Nestlé.

Gerald Kleine Wördemann

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