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Wirtschaft Hotels im Land werden aufgemöbelt
Nachrichten Wirtschaft Hotels im Land werden aufgemöbelt
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00:00 13.07.2018
Rostock: Trihotel-Chef Benjamin Weiß (r.) und Christoph Haberle von FurniRent inspizieren ein neu eingerichtetes Hotelzimmer. Quelle: Foto: Häntzschel/nordlicht
Wenn erneuert wird,

Die alten Möbel im Landhausstil sind raus. Jetzt „wachsen“ echte Birkenstämme in den Zimmern des Trihotels in Rostock, eine Fototapete holt den Wald ins Schlafgemach, das ansonsten von fliederfarbenen Satinstoffen geprägt ist. Ein besonderer Clou: Der Gast kann die Farbe der Hintergrundbeleuchtung per Display selber einstellen. Hotelier Benjamin Weiß ist sichtlich zufrieden – und gehört zu denjenigen im Land, die erkannt haben, dass Erneuerung nötig ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine Erkenntnis, die in der Branche offenbar noch nicht bei allen Kollegen angekommen ist.

Gastgewerbe: Polen und Schleswig-Holstein holen auf / Unternehmer in MV investieren zu wenig

Tobias Woitendorf vom Tourismusverband (TMV) ist überzeugt: „Es ist auf jeden Fall Investitionsbedarf da, und es wird weniger investiert als nötig ist.“ Er verweist auf das Ostdeutsche Sparkassen-Tourismusbarometer, wonach die Investitionsbereitschaft an der Küste in den vergangenen Jahren trotz höherer Gewinne nicht größer gewesen sei als in anderen ostdeutschen Ländern. Und auch Matthias Dettmann, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Mecklenburg-Vorpommern (Dehoga), mahnt: „Wir müssen aufpassen. Die Nachbarn in Schleswig-Holstein haben mittlerweile aufgeholt. Und auch die Polen investieren gerade mit EU-Förderung intensiv in ihre Hardware und in die Produkte.“

Trihotel-Chef Benjamin Weiß macht aber auch klar, dass es für ein Unternehmen ein echter Kraftakt ist, immer auf dem Laufenden zu bleiben. 24 seiner 101 Zimmer hat er gerade erneuern lassen, alle anderen sind im Laufe der kommenden drei bis vier Jahre dran. Der Gast erwarte das ganz einfach, das sei auch das Ergebnis von Befragungen im eigenen Haus. Für Weiß bedeutet das eine Gesamtinvestition von 400 000 Euro, wobei er in den vergangenen fünf Jahren schon alle Bäder renovieren ließ. Weiß steckt 30 Prozent Eigenkapital in die Modernisierung. Er arbeitet mit der österreichischen Firma furniRent zusammen, bei der er die seltene Möglichkeit zum Mietkauf, also zu einer Art Möbelleasing, hatte und die darüber hinaus den gesamten Umbau in nur drei Wochen über die Bühne brachte. Angesichts des aktuellen Baubooms, der es schwer macht, überhaupt kurzfristig einen Handwerker anzuheuern, sei das geradezu sensationell. Und er ist froh: „Zum Glück haben wir zwei Banken gefunden, die all das mitfinanziert haben.“ Auch das sei nämlich alles andere als selbstverständlich. Die Kreditinstitute sind im touristischen Bereich zögerlicher geworden – was in den Augen von Tobias Woitendorf ganz einfach daran liegt, dass die Erlöse im Dienstleistungsbereich nicht so hoch ausfallen wie beispielsweise in der IT-Branche.

Hotelier Weiß blickt ein wenig neidisch in Richtung Schleswig-Holstein: „Dort sind die Subventionsgesetze geändert worden, so dass auch Modernisierungsinvestitionen in die Hotellerie wieder gefördert werden. Bei uns dagegen gibt es nur eine Arbeitsplatzförderung. Wir sind jetzt die mit den veralteten Möbeln, die die Finanzierungsprobleme haben.“ Dehoga-Chef Matthias Dettmann ergänzt: „Vielleicht ist der leichte Rückgang der Übernachtungszahlen im vergangenen Jahr schon ein Warnsignal. Wobei er zugleich betont: „Unser neues Landestourismuskonzept hat qualitatives Wachstum über quantitatives Wachstum gesetzt. Und das ist auch der richtige Weg.“ TMV-Sprecher Tobias Woitendorf schließlich ist überzeugt: „Es gibt nun einmal Zyklen im Wirtschaftsleben. Nach der Wende ist viel Geld in unser Land geflossen, jetzt ist Polen Höchstfördergebiet.“ Darüber hinaus könne es ganz einfach keine Gewähr dafür geben, dass die öffentliche Hand einen Betrieb dauerhaft durch die Zeiten trägt.

Wohin mit dem alten Inventar?

fliegt Altes raus. Aber was wird eigentlich aus 24 Hotelbetten, Nachttischen, Sesseln, wenn sie nicht mehr im Dienst sind? Trihotel-Chef Benjamin Weiß bedauert:

„Die werden ganz einfach entsorgt.“ Als er vor Jahren sein Restaurant modernisiert hat, machte er zunächst den Versuch, die Ausstattung über einen Händler verkaufen zu lassen – vergeblich.

Auch andere Hoteliers im Lande stehen regelmäßig vor der Frage, was aus ihren ausrangierten Möbeln werden soll. Kathrin Bormbach, Inhaberin des „Seeschloss Sellin“, hat gerade erst 36 Zimmer neu ausgestattet und war froh über die Anfrage eines Gastes, der das alte Inventar abholte, um damit eine Arbeiterunterkunft auszustatten. Ansonsten wären auch ihre Möbel größtenteils auf dem Müll gelandet. Das Warnemünder Neptun-Hotel vergibt gut erhaltene Stücke teils an die eigenen Mitarbeiter, teils an das Sozialkaufhaus der Diakonie. Letztere kommen dann ins Hotel und holen sich die Stücke, die sie noch gebrauchen und an Bedürftige weitergeben können. Wobei auch sie nicht für alles Verwendung haben.

Christiane Winter-Thumann, die in der Arcona-Gruppe für 21 bestehende und vier geplante Hotels zuständig ist, erklärt: „Man muss immer im Einzelfall entscheiden, was sinnvoll ist.“ Einbauschränke beispielsweise seien nach dem Abbau meist nicht mehr zu gebrauchen. Auch Matratzen werden aus hygienischen Gründen grundsätzlich nicht weitergegeben. Für loses Mobiliar dagegen organisiert die Marketing-Chefin schon einmal eine Auktion für irgendeinen guten Zweck. In anderen Fällen stellte sie einfach alles für zwei Tage auf die Straße und rief die Bürger dazu auf, sich zu nehmen, was sie gebrauchen können. Und bei älteren Häusern gab es auch schon mal den Aufruf an alle Stammgäste: Wer persönliche Erlebnisse und Anekdoten über das jeweilige Haus bieten kann, der darf sich einen Tisch oder einen Stuhl aus dem Restaurant mitnehmen.

Eines der wenigen Hotels, das mit Entsorgungsproblemen nur selten zu tun hat, ist der Niederländische Hof in Schwerin. Empfangschef Maik Amtsberg: „Wir haben bei uns fast ausschließlich Antikmöbel, die werfen wir ganz bestimmt nicht raus, die müssen nur regelmäßig überarbeitet werden.“K.Bülow

Katja Bülow

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