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IG Metall greift zu Tages-Warnstreiks

Nach Abbruch der Gespräche IG Metall greift zu Tages-Warnstreiks

Klagen vor dem Arbeitsgericht und Streiks mit bis zu 24 Stunden Dauer - in der Metall-Tarifrunde wird zunehmend mit härteren Bandagen gekämpft. Das könnte ziemlich teuer werden.

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Ein streikender Mitarbeiter hält eine Fahne der IG Metall in die Höhe.

Quelle: Sophia Kembowski/archiv

Frankfurt/Main. Der Tarifkonflikt für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie spitzt sich zu. Erstmals will die IG Metall ab Dienstagabend ihre neuartigen Tages-Warnstreiks einsetzen.

Die Gewerkschaft hat dafür am Montag in rund 250 Betrieben Abstimmungen in Gang gesetzt. Unter anderem sollen der Lastwagenbauer MAN in München, die Ford-Werke in Köln und Heidelberger Druckmaschinen bestreikt werden. Stimmt eine einfache Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder im entsprechenden Betrieb zu, werden die Tagesstreiks begonnen, erläuterte eine Sprecherin der IG Metall.

Die Ausstände könnten nach Einschätzung des arbeitgebernahen Instituts der Wirtschaft (IW Köln) in der laufenden Hochkonjunktur zu millionenschweren Umsatzverlusten führen. Nehmen durchschnittlich 200 Beschäftigte pro Betrieb teil, müsse man mit rund 62 Millionen Euro Umsatzeinbußen rechnen, erklärte IW-Tarifforscher Hagen Lesch. Würden gezielt größere Betriebe bestreikt, steige der Umsatzaufall bei 100 000 Teilnehmern auf etwa 125 Millionen Euro.

Fernwirkungen der Aktionen etwa auf Zulieferer seien in den Zahlen noch nicht enthalten, erklärte Lesch. Zwar könnten die betroffenen Betriebe versuchen, die ausgefallene Produktion nachzuholen. Dafür seien aber teure Überstunden notwendig, die zudem schwierig zu organisieren seien, da viele Betriebe und Beschäftigte bereits an ihren Belastungsgrenzen arbeiteten. Schlimmstenfalls gingen die Tagesstreiks vom ersten Tag an an die Substanz, erklärte der Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander in Berlin: „Es entstehen Riesenschäden, weil alle Firmen in den langen Lieferketten betroffen sind.“

Der bayerische Arbeitgeberverband vbm hielt der IG Metall vor, den Streik um seiner selbst willen zu organisieren. Das hohe und abschlussfähige Angebot von Stuttgart am vergangenen Wochenende belege den großen Einigungswillen der Arbeitgeber. Man habe bei einer Laufzeit von 27 Monaten fast 7 Prozent mehr Geld angeboten. Abgelehnt hatten die Arbeitgeber aber die aus ihrer Sicht rechtswidrige Forderung, bestimmten Beschäftigten einen Ausgleich für entgangenen Lohn zu zahlen, wenn diese ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden reduzierten.

Beim Arbeitsgericht Frankfurt waren zunächst noch keine Klagen gegen die Tagesstreiks eingegangen, die im Tarifgebiet Nordrhein-Westfalen bereits am Dienstagabend beginnen sollen. Mehrere regionale Arbeitgeberverbände kündigten aber Klagen wegen des umstrittenen Teillohnausgleichs an. Nach Angaben eines Sprechers von Gesamtmetall geht es um möglichen Schadenersatz für Unterstützungszahlungen an bestreikte Unternehmen.

Die Gewerkschaft hat beim Gericht seit Jahresbeginn eine Reihe von Schutzschriften hinterlegt, erklärte eine Justizsprecherin. Diese gelten auch für Anträge einzelner Unternehmen, die sich möglicherweise per einstweiliger Verfügung vor Produktionsausfall schützen wollten. Mit einer vorsorglichen Schutzschrift kann die Gewerkschaft erreichen, dass ihre Rechtsauffassung bei einer möglichen Eilentscheidung berücksichtigt wird.

Eine automatische Fortsetzung der Warnstreiks in der kommenden Woche sei zunächst nicht geplant, erklärte eine Sprecherin der IG Metall. Vielmehr seien die Geschäftsstellen angewiesen worden, die Urabstimmung für einen dann unbefristeten Flächenstreik in einem oder mehreren Tarifgebieten vorzubereiten für den Fall, dass es keine weiteren Einigungsversuche gebe.

Die Gewerkschaft verlangt sechs Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 12 Monaten und Möglichkeiten zur Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden. Bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder sollten einen Teil-Ausgleich für entgangenen Lohn erhalten, was die Arbeitgeber bislang strikt ablehnen. Sie verlangen zudem, das verfügbare Arbeitsvolumen zu erhalten. „Bei der Arbeitszeit brauchen wir Flexibilität in beide Richtungen. Was durch Arbeitszeitverkürzung verloren geht, muss an anderer Stelle durch längeres Arbeiten ausgeglichen werden“, sagte der Präsident von PfalzMetall, Johannes Heger.

dpa

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