Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft IWF warnt: Brexit bremst Eurozonen-Wachstum
Nachrichten Wirtschaft IWF warnt: Brexit bremst Eurozonen-Wachstum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:14 10.07.2016
Anzeige
Washington/Brüssel

Der Brexit bremst nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Wirtschaftskraft der Eurozone. Das Wachstum werde nach dem Votum der Briten zum Ausstieg aus der Europäischen Union merklich geringer ausfallen als bisher erwartet, sagte der IWF voraus.

Die Experten in Washington rechnen für 2016 nur noch mit 1,6 Prozent Wirtschaftswachstum in den Euro-Ländern, gefolgt von 1,4 Prozent 2017 und 1,6 Prozent 2018. Bisher waren sie von einem durchgehenden Plus von 1,7 Prozent ausgegangen.

Bei dieser ersten Folgenabschätzung nehme man noch ein relativ günstiges Szenario - den vollen Zugang Großbritanniens zum gemeinsamen europäischen Binnenmarkt - an, sagte der IWF-Experte Mahmood Pradhan in einer internationalen Telefonkonferenz. Sorge bereite dem IWF, dass der Ausstiegsprozess länger dauern könnte. Das stelle insbesondere ein Risiko für die Finanzmärkte dar.

Die Lage in Großbritannien könne auf die Euroländer überschwappen, warnte der IWF bei der Vorlage seiner jährlichen Analyse zur Wirtschaft der Eurozone ausdrücklich. Um entsprechende Unsicherheiten abzubauen, rieten die zuständigen IWF-Direktoren zu einem sanften und berechenbaren Übergang beim Austritt der Briten aus der EU. Bisher hat die Londoner Regierung bei der EU noch keinen formellen Antrag auf ein Ausscheiden aus der Gemeinschaft gestellt.

Neben dem Brexit-Risiko hob Pradhan noch eine Reihe weiterer Schwierigkeiten in der Eurozone hervor. „Ein Durchwurschteln ist immer weniger haltbar“, sagte der Vizedirektor der Europa-Abteilung des IWF. Die Politiker sollten die wachsende Europa-Skepsis umkehren und die Währungsunion stärken, indem sie enger zusammenarbeiten.

Im Fall eines erneuten Anstiegs der Flüchtlingszahlen sieht der IWF die Gefahr, dass die Euroländer zusätzliche Grenzkontrollen einführen und so den freien Warenverkehr behindern. Auch die Sicherheitslage könne die Wirtschaftsentwicklung negativ beeinflussen.

Weitere Risiken entstehen dem IWF zufolge aus der Schwäche des Bank- und Finanzwesens in einigen Mitgliedslandern. Von außen bedrohe ein globaler Wirtschaftsabschwung den Wohlstand der Eurozone, im Inneren seien die Risiken vor allem politischer Natur.

dpa

Mehr zum Thema

Die Abstimmung in Großbritannien über den Brexit war nach Ansicht des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments, Elmar Brok (CDU), nur „ein beratendes Referendum“.

05.07.2016

Die Briten hoffen nach ihrem Brexit-Votum auf ein großzügiges Angebot aus Brüssel in Austrittsverhandlungen - die Deutschen sehen das aber anders.

07.07.2016

Nach dem Rücktritt des britischen EU-Kommissars Jonathan Hill hat Premierminister David Cameron einen neuen Kandidaten für den Posten vorgeschlagen.

08.07.2016

Die Lage an den internationalen Wertpapierbörsen am 8.07.2016 um 15:15 Uhr (New York Vortagsschluss): * Vortagesstand Quelle: Reuters/oraise Stand: 8.07.2016 ...

08.07.2016

Russlands Automarkt rutscht nach Jahren des Abschwungs immer tiefer in die Krise.

09.07.2016

Neue Chefin des ZDF-Fernsehrats ist die Vorsitzende des Rates für nachhaltige Entwicklung, Marlehn Thieme.

09.07.2016
Anzeige