Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Ifo-Chef warnt EU vor überzogener Reaktion gegen London
Nachrichten Wirtschaft Ifo-Chef warnt EU vor überzogener Reaktion gegen London
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:30 01.07.2016
Anzeige
München

Ifo-Präsident Clemens Fuest hat Großbritannien verteidigt und die EU vor einer „Strafexpedition“ als Reaktion auf das Brexit-Votum gewarnt. Mit beleidigten Reaktionen würde sich Europa selbst schaden und „den Zerfall der EU nur beschleunigen“, sagte der Ökonom.

„Ich würde das für einen historischen Fehler halten.“ Fuest stellt sich damit in Widerspruch zu anderen Wirtschaftsforschern.

Fuest sagte, dass London den EU-Austrittsantrag erst nach Verhandlungen über das künftige Verhältnis stellen wolle, sei verständlich. Denn einige Europäer wollten Großbritannien ausgrenzen - aus eigenen wirtschaftlichen oder politischen Interessen oder auch, damit kein anderes Land dem britischen Beispiel folgt.

Die EU dürfe aber den Binnenmarkt nicht aufs Spiel setzen, sondern müsse alles tun, um „gemeinsam den Schaden für Europa zu minimieren“, forderte Fuest.

Wie mit der Schweiz könnte auch mit Großbritannien ausgehandelt werden, wie weit eine Einschränkung der Zuwanderung eine Einschränkung des Zugangs zum Binnenmarkt bedeuten müsse. „Diese Verhandlungen muss man führen ohne Schaum vor dem Mund“, mahnte Fuest. Ein harter Schnitt schade Deutschland und Europa.

Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, Michael Hüther, sagte, niemand habe Schaum vorm Mund, es gehe auch nicht um Strafexpeditionen. „Wir müssen die Briten ernst nehmen: Sie wollen austreten“, sagte Hüther der dpa. Die vier Grundfreiheiten der EU seien nicht verhandelbar. Der Ökonom wies entsprechende Überlegungen zurück, dass Großbritannien weiter vom freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital profitiere - gleichzeitig aber die Freizügigkeit von Personen einschränke.

„Wer einseitig ein Ungleichgewicht herstellt, der setzt einen Sprengsatz an die ganze Union“, warnte Hüther. Denn andere Mitglieder könnten dann dem britischen Beispiel folgen wollen. Nach EU-Recht sei es auch nicht möglich, erst zu verhandeln und dann den Austritt zu beantragen. Zudem sei das Schweizer Vorbild nicht auf Großbritannien übertragbar. Nach dem britischen Referendum für einen Austritt aus der EU hatte auch das DIW einen klaren Schnitt gefordert und davor gewarnt, London „einen guten Deal“ zu gewähren.

dpa

Mehr zum Thema

Das Brexit-Votum zum Ausstieg Großbritanniens aus der EU sorgt für heftige Turbulenzen. Online verlangen mehr als 1,5 Millionen Menschen eine zweite Abstimmung. Die Scheidungsverhandlungen haben noch nicht begonnen, da zeichnet sich im Königreich selbst ein Rosenkrieg ab.

03.07.2016

Im Königreich herrscht Katerstimmung - Millionen wollen den Brexit wieder rückgängig machen. Die Schotten sowieso. Die Regierung in London spielt auf Zeit.

27.06.2016

Nach dem Votum der Briten zum EU-Austritt zeichnen Ökonomen düstere Prognosen. Großbritannien büße am meisten ein, doch auch die deutsche Wirtschaft werde getroffen. Allerdings könnten auch Investitionen und Arbeitsplätze von der Insel auf den Kontinent wandern.

27.06.2016

Volkswagen muss beim geplanten Milliarden-Vergleich im US-Rechtsstreit um manipulierte Abgaswerte auf eine Entscheidung des zuständigen Gerichts warten.

01.07.2016

Folgende Sorten- und Devisenkurse wurden am 30.06.2016 um 16:34 Uhr festgestellt (alle Angaben in Euro).

30.06.2016

Mit Spannung wurde der Bundesagrarminister beim Bauerntag erwartet. Vor allem Milchbetriebe wollen wissen, mit wie viel Geld ihnen der Staat unter die Arme greift. Letzte Klarheit bekamen sie noch nicht.

01.07.2016
Anzeige