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Wirtschaft In Zinzow zwitschern wieder Braunkehlchen
Nachrichten Wirtschaft In Zinzow zwitschern wieder Braunkehlchen
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00:19 18.05.2018

Zinzow. Braunkehlchen zwitschern zwischen Rapsfeldern auf alten Sonnenblumenstangen, Lerchen fliegen über das Grün und im Soll rufen Rotbauchunken. Wo sonst fast bis ans Kleingewässer heran Findlinge von Feldern abgeladen und Raps oder Weizen angebaut wurde, blüht Gelbklee. „Hier bei Zinzow in Vorpommern hat sich schon nach einem Jahr viel getan“, freut sich Philip Hunke. Der Geoökologe betreut für den Naturschutzbund Deutschland und die Hamburger Michael-Otto-Umweltstiftung das Bundesprojekt „Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft“ (Franz), an dem sich bundesweit zehn Agrarbetriebe, darunter drei in Ostdeutschland, beteiligen.

Braunkehlchen
Rotbauchunke Quelle: Fotos: Oz

In Zinzow ist es die Agrargesellschaft „Am Landgraben“ mbH unter Leitung von Marco Gemballa, die etwa 600 Hektar Marktfrucht anbaut, verwertet und nun eine Zwischenbilanz gezogen hat. Das Projekt wird über zehn Jahre vom Bund gefördert. Forscher aus Göttingen und Hunke, der die Situation der Hasen, Vögel und Amphibien unter die Lupe nimmt, begleiten das Vorhaben. Es soll praxistaugliche und für die Bauern tragbare Maßnahmen erforschen, um die biologische Diversität zu steigern. Auch die sozioökonomischen Effekte, also was sich für Bauern und Natur lohnt, soll ermittelt werden. „Das fehlte bisher bei Fördermaßnahmen“, sagt Hunke. Zum Projekt gehören Blühstreifen, Bienenweiden, Brachflächen als Sandbad für Feldvögel oder das Stehenlassen alter Sonnenblumen, was für das Braunkehlchen wichtig ist, wie Hunke erläutert. „Diese Vögel waren bisher nicht hier. Sie brauchen Singwarten, um die Weibchen zu bezirzen, sowie Hecken oder Feldgehölze.“

Agrargesellschaftschef Gemballa baut vor allem Mais, Raps und Weizen an. Inzwischen sind diese Früchte etwas weniger geworden, dafür wachsen auf zehn Prozent seiner Flächen schon Ackerbohnen

, und er hat Mais zusammen mit Stangenbohnen säen lassen. Die von den Feldern gesammelten Steine werden nicht in Sölle gekippt, sondern markieren als Steinhaufen den Rand der Schläge und nutzen so Amphibien auf den Wegen zwischen den Söllen.

Gemballa schätzt den zusätzlichen Aufwand für seinen Betrieb auf 800 bis 1300 Euro pro Hektar und Jahr. Das wird ihm auch ersetzt. „Ich muss auch Gewinn machen könne, das fehlte bisher bei allen Programmen“, sagt Gemballa. Gemballa, der auch Jäger ist, freut sich jedenfalls über den Tierzuwachs. „Uns ist es egal, ob wir Geld mit Raps oder mit blühenden Flächen verdienen“, sagt er. Er hoffe nur, dass die Politik auf die Ergebnisse des Franz-Projektes auch hört. Nach eineinhalb Jahren sei schon klar: Landwirte könnten mit etwas Aufwand die Artenvielfalt auf ihren Feldern fördern, brauchen aber finanziellen Ausgleich, den bisher kein EU-Programm biete.

Winfried Wagner

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