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Wirtschaft Insolvenz: Aus für die Kaviar-Produktion in Demmin
Nachrichten Wirtschaft Insolvenz: Aus für die Kaviar-Produktion in Demmin
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00:01 02.11.2016
Die goldene Statue des Unternehmens Russian Sturgeon. Quelle: W. Wagner/dpa

Die Störzucht in Demmin (Kreis Mecklenburgische Seenplatte) hat ihr vorläufiges Ende gefunden. Die vor etwa zehn Jahren mit großem Aufsehen gestartete Kaviar-Anlage ist jetzt komplett leer geräumt. Für den Betreiber, die Russian Sturgeon GmbH, wurde beim Amtsgericht Neubrandenburg Insolvenz beantragt.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde ein Hamburger Rechtsanwalt bestellt. Wie es mit der Störfarm weitergeht, ist unklar. Der Insolvenzverwalter war gestern nicht zu erreichen. Russian Sturgeon hatte die Anlage 2010 von der insolventen Skandal-Firma Caviar Creator übernommen.

Bereits im September und Oktober sind die letzten Störe an verschiedene Unternehmen verkauft worden, teilte eine Sprecherin des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte mit. Nach Medienberichten schwammen zuvor noch etwa 15 Tonnen Fisch in den Becken – zu Hochzeiten waren es bis zu 300 Tonnen. Das zuständige Veterinäramt des Landkreises hatte erst vor wenigen Wochen vor akuten Problemen in dem Aquakulturbetrieb gewarnt. Mehrfach sei die Versorgung der Anlage mit Strom oder Sauerstoff gefährdet gewesen. Ein Ausfall der technischen Systeme sei lebensbedrohlich für die Störe. Das Amt beklagte eine mangelnde Kommunikation mit dem Betreiber, dessen Management sich in Russland befinde. Differenzen zwischen Behörden und Russian Sturgeon gab es schon lange. Bereits vor drei Jahren hatten die russischen Betreiber über zu hohe Auflagen geklagt. Von Anfang an hätten mehr die Veterinärämter als das Unternehmen die Störzucht geführt. Mehrmals mussten allerdings Veterinäre einschreiten, weil die Tiere nicht gefüttert wurden. Im Jahr 2005 hatte das Unternehmen Caviar Creator die Kaviarproduktion in Demmin gestartet. Die Anlage mit rund 200000 Stören in 70 Becken und einer benachbarten Aufzuchtanlage kostete rund 17 Millionen Euro. Mit vollmundigen Versprechen warb der umstrittene Firmenchef Frank Schaefer (Wahlheimat: Las Vegas/USA) bei Anlegern rund 50 Millionen Euro ein. Obwohl die Gelder bereits Ende 2005 aufgebraucht waren, lockte Schaefer weitere Investoren an. Rund 660 Anleger sollen dabei etwa 13,5 Millionen Euro verloren haben.

Nicht nur in Demmin, sondern auch in den USA, in Russland und China wollte Schaefer angeblich Störfarmen aufbauen. Daraus wurde nichts. Auch nicht aus den zunächst vom Land Mecklenburg- Vorpommern zugesagten Fördergeldern in Höhe von mehr als drei Millionen Euro. Als Schwerin die Zusage zurückzog, weil Schaefer nicht alle Förderbedingungen erfüllte, zog der klagefreudige Unternehmer vor Gericht – und verlor. 2010 wurde Schaefer schließlich vom Düsseldorfer Landgericht wegen Anlagebetrugs zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Weder Caviar Creator noch Russian Sturgeon haben Fördergelder bekommen, teilte das Schweriner Landwirtschaftsministerium gestern mit. Der russische Betreiber erreichte nach der Übernahme der Anlage nur einen Bruchteil der ausgegebenen Produktionsziele von zwölf Tonnen Kaviar pro Jahr. Von einst 20 Mitarbeitern waren zuletzt noch drei beschäftigt.

Axel Meyer

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