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Wirtschaft EWE-Vorstand Dohler im Interview: „Junge Leute sind kein Problem“
Nachrichten Wirtschaft EWE-Vorstand Dohler im Interview: „Junge Leute sind kein Problem“
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15:27 08.11.2018
Linn Thämlitz (li.) und Christina Lakatos aus der 8. Klasse der Regionale Schule in Gingst auf Rügen bauen ein kleines Windrad. EWE-Mitarbeiter bringen das Thema „regenerative Energien“ an die Schulen. Quelle: Klaus Amberger
Rostock/Oldenburg

Stefan Dohler trinkt gern Kaffee, am liebsten schwarz. Der 52-Jährige ist Vorstandsvorsitzender des Energie-Konzerns EWE. Seit Anfang dieses Jahres ist er im Amt. Und lenkt somit die Geschicke eines Unternehmens mit mehr als 9100 Mitarbeitern. Dohler stammt aus Cochem an der Mosel (Rheinland-Pfalz), ist gelernter Seemann und Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik. Beim Interview trägt er einen dunklen Anzug, Hemd, keinen Schlips, eine sportliche Uhr. Der Manager ist im positiven Sinne uneitel, beim Gespräch hält er Augenkontakt, hört zu. Statussymbole und ein chefiger Habitus – Fehlanzeige.

Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender des EWE-Konzerns

Stimmt das Klischee, dass Manager rund um die Uhr ackern?

Stefan Dohler: Ich bin um 7 Uhr im Büro, esse selten Mittag und habe oft Abendtermine. Am Wochenende studiere ich häufig Unterlagen. Vor 21 Uhr bin ich an normalen Arbeitstagen nicht zu Hause.

Dann kommen Sie kaum noch zum Nachdenken?

Ich nehme mir Zeit dafür, bewusst halte ich im Terminkalender Blocks für das Durchdenken von Themen frei. Leider sind das mitunter die einzigen freien Minuten, in denen ich noch dringende, akute Termine stopfen kann. Das ist dann zwar nicht schön, aber notwendig.

Sie kommen also nicht zum Abschalten?

Doch, manchmal schaffe ich es, an einem Freitag etwas früher Feierabend zu machen. Wenn ich dann meine Kinder treffe – mein Sohn ist 13, meine Tochter 20 Jahre alt – oder eine Runde mit meinem Motorrad cruise, ist das für mich entspannend und ich bekomme den Kopf frei.

Treiben Sie Sport?

Eher weniger.

Was macht Ihnen daran Freude, wenn Sie derart in Ihren Job eingespannt sind, dass Sie eigentlich nur arbeiten?

Dinge zu verändern macht Spaß. Sich mit anderen im Team über neue Ideen zu unterhalten, sich mit ihnen zu reiben, sich die Meinungen zu sagen – das ist toll. Es klingt vielleicht pathetisch, aber es motiviert mich, wenn wir unseren Beitrag beispielsweise für den Klimaschutz leisten können. Ich bin gern dort, wo etwas passiert, wo Weichen gestellt werden, und gerade in der Energiebranche tut sich sehr viel. Stichworte sind zum Beispiel Digitalisierung, regenerative Energien.

Nun legitimieren sich viele Führungskräfte dadurch, dass sie Veränderungen anstoßen, die Probleme schaffen – ist das oft nicht nur reiner Aktionismus zur eigenen Profilierung?

Mein Wille zu Veränderungen ist kein Aktionismus. Zum einen will und muss ich nicht alles verändern, zum anderen ist Veränderung der Motor eines Unternehmens. Wir können ja keine Kerze ins Fenster stellen und warten, dass es besser wird. Nein, wir müssen schon selbst anpacken. Das heißt, dass wir einerseits aufs Gaspedal treten müssen, etwa wenn wir frische Produktpakete, Stichwort Smart Home, entwickeln. Andererseits treten wir auf die Bremse, wenn sich Vorhaben als Verlustbringer erweisen. Die gesamte Energiebranche steht im Umbruch. Das bedeutet, dass der Druck, für Veränderungen zu sorgen, nicht nur von uns kommt, sondern auch von außen.

EWE bildet aus

Der EnergiedienstleisterEWE ist in den Geschäftsbereichen Energie, Telekommunikation und Informationstechnologie aktiv. Mit mehr als 9100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von gut 8,2 Milliarden Euro gehört EWE zu den großen Energieunternehmen in Deutschland – es befindet sich mehrheitlich in kommunaler Hand. Hauptsitz ist in Oldenburg (Niedersachsen). Im Nordosten ist das Unternehmen vor allem auf Rügen aktiv.

Mehr als 100 Ausbildungsplätzestehen jedes Jahr bei EWE zur Verfügung: sowohl im Technik- und IT-Bereich als auch im kaufmännischen Sektor. Ob Anlagenmechaniker/-in oder Elektroniker/-in für Betriebstechnik, ob Einzelhandels- und Industriekaufleute oder IT-System-elektroniker/-in. Ebenso gibt es die Möglichkeit eines dualen Studiums.

Weitere Informationen: www.ewe.com/de/karriere/schueler

Was ist Ihnen menschlich wichtig?

Respekt gegenüber den Leuten, den Mitarbeitern. Ich bekomme einen dicken Hals, wenn ich merke, dass ein Vorgesetzter einen Mitarbeiter arrogant, von oben herab, behandelt. Da habe ich null Toleranz. Mir ist wichtig, dass meine Pläne und Absichten ehrlich rüberkommen – ich möchte abends immer noch in den Spiegel gucken können.

Waren Sie jemals in Mecklenburg-Vorpommern?

Das erste Mal 1992 mit meinem Motorrad auf Rügen. Später habe ich freie Tage in Kühlungsborn, in Heiligendamm oder an der Seenplatte verbracht.

EWE bildet aus. Vertrauen Sie der Leistungsbereitschaft der jungen Leute?

Die Arbeitswelten haben sich verändert. Der Nachwuchs möchte keine starren Hierarchien mehr, er fordert selbstbewusst mehr eigene Entscheidungsfreiheit. Das ist in Ordnung. Zum Teil müssen zwar junge Menschen ans echte Leben erst herangeführt werden, aber junge Leute sind alles Mögliche, nur kein Problem.

Woher wissen Sie das?

Ich bin nicht unantastbar, sondern tauche regelmäßig in Abteilungen des Unternehmens auf und unterhalte mich natürlich mit den Azubis.

Was fällt Ihnen zum Schlagwort Energiewende ein?

Das ist die größte Herausforderung in den kommenden Jahren. Ich denke dabei an eine Vernetzung von Strom, Wärme, Mobilität und Industrie. Wenn wir diese Vernetzung der Sektoren hinbekommen und sie in Dienstleistungen flexibel anbieten, werden wir erfolgreich sein.

Klaus Amberger

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