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Jede dritte Firma im Nordosten sucht Betriebsarzt

Rostock Jede dritte Firma im Nordosten sucht Betriebsarzt

Viele Mediziner sind schon jetzt 60 Jahre und älter / Arbeitgeberverbände sehen medizinische Versorgung der Beschäftigten in Gefahr

Rostock. Betriebsärzte verzweifelt gesucht: Viele Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern haben Probleme, ihre medizinische Versorgung zu sichern. Laut einer aktuellen Umfrage der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord findet im Nordosten fast jedes dritte Unternehmen keinen geeigneten Arzt mehr. „Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern stehen Betriebe vor einem Betriebsärzte-Notstand“, betont Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch.

Das Problem wird sich weiter verschärfen. Mehr als die Hälfte der bundesweit 12500 Arbeitsmediziner sind den Angaben zufolge 60 Jahre oder älter und scheiden bald aus dem Berufsleben aus. Die Folge: In weiten Teilen Norddeutschlands sei die Aufrechterhaltung der arbeitsmedizinischen Versorgung „nur äußerst schwierig zu gewährleisten“, sagt Lambusch. Gegenwärtig gibt es im Nordosten 235 Betriebsärzte – gebraucht würden weitaus mehr.

Diese Erfahrung macht etwa die Firma B+S Landtechnik aus Grabow (Kreis Ludwigslust-Parchim). „Wir würden unseren Mitarbeitern gern ärztliche Routinekontrollen anbieten, finden aber einfach keinen Betriebsarzt“, erklärt Geschäftsführer Stefan Sprock. Der letzte Betriebsarzt habe die Untersuchungen bis 2013 gemacht, sei dann aber in den Ruhestand gegangen. Die Firma mit 100 Mitarbeitern an vier Standorten bietet Vertrieb und Service für Landtechnik und Grundstückspflege.

Auch die deutsche Niederlassung des schwedischen Metallbaubetriebs Scandinavian WeldTech in Kritzmow bei Rostock hat sich „jahrelang erfolglos darum bemüht, dass ein Betriebsarzt ins Unternehmen kommt“, sagt Personalleiterin Manuela Nieber. Schließlich würden arbeitsmedizinische und sicherheitstechnische Untersuchungen von der Berufsgenossenschaft gefordert. Gebessert habe sich die Situation für den Betrieb mit 30 Beschäftigten erst in diesem Frühjahr. Seither stehe dem Unternehmen zumindest wieder ein Betriebsarzt zur Verfügung. Experten, die die Technik auf Sicherheit kontrollieren – etwa Lärmschutz –, fehlten jedoch noch immer.

Oftmals hätten Betriebsärzte lange Anfahrtswege zu den Unternehmen, erklärt die Geschäftsführerin von Nordgesundheit, Andrea Dietrich. Das Kompetenzzentrum ist bei Nordmetall für Arbeits- und Gesundheitsschutz zuständig. Ärzte müssten für einen Firmenbesuch teils zweihundert Kilometer zurücklegen. Das kann B+S-Landtechnik-Geschäftsführer Sprock bestätigen: So müsse eine Firma aus Neustadt-Glewe einen Betriebsarzt extra aus Hamburg anfordern. „Das raubt Zeit, die dann für Untersuchungen und Beratungen fehlt“, sagt Andrea Dietrich.

Nordmetall-Präsident Lambusch sieht die Politik in der Verantwortung. Die Bundespolitik müsse erkennen, „dass sie die Verantwortung für eine gute betriebsmedizinische Versorgung nicht bei den Unternehmen abladen kann“. Dafür seien Nachwuchsförderung und Rechtssicherheit zu verbessern. Auch die Landesregierungen fordert Lambusch auf, die Arbeitsmedizin zu fördern, etwa durch Einrichtung entsprechender Professuren wie an der Uni Lübeck. Nordgesundheits-Chefin Andrea Dietrich verlangt, die Hürden für Fachärzte zu senken, die den Zusatz „Betriebsmedizin“ erlangen wollen.

Axel Meyer

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