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Jung-Landwirte messen sich

Berufswettbewerb der Deutschen Landjugend Jung-Landwirte messen sich

Beim Landesausscheid in den „grünen“ Berufen zeigten gestern 39 Teilnehmer ihr Können.

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Landesausscheid in Hoppenrade bei Güstrow: Der Rostocker Michael Fischer (22) lernt Tierwirt und arbeitet am liebsten mit Kühen.

Quelle: Fotos: Frank Söllner

Güstrow. Er ist ein Stadtkind aus Rostock-Evershagen, seine Mutter arbeitet im Hotel. Da überrascht es, dass Michael Fischer seine Zukunft in der Landwirtschaft sieht. Der junge Mann lernt Tierwirt im Agrarbetrieb Groß Grenz (Landkreis Rostock). Was er schon draufhat, kann der 22-Jährige in dieser Woche zeigen – beim Landesentscheid im Berufswettbewerb der Deutschen Landjugend.

 

OZ-Bild

„„Ich möchte in einem größeren Betrieb arbeiten, mit Kollegen zusammen.“Torge Brede, Agrargenossenschaft Grevesmühlen

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„„Der Landesausscheid ist eine gute Übung für die Prüfungen.“Kirsten Lange, MPA Laage (Landkreis Rostock)

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„„Metall war nicht das Richtige für mich, die Arbeit mit Tieren macht einfach mehr Spaß.“Mathias Stein, Agrarprodukt Poseritz GmbH (Insel Rügen)

„In den Vorentscheiden haben sich seit Februar rund 40 junge Leute dafür qualifiziert“, sagt Anne Glamann vom Landjugendverband MV in Neubrandenburg. In Hoppenrade bei Güstrow waren gestern praktische Aufgaben zu lösen. Theoretisch mussten die Teilnehmer sich tags zuvor am Agrarcampus in Güstrow beweisen.

Gastgeber für Bundesausscheid

In der Barlachstadt war Anfang Februar auch der Startschuss für den diesjährigen Bundeswettwerb der Landjugend gegeben worden. Mecklenburg-Vorpommern ist erstmals Gastgeber für diesen europaweit größten Leistungsvergleich. Bundesweit nehmen 10000 Auszubildende der „grünen Berufe“ daran teil – vom künftigen Land- und Tierwirt, über Haus- und Forstwirtschaftler bis zu Weinbau-Lehrlingen.

Alle zwei Jahre wird der Wettstreit ausgetragen, zuletzt 2015 in Schleswig-Holstein. Mitte Juni treffen sich die „Besten der Besten“, so Agrarminister Till Backhaus (SPD) dann in MV zum Bundesausscheid, die meisten in Güstrow und Umgebung, die künftigen Winzer auf dem Weingut Rattey (Mecklenburgische Seenplatte).

Die Aufgaben in Hoppenrade hatten es in sich: 26 Futtermittel mussten die jungen Leute richtig identifizieren – Mais- und Grassilage, Raps- und Sojaschrot, Rübenschnitzel, Getreide, Heu und Pellets.

Bei Traktor und Hänger waren Technikkenntnisse gefragt. Beim „Kauf“ einer Kuh sollten die Probanden jene herausfinden, die am besten in die eigene Herde passt. Außerdem musste die Futterration für eine Kuh zusammengestellt werden, die kurz vor der Geburt des Kalbes steht. „Für viele Lehrlinge ist das nicht einfach“, weiß Detlef Nickel vom Bauernverband Güstrow, seit Jahren Prüfer bei den Landjugendwettbewerben.

Als „Bundesrichter“ kann der 62-Jährige Vergleiche ziehen. „Unsere Teilnehmer sind gut, aber wir bemerken auch Defizite.“ Manches komme in der praktischen Ausbildung kaum vor. „In den Betrieben gibt es Fütterungscomputer, hier sollen die Lehrlinge Heu und Silage abwiegen und ein Gefühl dafür zeigen, wie viel in eine Kiepe passt.“

Mathias Stein, der auf Rügen bei Agrarprodukte Poseritz lernt, schlägt sich tapfer bei den Futtermitteln, gibt aber zu: „Damit habe ich im Betrieb eigentlich nichts zu tun.“ Der 28-Jährige hatte erst Schlosser gelernt, aber gemerkt, „dass Metall nicht das Richtige“ für ihn ist. Er wollte lieber mit Tieren zu tun haben und macht jetzt seinen zweiten Facharbeiterbrief. Auch Michael Fischer gefällt es bei den Rindern am besten. „Die Arbeit ist vielfältig. Man muss auf der Koppel nach ihnen sehen, viel über Eutergesundheit und Hygiene beim Melken wissen“, sagt der Rostocker, der möglichst bald „aufs Dorf“ ziehen will. Zum Bundesentscheid im Juni, erzählt Michael, will er eigentlich gar nicht. „Da bin ich mitten in den Abschlussprüfungen, das ist mir wichtiger.“

Kirsten Lange (19) aus Hohen Gubkow (Landkreis Rostock), die in einem Rindermastbetrieb lernt, sieht den Landesausscheid dagegen als „gute Übung für die Prüfungen“. Auch sie macht in ein paar Wochen ihren Abschluss als Landwirtin und legt parallel dazu die Fachhochschulreife ab. Ab Herbst will sie in Neubrandenburg Agrarwirtschaft studieren.

500 bis 600 Euro Lehrlingsgeld

Zwischen den Tests diskutieren die jungen Leute im Pausenraum: über die Fete am Abend, aber auch über ihre Zukunft in der Agrarbranche. „Die Landwirtschaft liefert Lebensmittel für alle, aber verdienen können wir nicht so gut wie andere“, sagt Nico Uhlemann von der Agrofarm Lüssow. Das empfinden auch die anderen als ungerecht. Ihr Lehrlingsgeld liegt zwischen 500 und 600 Euro, berichten sie. „Da muss man schon etwas bescheidener sein“, meint Daniela Walter aus Burow bei Neubrandenburg. Den Job aber wollen sie trotzdem.

Torge Brede und Jochen Bohn (beide 20) sind Bauernsöhne, ihre Väter bewirtschaften kleinere Höfe, Familie Bohn im niedersächsischen Osten, Bredes in Neschow (Nordwestmecklenburg). Doch den Nachwuchs zieht es in größere Betriebe. „Wer nur zu Hause bleibt, lernt nichts dazu“, meint Torge Brede, der im Agrarbetrieb Grevesmühlen lernt. Jochen Bohn absolviert sein 3. Lehrjahr im Milchviehbetrieb von Klaus-Peter Augustin in Neuendorf bei Greifswald. „Ich will Ostdeutschland kennenlernen, mit den großen Flächen, das ist alles sehr interessant“, sagt der junge Niedersachse.

Qualifiziert für den Bundesausscheid im Juni: 8 junge Leute vertreten Mecklenburg-Vorpommern

In fünf Kategorien wurden gestern die Landessieger ermittelt:

Bei den Forstwirten belegte Thomas Köhler vom Forstamt Neustrelitz den ersten Platz.

Beste Hauswirtschaftlerin wurde Diana Tenner vom Regionalen Beruflichen Bildungszentrum Müritz, beste Tierwirtin wurde Daniela Walter von der Burower Gutsmilch GmbH. Bei den Landwirten siegte Michael Behlau Landwirtschaftliche Produkivgenossenschaft Mestlin e.G. Von den Fachschülern der Landwirtschaftlichen Fachschule Güstrow schnitten Christopher Goerke und Hauke Timm am besten ab. Die sechs Sieger vertreten Mecklenburg-Vorpommern im Juni beim Bundesausscheid, außerdem die beiden Zweitplatzierten bei den Tierwirten, Christin Keding, und Martin Frahm bei den Forstwirten.

2265 Ausbildungsplätze in 716 Betrieben stehen in MV in der Agrar- und Hauswirtschaft zur Verfügung. Laut Schweriner Landwirtschaftsministerium sind aber nur 1076 besetzt.

Elke Ehlers

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