Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft KTG-Agrar-Pleite: Prozessauftakt
Nachrichten Wirtschaft KTG-Agrar-Pleite: Prozessauftakt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 31.08.2018

Hamburg. Im Zivilprozess um die Insolvenz des Agrarkonzerns KTG Agrar haben die Parteien um Vorstandspflichten und Geschäftsprognosen gestritten. „Es zieht sich wie ein roter Faden durch Ihre Darlegungen, dass alles ganz, ganz großartig war“, hielt die Vorsitzende Richterin Heike Hummelmeier am Hamburger Landgericht den Anwälten der Beklagten vor. „Die Frage ist, wie es dann zur Insolvenz kommen konnte“, ergänzte sie.

Richterin Heike Hummelmeier FOTO: HEIMKEN/DPA

Das börsennotierte Unternehmen hatte Anfang Juli 2016 einen Insolvenzantrag gestellt. Strittig war vor Gericht, ob die Zahlungsunfähigkeit nicht schon ein Jahr früher von den Vorständen und Aufsichtsräten hätte erkannt werden müssen. Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus hat gegen acht Führungskräfte unter anderem wegen Insolvenzverschleppung und Organhaftung nach dem Aktiengesetz geklagt.

Sie ließen sich am Donnerstag allesamt von Anwälten vertreten. KTG Agrar hatte 800 Mitarbeiter und mehr als 46 000 Hektar bewirtschafteter Fläche vor allem in MV und Brandenburg.

Der Insolvenzverwalter fordert rund 189 Millionen Euro von den Beklagten. Er zeigte sich ebenso wie die Prozessgegner, die das Abweisen der Klage forderten, für einen Vergleich gesprächsbereit.

Voraussetzung sei, mit den Versicherungen zu einer Lösung zu kommen. Die Richterin machte zum Prozessauftakt deutlich, dass die ehemalige Führungsriege ihre Geschäftsprognosen für einen Zeitraum von zwei Jahren im Voraus hätte erstellen sollen. „Es wurde ein großes Rad gedreht“, sagte sie. Daher sei dieser Prognosezeitraum nicht abwegig. Es sei allen Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern 2015 klar gewesen, dass Mitte 2016 Zinszahlungen für eine 2011 gegebene hochverzinsliche Anleihe fällig werden würden. Die Anleihe konnte damals mit fälligen 18 Millionen Euro Zinsen nicht bedient werden, woraufhin Insolvenz angemeldet werden musste.

„Es gab keine Krisenanzeichen“, machte ein Anwalt deutlich. Eine Insolvenz sei 2015 nicht erkennbar gewesen. Die Vorstände müssten sich darauf verlassen dürfen, dass ihre Wirtschaftsprüfer sorgfältig arbeiteten. Nach dem Insolvenzantrag hatten Wirtschaftsprüfer ihren Bestätigungsvermerk für die Bilanz über das Geschäftsjahr 2015 zurückgezogen. „Ein Vorstand muss keine Eierlegende Wollmil

chsau sein. Das ist überzogen“, sagte der Anwalt und verwies außerdem darauf, dass KTG Agrar ein „komplexer Konzern“ mit 150 Einzelgesellschaften gewesen sei. Zwei-Jahres-Prognosen seien bei einem Agrarbetrieb „jenseits der Vertretbarkeit.“ Die Richterin hielt entgegen, dass Vorstände und Aufsichtsräte verpflichtet seien, sich um ihre Aufgaben gemeinsam zu kümmern.

Almut Kipp

Unterdurchschnittliche Ernte / Nordzucker fährt Werke hoch

31.08.2018

Experten aus Politik und Wissenschaft uneins / Debatte auf dem Ostseetag

31.08.2018
Wirtschaft Hohe Energiepreise treiben an - Inflation auch im August bei 2,0 Prozent

Die Inflation in Deutschland pendelt den vierten Monat in Folge um die Marke von zwei Prozent. Das liegt vor allem an den Energiepreisen. Ökonomen rechnen damit, dass dieser Effekt allmählich nachlässt.

30.08.2018