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Kita-Träger aus MV entert Berlin

Rostock Kita-Träger aus MV entert Berlin

Das Institut Lernen und Leben will expandieren und plant Millionen-Ausgaben für neue Häuser

Rostock. Millionen für neue Kindergärten und Schulen, ein Logistikzentrum und die Expansion nach Brandenburg und Berlin: Das Institut Lernen und Leben (ILL) verfolgt ehrgeizige Pläne. Damit die aufgehen, hat Sergio Achilles allerhand zu tun. Der 53-Jährige ist Geschäftsführer des in Rostock-Bentwisch ansässigen Vereins. Dieser zählt mit seinen mehr als 850 Mitarbeitern zu Mecklenburg-Vorpommerns größten Arbeitgebern. 55 sozialpädagogische Einrichtungen betreibe das ILL inzwischen landesweit, berichtet Achilles stolz. Und an den nächsten wird gewerkelt: Im Rostocker Stadtteil Groß Klein soll Anfang 2018 eine neue Kita eröffnen, zeitgleich eine weitere in Bad Doberan. Ein Hortersatzbau und eine Grundschule in Greifswald, ein Kitaanbau in Plau am See, eine Kita in Rostock-Biestow und am Werftdreieck – diese und weitere Vorhaben sollen bis 2019 Realität werden. Außerdem wagt das ILL den Sprung raus aus MV. „Wir wollen in Brandenburg und Berlin aktiv werden“, kündigt Achilles an. Details würden derzeit verhandelt und erst verraten, wenn man sich mit den Partnern einig sei.

 

OZ-Bild

Märchenhafter Erfolg: Vom kleinen Verein hat sich das ILL zu einem der größten Arbeitgeber in MV gemausert. 55 Einrichtungen betreibt das Institut landesweit. Eine davon ist die Rostocker Kita Kastanienhaus. Auch hier sind Märchen beliebt: Charlotte (4), Hedda (6), Emily (6), Lea (3), Philipp Hubert (28), Pepe (6) und Alina (4, v.l.) üben für das Stück Dornröschen.

Quelle: Foto: Dietmar Lilienthal

Mitarbeiterzahl verzehnfacht

Sergio Achilles, ILL-Geschäftsführer FOTO: ANTJE BERNSTEIN

Kein Geheimnis ist hingegen, was am ILL-Hauptsitz entsteht. Hier wird derzeit ein neues Logistikzentrum gebaut. Wo jetzt noch Bauarbeiter Beton anrühren, sollen ab dem 1. Januar 2018 Speisen für Kitakinder gekocht werden. „4500 bis 5000 Essen wollen wir pro Tag produzieren“, sagt Achilles. Auch für die Wiese daneben gibt es konkrete Pläne: Dort wird die Erweiterung der ILL-Fachschule für künftige Sozialpädagogen entstehen. Die Talentschmiede hatte der Verein im vergangenen Sommer eröffnet. In ihren Räumen lassen sich derzeit 22 junge Leute zu Sozialassistenten und staatlich anerkannten Erziehern ausbilden. Ab dem Schuljahr 2018/2019 soll das für 44 weitere Anwärter möglich sein. Damit die Platz haben, wird ein zweites Lehrgebäude gebaut. Eine Investition in die Zukunft.

Der Bedarf an Fachkräften sei in der Branche immens, sagt Achilles. Noch könne das ILL all seine Einrichtungen mit ausreichend Personal ausstatten. Künftig werde der Verein dafür mehrere hundert neue Mitarbeiter brauchen. „Wir bilden aber nicht nur für uns aus, sondern auch für andere Träger“, betont der ILL-Chef. Deshalb absolvieren die Pädagogen in spe auch Praktika bei der Konkurrenz. Außerdem werden ihnen Zusatzqualifikationen angeboten, wie etwa die zum Facherzieher für Musik. Achilles denkt daran, den Standort binnen der nächsten fünf Jahre zur Hochschule für Bachelor-Studiengänge weiterzuentwickeln. Doch das ist Zukunftsmusik.

Sergio Achilles’ Lieblingsprojekt wächst indes auf dem Schulcampus in Rostock-Kassebohm. Nachdem Anwohnersorgen um mangelnden Lärmschutz ausgeräumt werden konnten, wird die Kinder- und Jugendkunstakademie um einen Neubau erweitert. An dem soll im März die Richtkrone baumeln. Pünktlich zum neuen Schuljahr werden die ersten Schüler die neuen Klassenzimmer beziehen. „So eine Grundschule wird’s kein zweites Mal geben“, freut sich Achilles. Sie sei architektonisch so speziell, dass sich das auch auf den Unterricht auswirken werde.

30,5 Millionen Euro hat das ILL in den zurückliegenden elf Jahren in soziale Infrastruktur investiert. Weitere 20,5 Millionen sollen in den kommenden vier Jahren fließen. Als Träger gehe es dem ILL jedoch nicht nur um Geld und Neubauten, sondern um Know-how und ein pädagogisches Gesamtkonzept, das von der Krippe bis zum Gymnasium reiche, sagt Achilles. „Mit diesem Wissen wollen wir unsere Mitarbeiter ausstatten.“ Was die daraus machen, bleibe ihnen überlassen. Den Oberlehrer geben will Achilles nicht. Dann doch eher den Schüler: Er hospitiere gern in den ILL-Einrichtungen. „Ich möchte möglichst viel wissen.“ Lebenslanges Lernen ist sein Motto. Eine seiner wohl wichtigsten Lektionen hat er bekommen, bevor er Grundschulpädagogik studierte. Als Maschinenschlosser arbeitete Achilles auf der Warnow-Werft. „Dort habe ich gelernt, wie man sich aufeinander verlässt und Vertrauen zu haben zu denen, mit denen man zusammenarbeitet.“ Das sei auch heute noch sein Erfolgsrezept. „Arbeit muss Spaß machen, sonst ist man nicht kreativ. Und wenn man nicht kreativ ist, ist man nicht erfolgreich.“ Deshalb sei es ihm wichtig, dass sich alle Mitarbeiter in ILL-Häusern wohlfühlen. Nur wenn Umfeld, Arbeitszeit und Bezahlung stimmen, seien sie motiviert. „Das kommt dann den Kindern zugute.“ Rundum glücklich ist Christian Matthes mit seinem Arbeitgeber. Früher leitete er einen ILL-Hort in Ribnitz-Damgarten, heute die Fachschule in Bentwisch. Er schwärmt: „Die Bedingungen hier sind perfekt.“

Dass die Strategie des ILL Erfolg hat, zeigt die Vereinsgeschichte. Die hat ganz klein begonnen. Als Chance für Pädagogen, die nach der Wende ihren Job verloren. Um ihnen eine Perspektive zu geben, haben 1991 acht Gewerkschafter das ILL gegründet. Sergio Achilles war einer von ihnen. In den folgenden Jahren engagierte er sich ehrenamtlich im Verein. Als er 2002 dessen Geschäftsführung übernahm und der Verein den ersten Schritt über Rostocks Stadtgrenzen hinaus wagte, war nicht abzusehen, wie groß das ILL werden würde. „Hätte ich das gewusst, hätte ich mir das wohl überlegt“, sagt Achilles und lacht. Doch das ILL sei Schritt für Schritt gewachsen. Qualität statt Quantität sei noch heute die Prämisse. „Wir überlegen uns genau, was wir tun und lernen mit jedem unserer Angebote. Uns nur auf die Schulter zu klopfen, bringt uns nicht voran. Wir müssen uns selbst immer wieder infrage stellen.“ Mit dem ILL hat Sergio Achilles noch viel vor. Die Tür zurück ins Klassenzimmer hält sich der 53-Jährige aber offen. „Ich hab’ meiner Schulleiterin angeboten, wenn Not am Mann ist, bin ich da.“

55 Einrichtungen – Kitas, Horte, Schulen und Mehrgenerationenhäuser – in Mecklenburg-Vorpommern zählen zum Institut Lernen und Leben (ILL). Sie sind in der Stadt Rostock sowie den Landkreisen Vorpommern-Rügen, Vorpommern-Greifswald, Ludwigslust-Parchim sowie Rostock zu finden. Gegründet wurde das ILL am 19. Juli 1991 von acht Mitgliedern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Zunächst beschäftigte das ILL rund 80 ABM-Kräfte in Kinderläden, Lernwerkstätten und Schüler-Eltern-Suchtberatungen. Heute sind mehr als 850 Mitarbeiter beim ILL tätig. Sie kümmern sich landesweit um etwa 6500 Kinder (gut 3000 davon in Rostock).

Antje Bernstein

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