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00:00 16.11.2016
Seltener Anblick: ein 15000-Tonnen-Getreideschiff im Hafen von Vierow. FOTO: CORNELIA MEERKATZ

Wolgast. Die Häfen in Mecklenburg-Vorpommern entwickeln sich unterschiedlich – an vielen kleineren Standorten geht der Umschlag zurück. Gut läuft es dagegen im Seehafen Rostock, der als einer von wenigen in Deutschland zurzeit sogar wächst.

Hart getroffen hat es etwa den Seehafen Wolgast: Hier brach der Umschlag von Januar bis Mai um 41 Prozent ein. Besserung ist nicht in Sicht, räumt Geschäftsführer Hellmut Heinz ein. Grund für die Krise sei ein Einbruch der Weltmarktpreise für Weizen: Russland überflute die Märkte mit billigem Getreide, das teurere Korn aus Mecklenburg-Vorpommern bleibe wie Blei in den Silos liegen. „Wir hängen am Tropf der Landwirtschaft“, sagt Heinz. Getreide und Dünger machten gut 70 Prozent des Gesamtumschlags aus.

Andere Häfen in MV entwickelten sich zusätzliche Standbeine – der Rostocker Fischereihafen hat Erfolg in der Holzbranche, aus Stralsund wird Filtergips aus Lausitzer Kohlekraftwerken zu schwedischen Rigipswerken verschifft. „Solche Möglichkeiten haben wir nicht“, sagt Wolgasts Hafenchef Heinz. Eine ungünstigere Erreichbarkeit – die Autobahn ist relativ weit weg – erschwerten die Suche nach Ausweich-Gütern.

Bundesweit verloren die deutschen Seehäfen in der ersten Jahreshälfte knapp zwei Prozent an Waren und Gütern. Seit dem Sommer sieht es aber deutlich besser aus. „Wir haben die Talsohle durchschritten“, sagte Daniel Hosseus, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) gestern der OZ. Die 180 Seehäfen in Nord- und Ostsee hatten sich gestern in Hamburg zu ihrer Jahrestagung getroffen. Die Gründe für den Rückgang zu Jahresbeginn seien vorübergehend, weil unter anderem in China die Wirtschaft lahmt. Von einer Strukturkrise wie bei den Reedern könne bei den Häfen keine Rede sein.

Das gilt für den Rostocker Seehafen schon länger: Mit einem Umschlagsplus von fünf Prozent legte der größte Seehafen in MV noch zu, während es an den übrigen Kaikanten der Republik merklich ruhiger zuging. Der Seehafen Rostock macht gut drei Viertel des landesweiten Hafenumschlags aus. Ein Investitionsprogramm über 220 Millionen Euro soll dafür sorgen, dass künftig noch größere Schiffe in der Hansestadt anlegen können.

Denn der Trend zu größeren Schiffen hält an. Kleinere Schüttgutschiffe – sogenannte Bulkcarrier – von unter 8000 Tonnen gebe es kaum noch, berichtet Alfred Bligenthal, Geschäftsführer im Hafen Vierow bei Greifswald. Es kämen fast nur noch große Bulkcarrier mit 20000 Tonnen und mehr – und die seien zu groß für kleine Häfen wie Vierow. Bligenthal rechnet bis Jahresende mit bis zu 600 000 Tonnen Umschlag, was rund 150000 weniger wären als im Vorjahr. „Das ist keine dramatische Situation“, sagt der Hafenchef. Gut laufe es seit dem Sommer in Sassnitz-Mukran, nach Rostock und Wismar die Nummer drei in MV, wo Bligenthal mit seiner Firma Viela Getreide, Futter und Dünger umschlägt und lagert.

Der Hafenverband ZDS warnt indes vor Ungemach aus Brüssel. Ein neuer Entwurf der EU-Kommission zur sogenannten allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung, die eigentlich Bürokratie eindämmen soll, könnte es Bund und Ländern faktisch verbieten, Investitionen wie Ausbaggerungen, Seekanalvertiefungen und Hafenanbindungen zu tätigen. Geschäftsführer Hosseus: „Das ist sehr ernst und betrifft alle.“

Weniger Güter gehen über die Kaikanten

2 Prozent weniger Güter wurden in der ersten Jahreshälfte in den deutschen Seehäfen umgeschlagen. Kleinere Häfen in MV büßten noch mehr ein: Wolgast verlor 41 Prozent (Januar bis Mai), Vierow 36 Prozent, Sassnitz 24 Prozent und Wismar 13 Prozent. Der landesweit größte Seehafen in Rostock legte gegen den Trend um fünf Prozent zu.

Gerald Kleine Wördemann

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