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Wirtschaft Kommoden aus Weinkisten – Verkaufsschlager aus Wismar
Nachrichten Wirtschaft Kommoden aus Weinkisten – Verkaufsschlager aus Wismar
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00:00 14.07.2018
Lilja Walker zeigt in ihrer Werkstatt in Wismar einen Schrank, in den sie Schubladen aus Weinkisten eingearbeitet hat. Quelle: Foto: Danny Gohlke/dpa

Wismar. Die Schubladen aus alten Weinkisten sind der Blickfang der Kommoden, die Lilja Walker seit sechs Jahren in immer neuen Variationen baut. Tische, Regale und anderes Mobiliar aus Wein- oder Obstkisten liegen im Trend. „Ich finde es klasse“, sagt die Trendanalystin vom Verband der deutschen Möbelindustrie, Ursula Geismann, aus Bad Honnef.

Die Möbel von Lilja und Christoph Walker finden Kunden in ganz Europa

„Das Material ist viel zu schade zum Wegwerfen.“

Mit Fach, Tür oder Schallplattenregal – Walker fertigt die Kommoden nach Wunschmaß, wobei die Grundstruktur des glatten Korpus durch die Größe der Weinkisten vorgegeben ist. „Die meisten haben ursprünglich einmal Wein aus Frankreich transportiert und sind alle gleich groß – im Gegensatz zu den südafrikanischen oder italienischen“, erklärt die Tischlerin und Industriedesignerin.

Nach diesen Maßen lässt sie die Kommoden-Fronten vorfertigen. Je nach Stil- und Qualitätsbedarf liefert eine Tischlermeisterin aus Olgashof bei Wismar handgefertigte Deckplatten aus massiver Eiche, Esche, aus Nussbaum oder Kirsche. „Sehr gefragt sind auch Deckplatten aus alten Dielen. Unsere Kunden haben das Gefühl, dass sie ihr Möbelstück selbst gestalten können“, sagt die 43-Jährige, deren persönliche Handschrift dennoch klar erkennbar bleibt: ein Spiel mit komplett ebenen Flächen und geraden Linien, abgerundeten Kanten und Korpuseingriffen, damit sie die Kisten nicht anbohren muss, um Griffe zu befestigen. „Die erste Weinkistenkommode habe ich für meine Schwägerin gebaut. Ich wollte die Schubladen nicht selber machen und habe im Internet nach „alten Kisten“ gesucht“, erzählt Lilja Walker, die nach ihrem Studium an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel erst einmal ihre Kinder Luk (11) und Betty (9) bekam, bevor sie in einer kleinen Garage zu experimentieren begann.

Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie unterscheidet deutlich zwischen dem echten Upcycling von Materialien wie Bauholz, Paletten, Treibholz oder eben Kisten und dem Vintage-Trend, bei dem neue Möbel auf alt getrimmt werden. Das Upcycling sei ein Ergebnis der zunehmenden Sensibilität für Umweltfragen. Dem hat sich in MV auch der Wolgaster Designer Oliver Kleine verschrieben, der unter dem Label „Olliwoodisland“ aus Strandgut, altem Metall und Holzbohlen neue Möbel wie Leuchten schafft. Lilja Walker und ihr Mann Christoph (50) zogen vor elf Jahren aus ihrer Heimat Eiderstedt an der Nordsee nach Wismar, weil ihr Mann dort Arbeit fand.Der frühere Windsurfsegel-Entwickler bis 2012 im Team des Hamburger Unternehmens Skysails, bevor er sich zum technischen Produktdesigner umschulen ließ und 2014 in die kleine Manufaktur seiner Frau einstieg. „Er kümmert sich darum, dass wir effektiv und wirtschaftlich produzieren können. Das ist nicht so mein Ding“, räumt Lilja Walker ein. Effizienz ist inzwischen auch erforderlich, weil die Kommoden sehr gefragt sind. Die Wartezeit beträgt etwa drei Monate. Demnächst wird sie eher noch etwas länger, weil die Familie aus gemieteten Räumen in ein eigenes Stadthaus umzieht. „Oben werden wir wohnen, unten ist die Werkstatt“, die natürlich wieder ein großes Schaufenster hat, das auch jetzt schon das wichtigste Werbeinstrument für „Lilja Walker's Dynamische Kollektion“ ist, so der offizielle Unternehmensname. „Viele Touristen laufen durch Wismar, sehen meine Werkstatt, nehmen draußen einen Flyer mit und bestellen später über Internet“, sagt sie.

Wer einen Blick in die Werkstatt wirft, sieht, dass längst nicht nur Weinkistenkommoden zum Programm gehören, sondern beispielsweise auch Betten. Aktuell baut Lilja Walker zehn Stück für eine Rehaklinik in Sankt Peter-Ording.  

Großes Interesse an den Kommoden aus Weinkisten hat die Marketing-Chefin bei Arcona Hotels & Resorts, Christiane Winter-Thumann. Das Unternehmen betreibt bundesweit die Restaurants „Weinwirtschaft“, unter anderem in Wismar. „Wenn wir Wein in Kisten bekommen, schauen wir, wie dekorativ diese sind“, sagt sie. Meistens seien die Kisten dekorativ. „Dann verwenden wir diese innerhalb der Weinwirtschaft als Dekoration oder als Behälter im Weinhandel zur Auslage von Weinen. Zwar werde der Wein häufig in Pappkartons geliefert. „Aber vor allem hochwertige Weine aus Frankreich oder Italien kommen noch in Holzkisten“, so Winter-Thumann.

Auch für Walkers ist das Beschaffen der Weinkisten mühsam. Internet-Kleinanzeigen seien eine wichtige Quelle. „Dort bieten Privatleute die Kisten an, aber die verraten alle nicht, woher sie die haben“, berichtet Christoph Walker. „Ich habe natürlich auch bei diversen Weinhändlern angefragt, aber noch keinen gefunden, der uns regelmäßig eine größere Menge zur Verfügung stellen kann.“ Mittlerweile würden fast alle Weine in Pappkartons verpackt.

OZ-Existenzgründerpreis: Die ersten Bewerbungen sind da

Mutige Gründer zu fördern – das ist Ziel des OZ-Gründerpreises. Die ersten Bewerbungen sind da – vielen Dank! Für den Sieger gibt es 5000 Euro, je 2000 für die Gewinner der Sonderpreise „Mut zur Selbstständigkeit“, gestiftet von der Creditreform von der Decken KG, und „Interessante Gründerstory“ (VR-Banken MV). Teilnehmen können Firmen mit Sitz in MV, die vor dem 1. Juni 2017 gegründet wurden und nicht älter als fünf Jahre sind.

Zum zweiten Mal wird der mit 2000 Euro dotierte „Nachfolgepreis“, gestiftet von der IHK zu Rostock, vergeben: Teilnehmen können Firmen mit Sitz in MV, bei denen geplant ist, dass in den kommenden fünf Jahren ein Nachfolger die Firma übernehmen soll bzw. die innerhalb der letzten drei Jahre übergeben wurden. Bewerbung: Fragebogen herunterladen auf www.ostsee-zeitung.de/gruender, online ausfüllen oder zuschicken an: OZ, Wirtschaft, R.-Wagner-Str. 1a, 18055 Rostock. Bewerber können den Fragebogen auch anfordern: Tel.: 0381/3653 81 bzw.

existenzgruenderpreis@ostsee-zeitung.de, Einsendeschluss: 17. September

Ulrike Oehlers

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