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Kostenexplosion beim Abriss der DDR-Atommeiler

Lubmin Kostenexplosion beim Abriss der DDR-Atommeiler

Energiewerke Nord gehen nach eigener Schätzung von Gesamtausgaben von über 6,6 Milliarden Euro aus

Lubmin. Ursprünglich sollten die 1990 abgeschalteten DDR-Atommeiler im vorpommerschen Lubmin und im brandenburgischen Rheinsberg noch weitere 50 Jahre stehen bleiben.

Jetzt werden die radioaktiv belasteten Betonhüllen der einstigen Reaktoren wohl schon ab 2028 abgerissen, was zusätzliche Arbeitskräfte beansprucht.

Und der Rückbau der Werke  wird deutlich teurer als geplant. Die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN)als Eigentümer gehen nach eigener Kostenschätzung aktuell von Gesamtkosten in Höhe von 6,6 Milliarden Euro aus. Ende 2015 war der Rückbau für die beiden Atomkraftwerke vom Eigentümer noch mit 4,2 Milliarden Euro beziffert worden. Der höhere Betriebsaufwand für das Zwischenlager, höhere Sicherheitsanforderungen wie auch eine Neuausrichtung der Rückbaustrategie seien wesentliche Gründe für die Kostensteigerung, sagte EWN-Sprecherin Marlies Philipp gestern.

Die grüne Landtagsfraktion in Schwerin fordert Aufklärung über die Kostenexplosion. Die Öffentlichkeit habe Anspruch darauf, zu erfahren auf welcher Grundlage die Kosten kalkuliert würden und womit die massive Kostenerhöhung begründet werde, sagte der energiepolitische Sprecher der Fraktion, Johann-Georg Jaeger. Seine Fraktion hat dazu eine Anfrage an die Landesregierung gestellt.

Folgekosten für die Nutzung der Atomkraft sollten genauso transparent offengelegt werden wie die Kosten zur Finanzierung der Energiewende.

Da es bislang noch keine Entscheidung über ein Endlager für hochradioaktiven Abfall gibt, gehen die Betreiber des Zwischenlagers in Lubmin über Jahre von zusätzlichen Kosten für den Betrieb des Zwischenlagers Nord (ZLN) in Lubmin aus. Die Betriebskosten allein für das Zwischenlager beliefen sich auf zehn Millionen Euro pro Jahr, sagte Philipp.

Wie bereits seit Ende 2015 bekannt, planen die EWN eine 41 Millionen Euro teure Zerlegehalle für schwach- und mittelradioaktive Großkomponenten wie Reaktoren und Dampferzeuger, um diese in „Konrad-gängige“ Einheiten zu zerlegen. Die Inbetriebnahme des Endlagers Schacht Konrad bei Salzgitter für schwach- und mittelradioaktiven Abfall hat sich immer wieder verzögert. Es soll nach letztem Stand 2022 geöffnet werden.

Nach Angaben der EWN sind die Kosten von 6,6 Milliarden Euro bereits mit dem Gesellschafter, dem Bundesfinanzministerium, abgestimmt. Philipp schloss nicht aus, dass die Entsorgung der DDR-Kraftwerke noch teurer werden könnte. Die aktuellen Berechnungen lägen auf der Preisbasis von 2015, sagte Philipp.  Auch seien die Endlagerkosten für die in den 74 Castoren gelagerten hochradioaktiven Abfälle bislang noch nicht kalkulierbar.

Martina Rathke

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