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Landesamt findet Glyphosat in Bier, Malz und Braugerste

Schwerin Landesamt findet Glyphosat in Bier, Malz und Braugerste

Umweltministerium hält Ergebnisse der Rostocker Experten lange Zeit zurück / Bauern drohen bei Verstößen Bußgelder und Kürzungen der Beihilfen

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BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag

Quelle: Cornelius Kettler

Schwerin. Glyphosat im Gerstensaft: Auch in Bier aus Mecklenburg-Vorpommern wurde das umstrittene Pflanzengift gefunden, außerdem in Malz und Braugerste. Dreimal wiesen die Tester des Rostocker Landesamtes für Landwirtschaft und Verbraucherschutz Rückstände des Mittels nach: einmal in Bier (0,073 mg/kg), einmal in Braugerste (2,0 mg/kg) und einmal im Gerstenmalz (0,220 mg/kg). Insgesamt 78 Proben hatten die Experten in Brauereien und im Einzelhandel genommen – schon im Frühjahr dieses Jahres. Getestet wurden neben Bier auch Braugerste, Hopfen, Malz und Hopfenpellets.

Pikant: Erst auf Nachfrage der OSTSEE-ZEITUNG gab das Umweltministerium in Schwerin jetzt das Ergebnis der Überprüfung bekannt. Relativiert wurde auch die Brisanz. Die nachgewiesenen Mengen seien so gering, dass sie

„weder lebensmittelrechtlich noch toxikologisch relevant“ waren, ließ Verbraucherschutzminister Till Backhaus (SPD) mitteilen. Die in der Braugerste gefundene Menge liege bei zehn Prozent des zulässigen Gersten-Grenzwertes von 20 Milligramm pro Kilo.

Von welcher Brauerei das beanstandete Bier stammte, wollte die Behörde nicht sagen. „Wir möchten den Hersteller schützen“, betont Ministeriumssprecher Florian Tessenow. Aus der Einzel-Probe dürften keine generellen Schlüsse gezogen werden. Der auffällige Befund habe sich bei einer weiteren Kontrolle nicht wiederholt. „Da war das Bier einwandfrei.“

Bei den belasteten Malz- und Gerstenproben handelte es sich laut Ministerium um Import-Partien aus Dänemark. Was aber überrascht: Wo Landwirte Braugerste anbauen, dürfen sie kein Glyphosat einsetzen. „Ich weiß von Bauern, dass sie das ihrer Brauerei unterschreiben müssen“, sagt Corinna Cwielag von der Umweltorganisation BUND in Schwerin. Denn Braugerste muss keimfähig sein, damit daraus Malz entstehen kann. Glyphosat aber tötet das Leben in der Pflanze.

Aktuell werden die Rostocker Glyphosat-Tester auch noch anderswo fündig – bei Feldkontrollen zur Getreideernte. Knapp 100 Gerstenschläge sowie 90 Weizenflächen sahen sich die Kontrolleure an.

Bei „Verdacht auf Fehlbehandlungen“ seien Proben genommen worden, hieß es. Für die Gerste liegen die Ergebnisse bereits vor: In 25 Fällen waren die Felder mit Glyphosat gespritzt, achtmal vermutlich ohne zulässigen Grund.

Im Weizen wurden 18 Verdachtsproben genommen, die aber noch von den Rostocker Rückstandsanalytikern untersucht werden. „Missbräuchliche Anwendungen“ gelten als Verstoß gegen das Pflanzenschutzgesetz, heißt es dazu aus dem Ministerium. Bestätigen sich Erst-Ergebnisse bei Nachkontrollen vor Ort, müssen die Betriebe mit Bußgeldern und Beihilfekürzungen rechnen.

Zwar ist Glyphosat nicht verboten, es darf aber nur unter bestimmten Bedingungen eingesetzt werden. Erlaubt ist die sogenannte Vor-Ernte-Behandlung, um Unkraut und unreife Triebe totzuspritzen. Wie die Kontrollen zeigten, machen die Bauern davon relativ wenig Gebrauch. Von 98 untersuchten Gerstenschlägen waren 73 nicht mit Glyphosat behandelt. Weitaus häufiger aber ist „die Stoppelbehandlung“

nach der Ernte, um vor der Neuaussaat vor allem Quecken zu bekämpfen.

Nach Berechnungen von Umweltschützern wird das auch unter dem Handelsnamen RoundUp bekannte Pflanzengift auf 40 Prozent der deutschen Ackerfläche eingesetzt. „Das Mittel tötet jede Pflanze auf dem Feld, die nicht gentechnisch verändert ist“, moniert BUND-Geschäftsführerin Cwielag. „Wir wollen eine Landwirtschaft ohne Glyphosat.“ Biobauern würden zeigen, dass das möglich ist, mit aufwendigerer Bodenbearbeitung und abwechslungsreicheren Fruchtfolgen.

Pflanzengift in Bier nachgewiesen

14 der beliebtesten deutschen Biermarken hatte das Münchner Umweltinstitut Anfang des Jahres auf Glyphosat testen lassen. Alle wiesen Rückstände des Pflanzengifts auf. Die Untersuchungsmethoden des beauftragten Analyseinstituts waren damals angezweifelt worden. Doch auch das für seine hohen Standards erst 2015 für seine analytische Qualität ausgezeichnete Rostocker Landesamt für Lebensmittelsicherheit wies jetzt Glyphosat in Bier nach –

bei einer Brauerei im Nordosten.

Die Wirkung von Glyphosat auf den Menschen wird unterschiedlich beurteilt. Nach Meinung von Kritikern steht Glyphosat im Verdacht, Krebs auszulösen. Das Bundesamt für Risikoforschung teilt diese Auffassung nicht.

Elke Ehlers

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