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Lecker, wertvoll und genügsam: Kommt die Walnuss zurück?

Rövershagen/Loburg Lecker, wertvoll und genügsam: Kommt die Walnuss zurück?

Erlebnishof legt riesige Plantage in Sachsen-Anhalt an / Interesse auch in MV

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Rövershagen/Loburg. Jetzt im Advent rückt sie wieder in den Mittelpunkt: Auf bunten Tellern, in Weihnachtsplätzchen oder in Süßigkeiten darf die Walnuss nicht fehlen. Doch obwohl sie so eine große Rolle in der deutschen Esskultur spielt, kommt sie in der heimischen Landwirtschaft praktisch gar nicht vor. Das könnte sich nun ändern: Der Chef von Karls Erlebnishof, Robert Dahl, hat jetzt eine riesige Walnussplantage in Sachsen-Anhalt anlegen lassen. Und auch in MV hat die Nuss wieder eine Chance.

Karls-Chef

Robert Dahl FOTO: IMAGO

Das glaubt zumindest Vivian Böllersen: Die 30-jährige studierte Landwirtin hat sich in ihrer Abschlussarbeit mit der Walnuss befasst. „Ich habe mich gefragt, wie es kommt, dass die Walnüsse im Supermarkt ausschließlich aus dem Ausland kommen.“ Bei der Recherche fand Böllersen heraus, dass es noch Anfang des 20. Jahrhunderts viele Walnussbäume in Deutschland gab. Doch aus ihrem Holz wurden in den beiden Weltkriegen Gewehrschäfte gefertigt.

„In der Folge setzten sich obstbauliche Methoden durch, deren Ziel eine schnelle und hohe Ertragsbildung war“, sagt Böllersen. Die Walnuss, die langsam wächst und erst nach zehn bis zwölf Jahren volle Erträge bringt, passte nicht mehr in diese Strukturen. Die Zahl der Walnussbauern in Deutschland sank von Jahr zu Jahr.

Zumindest einer ist jetzt wieder dazugekommen: Robert Dahl hatte vor vier Jahren einen Gutshof in Loburg im Jerichower Land in Sachsen-Anhalt gekauft, wo schon seine Großeltern einen landwirtschaftlichen Betrieb hatten. Dort ließ er jetzt auf 40 Hektar eine Walnussplantage pflanzen. „Die Nüsse wollen wir zu Likör oder Torten veredeln“, erklärt Dahl. Verkauft werden könnten die Produkte im Café im Gutshaus oder auch auf Karls Erlebnishöfen.

Doch nicht nur die Nüsse sind für Dahl langfristig interessant: „Wenn man in den Ort kommt, wird es beeindruckend sein, zwischen den 25 Meter hohen Walnussbäumen durchzufahren.“ Vor drei Jahren hatte bereits ein bayrischer Investor auf Rügen rund 400 Walnussbäume pflanzen lassen. Die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft erkennt darin einen Trend: „Das Interesse ist groß, vor allem im Bio-Bereich“, konstatiert Kai-Uwe Katroschan vom Gartenbaukompetenzzentrum der Behörde mit Sitz in Gülzow.

Das Klima im Land sei zwar nicht ideal für die Nuss: „Es ist ein bisschen zu kühl und wir haben viel Wind, Regen und Spätfröste“, sagt der Experte. So seien in diesem Jahr alle Walnüsse im Versuchsanbau der Anstalt erfroren. „Aber an geschützten Orten wachsen Walnüsse auch hier gut.“

Das bestätigt Expertin Böllersen: „MV ist durchaus geeignet, wenn man auf die richtige Sorte achtet.“ So gebe es spät austreibende Züchtungen, die Spätfröste besser vertragen. „Eine dieser Sorten hat zwar kleinere Früchte, die sich aber gut für Walnussöl eignen.“ Die Walnuss sei genügsam, anpassungsfähig und wachse auch unter schlechten Bedingungen. Allerdings müssten Walnussanbauer in MV damit rechnen, geringere Erträge einzufahren als etwa im warmen Südwestdeutschland.

Böllersen hat auch Tipps für Landwirte, die Plantagen neu anlegen wollen und die jahrelange Wachstumsphase überbrücken müssen: „Auf den Feldern zwischen den Bäumen kann man so lange Getreide, Obst oder Gemüse anbauen oder sie als Weidefläche nutzen.“ Eine Alternative sei, die Bäume enger zu pflanzen und so in den ersten Jahren mehr Ertrag zu haben. Wachsen die Bäume weiter, wird jeder zweite entnommen.

Frank Hippauf, der bei der Landesanstalt für Spezialkulturen zuständig ist, sieht durchaus Perspektiven für die Walnuss – wenn auch nicht unbedingt als Haupterwerbsquelle: „Wenn jemand sein ganzes Geld in eine große Plantage stecken will, würde ich ihm sagen: ,Lass es lieber.’“ Aber für den Nebenerwerb sei die Nuss durchaus eine Alternative.

Chancen auch für andere Nischenkulturen?

Walnüsse besetzen in MV noch eine kleine Nische. Wie andere bislang kaum genutzte Kulturen werden sie in der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft zur Probe angebaut:

Indianerbananen haben ein cremiges Fruchtfleisch, das nach Melone und Ananas schmeckt, und auffallende lilafarbene Blüten.

Felsenbirnen sind vor allem als Ziersträucher bekannt, aus ihren Früchten lässt sich Marmelade machen.

Blaue Heckenkirschen ähneln Heidelbeeren und können roh oder verarbeitet gegessen werden.

Aprikose und Pfirsich wachsen in MV, tragen hier aber nur unregelmäßig Früchte und eignen sich daher nicht für den kommerziellen Anbau.

Axel Büssem

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