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Nachrichten Wirtschaft Leihradanbieter Ofo zieht sich aus Deutschland zurück
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08:10 14.07.2018
Ein Ofo-Leihrad in Berlin: Der Leihradanbieter zieht sich aus Deutschland zurück. Quelle: Julia Kilian
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Berlin

Der chinesische Leihradanbieter Ofo will sich nach einer dreimonatigen Testphase in Berlin vom deutschen Markt vorerst zurückziehen.

Ofo kündigte der Deutschen Presse-Agentur an, die Hauptstadt als bislang einzigen Standort in Deutschland „in den kommenden Wochen verantwortungsvoll verlassen“ zu wollen. Die gelb-schwarzen Fahrräder würden von den Straßen entfernt und in andere europäische Märkte verlagert. „Es handelt sich hierbei um eine strategische Entscheidung, welche auf der jeweiligen Marktleistung basiert“, teilte eine Unternehmenssprecherin zur Begründung mit. Eine Rückkehr nach Deutschland sei aber nicht ausgeschlossen.

Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben zuletzt rund 3000 Räder in Berlin stehen. Eigentlich waren dort noch deutlich mehr Ofo-Bikes im Gespräch. Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) hatte zum Jahresanfang erklärt, dass mehrere Anbieter ihr Angebot ausbauen wollten. Ofo beabsichtige, 10.000 Fahrräder zu verleihen, antwortete Kirchner auf eine parlamentarische Anfrage der AfD.

Für eine Stellungnahme zur Rückzugsankündigung war die Berliner Senatsverkehrsverwaltung zunächst nicht zu erreichen. Die rot-rot-grüne Landesregierung will deutlich mehr Menschen dazu bringen, vom Auto aufs Fahrrad umzusteigen.

Lange Zeit teilten sich die traditionellen Anbieter Nextbike und DB Connect den Leihradmarkt in den deutschen Städten untereinander auf - häufig unterstützt mit öffentlichen Geldern. Die Ankunft asiatischer Anbieter wie Ofo im vergangenen Jahr wirbelte den Markt kräftig durcheinander. Ihre Räder zeichnen sich vor allem durch eine farbenfrohe Gestaltung und die leichte Bauweise aus. Wie aus dem Nichts tauchten sie vor allem in Großstädten auf. Allein der Dienst Obike platzierte über Nacht Tausende Fahrzeuge in München.

„Diese Form des aggressiven Markteintritts betrachten wir mit Sorge“, heißt es bei der Konkurrenz von der Deutschen Bahn, „da sie ein Risiko im Hinblick auf die Akzeptanz von Bikesharing in sich birgt“.

Doch die Masse hat einen Grund. Die neuen Dienste betreiben ihr Angebot als sogenanntes Free-Float-Modell. Die Nutzer können die Fahrräder also an jeder beliebigen Stelle wieder abstellen. Feste Stationen, wie teilweise bei DB Connect und Nextbike, gibt es nicht. „Um einen solchen Sharingdienst anzubieten, muss man erst eine große Menge an Bikes auf den Markt bringen“, sagte Mobilitätsexperte Andreas Nienhaus vom Beratungsunternehmen Oliver Wyman. Nur so sei sichergestellt, dass auch immer und überall ein Fahrrad zur Verfügung stehe.

Wenn ein Dienst jedoch seine Räder vernachlässigt und diese Gehwege und Einfahrten versperren, löst das Unmut aus. „Die Menschen gehen dann dazu über, die Räder gezielt zu beschädigen“, sagte Nienhaus. „Bei manchen Anbietern waren bis zu 90 Prozent ihrer Flotte betroffen.“ Auch Obike erging es in München nach dem Start ähnlich. Zuletzt beklagten sich zudem mehrere Städte über Probleme mit dem Anbieter - vor allem weil sie dort niemanden mehr erreichten, die silber-gelben Räder aber vielerorts im Weg stünden und Ziel von Vandalismus seien.

Andere Anbieter gehen behutsamer vor. Mobike etwa ist zwar inzwischen nach eigenen Angaben der größte Leihraddienst in Berlin mit mehreren Tausend Rädern. Begonnen hatte das Unternehmen im Herbst 2017 demnach aber mit rund 700 Fahrzeugen. Das scheint Erfolg zu haben. Während Ofo sich aus dem deutschen Markt zurückzieht, fasst Mobike hier zunehmend Fuß und bietet seinen Dienst inzwischen auch in Düsseldorf und Köln an - auch hier zunächst mit wenigen Hundert Rädern. Mit den Städten spricht sich das Unternehmen eng ab.

Mobike und Ofo haben mit den chinesischen IT-Riesen Alibaba und Tencent mächtige, aber auch seriöse Investoren im Rücken. Auch der Fahrdienstvermittler Uber ist inzwischen mit der Tochterfirma Jump auf dem Leihradmarkt aktiv. An PR-Desastern wie bei Obike dürften solche Investoren kein Interesse haben.

dpa

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