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Lufthansa und ihre Piloten kommen nicht zusammen

Streiks kosten Millionen Lufthansa und ihre Piloten kommen nicht zusammen

Seit über einem Jahr haben die Piloten der Lufthansa nicht mehr gestreikt. Da der grundlegende Konflikt um die Sicherheit der Arbeitsplätze weiter schwelt, eskaliert der Arbeitskampf erneut.

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Um was streiten Gewerkschaft und Lufthansa?

Quelle: Boris Roessler

Frankfurt/Main. Mehr als ein Jahr mit erneuten Sondierungsgesprächen und Verhandlungen haben nichts gebracht: Bei der Lufthansa stehen die Piloten der Vereinigung Cockpit (VC) unmittelbar vor der 14. Runde ihres im April 2014 begonnenen Streiks.

Offizieller Anlass sind die gescheiterten Verhandlungen über die seit 2012 nicht mehr erhöhten Gehälter der Kapitäne und Co-Piloten beim Lufthansa-Kern. Doch eigentlich geht es um viel mehr:

Um was streiten Gewerkschaft und Lufthansa?

Vordergründig geht es um ein ganzes System ungelöster Tariffragen bei den rund 5400 Flugzeugführern der Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings im sogenannten Konzerntarifvertrag (KTV). Neben der Gehaltsfrage streiten sich die Tarifpartner um die grundsätzliche Reform der Betriebsrenten, um die Übergangsversorgung bis zur Rente, um Arbeitszeiten und weitere Details. Dahinter steht aber auch der von Lufthansa-Chef Carsten Spohr forcierte Aufbau der Billigtochter Eurowings: Um konkurrenzfähig zu sein mit Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet, will Lufthansa dort keine kostspieligen KTV-Piloten einsetzen. Die VC will auf der anderen Seite ihren Einfluss auf das wachsende Billigsegment nicht verlieren. Schon heute werden nur rund die Hälfte der Piloten in der Lufthansa-Gruppe nach KTV beschäftigt.

Warum wurde dann lediglich über die Gehälter verhandelt?

Das hat mit der Vorgeschichte der Gespräche zu tun. Nachdem das Landesarbeitsgericht Frankfurt der VC im September 2015 verboten hat, mit Streiks Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen zu nehmen, hatte man zunächst wieder Sondierungsgespräche gestartet. In denen hat die VC der Lufthansa millionenschwere Einsparungen bei den Bestandspiloten angeboten, wenn im Gegenzug die Eurowings-Piloten in den KTV einbezogen würden. Die Sondierung scheiterte im August, so dass die VC wieder offizielle Tarifverhandlungen zum Einzelthema der Vergütung aufnahm. Hierzu liegt wie bei der Frage der Frührenten aus dem März 2014 eine gültige Urabstimmung der VC-Mitglieder zu Streiks vor. Es galt von vornherein als unwahrscheinlich, dass es zu einer isolierten Lösung eines einzelnen Tarifthemas kommen könnte.

Warum ist das Eurowings-Thema für die VC so wichtig?

Die Gewerkschaft bangt um ihren Einfluss. Mit der konzerninternen Vielfalt von Fluggesellschaften hat Lufthansa eine starke und flexible Konkurrenzsituation aufgebaut. Derzeit sind die Piloten des einstmaligen österreichischen Staatsfliegers Austrian die kostengünstigsten im Konzern. In den teuren KTV wird hingegen seit drei Jahren nicht mehr eingestellt. Fertig ausgebildete Lufthansa-Flugschüler werden auf Job-Angebote der anderen Konzerntöchter verwiesen.

Das könnte doch den alteingesessenen Piloten mit ihren hohen Gehältern und Pensionszusagen egal sein?

Nein, denn neben dem allgemeinen Einflussverlust hat der Anti-KTV-Kurs auch direkte Folgen in den Lufthansa-Cockpits. Spohr schrumpft die KTV-gebundene Flotte bei der Tochter Germanwings zugunsten der in Österreich angesiedelten Eurowings Europe, auf die VC keinen Einfluss hat. Auch die Flotte der Kernmarke Lufthansa wird wegen des stagnierenden Geschäfts seit einigen Jahren immer kleiner. Überzähliges Germanwings-Personal wird zur Lufthansa-Mutter versetzt, wo es in der Folge kaum noch Beförderungsstellen gibt. Vor allem altgediente Co-Piloten sind stocksauer, dass sie wesentlich länger als gedacht auf eine Kapitänsstelle warten müssen. Statt bis zu 12 kann es laut VC jetzt bis zu 20 Jahre dauern.

Welchen Schaden haben die bisherigen Streiks verursacht?

Die Piloten haben bisher 13 Mal die Arbeit niedergelegt - zum letzten Mal Anfang September 2015. Hinzu kamen Ausstände der von der Gewerkschaft Ufo vertretenen Flugbegleiter. Seit April 2014 ist dem Unternehmen durch Streiks der beiden Berufsgruppen ein Schaden von rund 500 Millionen Euro entstanden. Geschäftlich scheint das allerdings verkraftbar, denn beim operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) kann der Dax-Konzern seinen Vorjahresrekord von 1,8 Milliarden Euro voraussichtlich wiederholen.

Warum versucht man es nicht mit einer Schlichtung?

Eine Schlichtung käme für die VC wohl nur zum gesamten Themenblock in Frage. Lufthansa weigert sich aber, Fragen zur Eurowings mit in einen Themenkatalog aufzunehmen. Folglich ist bereits ein Schlichtungsversuch mit dem früheren Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) gescheitert. Der aktuelle Vorschlag des Unternehmens bezieht sich nur auf die Gehaltsfrage, könnte aber auf andere Tarifthemen erweitert werden.

dpa

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