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Wirtschaft Luxusliner vom Sund fürs Polarmeer
Nachrichten Wirtschaft Luxusliner vom Sund fürs Polarmeer
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00:05 27.08.2016
Colin Au, Vorstand Genting Hong Kong, und Jarmo Laakso, Geschäftsführer MV Werften Stralsund gestern auf der Volkswerft Quelle: Fotos: Sauer/dpa, Genting

Überraschende Idee für die Stralsunder Werft: Die malaysische Genting-Gruppe hat gestern Pläne bekanntgegeben, denen zufolge die Werft künftig als Zielhafen für Kreuzfahrtschiffe ausgebaut werden soll. Der erste Anlauf eines Kreuzliners der Crystal- Reederei sei im Jahr 2018 geplant, sagte Genting-Manager Colin Au gestern in Stralsund.

Die Genting-Gruppe hat sehr ambitionierte Ziele.“Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), gestern in Stralsund

So wie bei der Meyer-Werft in Papenburg könnten die Kreuzfahrt-Gäste den Schiffbaubetrieb am Sund besichtigen, beschrieb Au die Idee. „Für fünf oder zehn Euro werden wir hier Besichtigungstouren anbieten.“ Au ist Mitglied im Vorstand der Genting-Gruppe, die ihre größten Umsätze im asiatischen Tourismus-Geschäft macht. Das sei zugleich der Grund, warum der Konzern dieses Vorhaben intensiv verfolge. „Wir haben die Tourismus-Brille auf und können sehr gut vorhersehen, dass das funktioniert.“ Besonders im asiatischen Raum, wo ein Großteil der Schiffe, die Genting auf den MV-Werften in Stralsund, Rostock und Wismar bauen will, eingesetzt wird, sei das Interesse an deutschem Schiffbau riesig.

Der Konzern hatte die drei Standorte kurz vor einer möglichen Insolvenz der Nordic Yards für 230 Millionen Euro im Paket übernommen. In Stralsund soll im kommenden Jahr das erste von bis zu sieben Luxus-Kreuzfahrtschiffen der „Endeavour“-Klasse für Reisen in die Polarmeere auf Kiel gelegt werden. Die Schiffe sollen 161 Meter lang und 23 Meter breit sein.

Au betonte, dass die Werften ihre Qualitäten dann ausspielen, wenn sie Schiffe in Serie bauen „und keine Prototypen“.

Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) reagierte erfreut auf die Pläne für das touristische Zusatzgeschäft an der Kaikante der Werft. Die Hansestadt, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehört, bemüht sich seit langem darum, mehr Kreuzfahrtschiffe anzulocken. „Die Werft hatten wir dafür zugegebenermaßen nicht auf der Uhr“, sagte Badrow. Die Stadtverwaltung habe aber bereits einen Teil der Anforderungen geprüft.

Ein Problem könnte die Tiefe der Fahrrinne durch den Sund sein. Auf dem Papier muss die 7,60 Meter tief sein, in der Realität dürften es durch die andauernde Versandung nur knapp sieben Meter sein.

Damit könnten dicke Pötte in der Tat nur eine Handbreit Wasser unter dem Kiel haben, wenn sie Stralsund anlaufen. Badrow: „Wenn die Rinne 7,60 Meter haben soll, muss das auch sichergestellt sein.“

Für die Ausbaggerung ist das Bundesamt für Seeschifffahrt in Stralsund zuständig. Eine Entscheidung, ob und wann ausgebaggert wird, steht aber noch aus.

Der Bau der ersten Expeditionsyacht soll nach 30 Monaten abgeschlossen sein, sagte der Chefkonstrukteur der Werft, Guido Schulte. Die Konstruktionsphase sei aber bereits angelaufen. Gleichzeitig beginnt Genting jetzt intensiv mit der Suche nach Fachkräften. In Stralsund sollen in den nächsten sechs Monaten 90 Mitarbeiter zur aktuellen Belegschaft hinzukommen. Derzeit sind knapp 200 Menschen auf der Werft beschäftigt. Wenn die Produktion wie geplant anläuft, sollen insgesamt 450 bis 500 Menschen in der Hansestadt wieder im Schiffbau tätig sein.

Vom Fischerei- zum Spezialschiffbau

Die MV Werften Stralsund (bis 2016 Nordic Yards Stralsund) gehört zur malaysischen Genting-Gruppe. Die Tochtergesellschaft Genting Hong Kong ist an der Börse von Hongkong notiert.

1948 wurde das Unternehmen auf dem Gelände der Kröger-Werft gegründet und trug zu einem großen Teil zur Fischereischiff-Produktion der DDR bei. Nach 1990 spezialisierte sich die Werft zunächst auf den Bau von Containerschiffen und Offshore-Versorgern.

Seit 2005 wurden die zweitgrößten in Deutschland gefertigten Containerschiffe mit rund 4200 TEU (StandardContainer) auf der Volkswerft gebaut. 2009 änderte die Werft die Ausrichtung hin zum Spezialschiffbau.

Benjamin Fischer

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