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Wirtschaft MV bangt um Iran-Geschäfte
Nachrichten Wirtschaft MV bangt um Iran-Geschäfte
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00:23 17.05.2018
Ein Getreidefrachter im Seehafen Rostock. Von hier aus gingen große Mengen an landwirtschaftlichen Produkten in den Iran. Quelle: Foto: Wüstneck/dpa

Nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran müssen sich Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern auf Umsatzeinbußen einstellen. Zudem werden hiesige Firmen – sofern sie auch auf dem amerikanischen Markt Handel treiben – wohl keine neuen Verträge im Nahen Osten abschließen, aus Sorge, damit ihr US-Geschäft zu riskieren, sagt Peter Volkmann, Vize-Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Rostock. Schon bevor US-Präsident Donald Trump Strafen für im Iran tätige EU-Firmen ankündigte, hätten Unternehmen den Einstieg in den iranischen Markt gescheut.

2015 hat MV noch Weizen im Wert von 166 Millionen Euro an den Persischen Golf geliefert, 2017 gar keinen mehr. Quelle: Foto: Lutz Roessler

Trumps Aufkündigung des Atom-Deals habe die Handelsbeziehungen mit dem Iran deutlich erschwert, sagt Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Dabei hatte sich die heimische Wirtschaft mit Exportgütern – allen voran Getreide – in den vergangenen Jahren ein Millionengeschäft aufgebaut. Agrarbetriebe, die Getreide in den Nahen Osten ausführen, dürfte Trumps Außenpolitik daher besonders umtreiben. „Landwirtschaft profitiert vom Welthandel. Sanktionen sind nicht in unserem Interesse“, sagt Detlef Kurreck, Präsident des Bauernverbandes MV.

In diesem Jahr würde es sich im Vergleich zu 2017 richtig auszahlen, Weizen und Gerste in den Iran zu verschiffen, sagt Henning Blingenthal, Geschäftsführer der Viela Export GmbH aus Brünzow (Vorpommern-Greifswald), die Güter über die Häfen Vierow und Sassnitz/Mukran umschlägt. „Die Ernte im Iran war unterdurchschnittlich.“ Er könnte rund 300000 Tonnen in den Nahen Osten liefern.

Momentan aber steht das Geschäft auf der Kippe. „Keiner kann sagen, wie es weitergeht.“ Am Freitag bekomme er Besuch von einem iranischen Einkäufer. „Hoffentlich weiß der mehr.“

Angesichts des schwelenden Konfliktes ist die Wirtschaft zum Abwarten verdammt. „Es herrscht ein Klima größter Verunsicherung“, sagt Ulrich-Rüdiger Strege, Geschäftsführer des Saphir-Radiochirurgie Zentrums Norddeutschland in Güstrow. Der Medizintechnikspezialist ist mittelbar von der Iran-Krise betroffen. Der Mutterkonzern, die Saphir-Gruppe, habe zuletzt „sehr konkrete Gespräche“ mit potenziellen Geschäftspartnern aus dem Nahen Osten geführt, die er mit Pipelinetechnik beliefern wollte. Die Verhandlungen seien nun „komplett auf Eis gelegt“, sagt Strege. Bereits ausgehandelte Details sind wertlos. Was der Unternehmensgruppe an Geld entgeht, sei nicht bezifferbar, sagt Strege. Die Saphir-Gruppe war vor zwei Jahren mit einer von Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) geführten Delegation an den Persischen Golf gereist. 27 Unternehmen aus MV hatten dabei vielversprechende Handelsbeziehungen angebahnt. „Das zarte Pflänzchen, das wir damals gesät haben, wird jetzt erdrückt“, bedauert Strege.

Glawe wirbt um Schadensbegrenzung. Es sei wichtig, dass „zumindest die aufgebauten Kontakte bestehen bleiben.“ Er fordert Beistand vom Bund. Einen Fonds für im Iran engagierte Firmen hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) allerdings zuletzt abgelehnt.

Im vergangenen Jahr hatten MV-Firmen Waren – überwiegend Gerste – im Wert von 26,5 Millionen Euro in den Iran exportiert. Damit lag der Iran nur auf Platz 54 auf der Liste der wichtigsten Außenhandelspartner. Dabei galt der Staat 2016 als Hoffnungsmarkt der Wirtschaft in MV. Der Güterexport hatte sich damals auch merklich belebt, sagt IHK-Vize-Hauptgeschäftsführer Volkmann.

„Insgesamt sind die Wirtschaftsbeziehungen aber hinter ihren Möglichkeiten zurückgeblieben.“ Grund sei die schon damals schwierige Finanzierung von Iran-Geschäften. „Angesichts drohender Strafen in den USA werden sich die Kreditinstitute voraussichtlich gänzlich aus der Finanzierung des Iran-Geschäfts zurückziehen.“

Für Mecklenburg-Vorpommerns Medizinbranche sei der Iran nach wie vor ein interessanter Markt, sagt Lars Bauer, Geschäftsführer des Netzwerkes BioCon Valley. „Das Land hat einen anhaltend hohen Investitionsbedarf in den Bereichen Krankenhaus- und Laborausstattung, Medizintechnik, Telemedizin sowie der Herstellung von Arzneimitteln. Einige Unternehmen sind bereits in Geschäftsbeziehungen oder bahnen diese an.“ Was daraus wird, hänge von der weiteren politischen Entwicklung ab.

Exporteur Blingenthal will sein Getreide notfalls in andere Länder verschiffen. Ärgerlich wäre das trotzdem. „Der Iran zahlt gut, das sind verlässliche Handelspartner.“ Zudem dürfte es die Preise drücken, wenn auf dem Weltmarkt ein Kunde wegbricht, prognostiziert Blingenthal.

Drastischer Rückgang

27,2 Millionen Euro – auf diese Summe belief sich der Außenhandel Mecklenburg-Vorpommerns mit dem Iran im vergangenen Jahr. Das Gros entfällt auf den Export: MV führte Güter im Wert von 26,5 Millionen Euro aus. Exportschlager: Gerste (20 Millionen Euro). Aus dem Iran importiert wurden vor allem Eisen, Blech und Metallwaren.

Der Iran hat als Handelspartner für MV an Wert verloren: 2015 belief sich das Außenhandelsvolumen noch auf 204,5 Millionen Euro. Grund für den Rückgang ist ein drastischer Einbruch beim Getreideexport: 2015 hatte MV noch Weizen im Wert von 166 Mio. Euro an den Persischen Golf geliefert, 2017 gar keinen mehr.

2017 rangierte der Iran auf der Liste der wichtigsten Handelspartner von MV auf Platz 54. Zum Vergleich: Die USA lagen auf Platz 15.

Antje Bernstein

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