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Nachrichten Wirtschaft MV kämpft um Anbindung an Stromtrassen
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00:18 30.09.2016

Wird MV bei der Energiewende abgehängt? Die großen Stromnetzbetreiber Tennet und Transnet BW haben Planungen für zwei gigantische unterirdische Trassen zum Transport von Windstrom aus dem Norden nach Süden vorgelegt. Ab 2025, wenn Atomkraftwerke abgeschaltet sind, sollen die Trassen – vorbei an Hannover und Kassel – Strom aus erneuerbaren Energien zu den Industriezentren Baden-Württemberg und Bayern bringen. Haken: An fast allen östlichen Bundesländern würden die Strom-Autobahnen vorbeiführen, sie lägen weit weg von MV. Experten fordern, dass der Nordosten nicht vergessen wird.

„Wir brauchen unbedingt weiteren Netzausbau“, erklärt Andreas Jesse vom Bundesverband Windenergie in MV. Dies sei „Grundvoraussetzung für den Ausbau der erneuerbaren Energien“. Was ihn sorgt:

Auf Bundesebene gebe es Signale, den Ausbau von Windenergie in MV zu bremsen, während anderswo die Devise Vollgas laute, etwa in Niedersachsen. Jesse ist sicher: Der Nordosten könnte noch viel mehr von der Energiewende profitieren.

Der Windkraft-Ausbau im Land geht weiter voran. 1804 Anlagen produzierten im Vorjahr über 6100 Gigawattstunden Strom, das Gros an Land: 1700 Windräder, 5300 Gigawattstunden – Tendenz steigend. In der Ostsee nehmen die Begehrlichkeiten von Investoren zu, weiterer Ausbau ist geplant. 2015 erzeugten hier 101 Anlagen der Parks Baltic 1 und Baltic 2 über 800 Gigawattstunden Strom. Eine Folge sind Überkapazitäten von Windstrom, die nicht genutzt werden. Im Vorjahr seien fast drei Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien „abgeriegelt“ worden, bestätigt Juliane Schultz, Sprecherin des Energieministeriums.

Wo also hin mit der Energie, wenn Leitungen fehlen? Von den „Südlink“-Mega-Trassen sei das Land nicht direkt betroffen. Das Ministerium verweist auf zwei Anbindungen. „Trassen für den Abtransport der Windenergie in MV sind ebenfalls in Planung“, sagt Schultz. Bereits ertüchtigt sei eine von Görries nach Krümmel in Schleswig-Holstein. Offen allerdings ist die Zukunft einer weiteren wichtigen Trasse: Von Güstrow soll sie bis Wolmirstedt bei Magdeburg führen. Netzbetreiber 50Hertz steht in den Startlöchern. Allerdings sei der Abschnitt noch nicht einmal in den Bundesbedarfsplan aufgenommen. Laut Ministerium laufen Vorbereitungen für Planfeststellungsverfahren. Die weitere Verbindung ab Wolmirstedt indes ist bereits Thema bei 50Hertz. Jetzt hat das Unternehmen Varianten für mögliche Trassenführungen vorgestellt. Diese seien „zentraler Bestandteil des Genehmigungsantrages“, den das Unternehmen im Frühjahr 2017 bei der Bundesnetzagentur einreichen will, so Sprecher Volker Kamm. Die Bundesnetzagentur geht von einer Inbetriebnahme im Jahr 2025 aus.

Die neuen unterirdischen Stromautobahnen „Südlink“ von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg sollen in Zukunft Herzstück der Stromversorgung in Deutschland sein. Jahrelang blockierten Bürgerinitiativen und auch der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) den Ausbau von Überlandleitungen. 2015 legte sich die Bundesregierung schließlich auf deutlich teurere Erdkabel fest.

Folge: Die Kosten verdreifachen sich auf bis zu zwölf Milliarden Euro, auch Strom-Verbraucher müssen höhere Preise einplanen. Prognosen gehen von zehn Euro mehr im Jahr für einen Durchschnittshaushalt aus.

Der Bedarf an grünem Strom ist da. Ins Netz des Regionalanbieters Edis, aktiv in Nord- und Ost-MV, sei im Vorjahr sogar mehr eingespeist worden als insgesamt verbraucht wurde, erklärt Sprecher Horst Jordan. „Mengen, die nicht verbraucht werden, werden in das Netz des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz eingespeist.“ In geringem Maße sei Strom nicht genutzt worden. Ein Verlust von Windstrom wäre gar nicht nötig, erklärt Johann-Georg Jaeger, Energie-Experte der Grünen im Land. Er fordert den Bau weiterer riesiger Energiespeicher wie in Schwerin. Damit wäre es möglich, Spitzen abzufedern und das Netz dennoch stabil zu halten. Weitere Anregung: Bislang nicht genutzter Strom könnte in regionale Wärmeenergiekreise eingeleitet werden.

Frank Pubantz

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