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Mangelware Ingenieur: Immer mehr unbesetzte Stellen

Qualifizierte Bewerber gesucht Mangelware Ingenieur: Immer mehr unbesetzte Stellen

Ingenieure sind heiß umworben. In Deutschland sind sie so rar, dass immer mehr Posten unbesetzt bleiben. Besonders Behörden finden nur schwer qualifizierte Bewerber. Teils wäre Geld für Sanierungen da. Allein: Es fehlen die Planer.

Berlin. Deutsche Behörden leiden unter einem Mangel an Ingenieuren und suchen händeringend nach qualifizierten Bewerbern. „Der öffentliche Dienst findet keine Leute“, sagte Oliver Koppel, Arbeitsmarktexperte beim arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Derzeit sei zwar das Geld für Sanierungen und Straßenbau da. „Aber jetzt fehlen die Leute, um das Geld zu verplanen“, sagte Koppel. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr offene Stellen als arbeitssuchende Ingenieure - sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Dienst. Einer Erhebung des IW und des Verbands Deutscher Ingenieure zufolge kamen im dritten Quartal dieses Jahres bundesweit nur 100 arbeitslose Ingenieure auf durchschnittlich 261 offene Stellen. Das sind 17 Prozent mehr freie Jobs als im Vorjahreszeitraum. Besonders große Engpässe gibt es in Bayern: Das Verhältnis zwischen offenen Stellen und arbeitslosen Ingenieuren liegt im Freistaat bei rund 4:1.

„In der Privatwirtschaft herrscht schon eine Art Hauen und Stechen um die besten Köpfe“, sagte Koppel. Im öffentlichen Dienst sei die Lage noch angespannter. Denn dort könne nicht mit entsprechend angehobenen Gehältern gelockt werden.

Petra Rohland, Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, bestätigte das Problem. „Der Bedarf an planenden, bauenden Menschen ist teilweise so groß, dass nach Prioritäten ausgewählt wird, welche Bauwerke als nächstes angegangen werden“, sagte Rohland. Gehe es um die Sicherheit, würden Projekte zwar sofort umgesetzt. Aber zum Beispiel die Sanierung einer maroden Brücke, die seit Jahren über eine Behelfsbrücke umgangen werde, müsse wegen des Mangels an Ingenieuren warten.

Gerade Ingenieure aus den Bereichen Bau, Vermessung und Gebäudetechnik sowie Architekten sind laut der IW-Erhebung derzeit besonders begehrt. In diesen Feldern sind demnach mehr als 25 000 Stellen frei. Bauingenieure würden „von der Baustelle weg abgeworben“, sagte Koppel. Er kenne einen Ingenieur, der sein Profil bei einem Online-Berufsnetzwerk gelöscht habe - weil er täglich zehn Jobangebote bekommen habe.

Gleich drei Faktoren befeuerten die Nachfrage, sagte Oliver Koppel: Da sei zum einen der bundesweite Bauboom. Daneben würden Ingenieure dafür gebraucht, die massiv geförderte energetische Gebäudesanierung voranzutreiben. Und auch für den Bau und die Planung von Flüchtlingsunterkünften müsse auf Ingenieure zurückgegriffen werden.

In Bayern dauere es derzeit sechs bis zwölf Monate, bis ausgeschriebene Ingenieursstellen in der staatlichen Bauverwaltung neu besetzt werden könnten, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums in München. Außerdem sei die Zahl der Bewerber in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. „Früher konnte man sich die Besten aussuchen“, sagte die Sprecherin. Heute würden auch Ingenieure mit schlechteren Noten eingestellt.

Das Land NRW sucht derzeit vor allem wegen anstehender Brückensanierungen nach hochqualifiertem Personal. Allein auf der A45 müssten in den kommenden 15 bis 20 Jahren 38 Talbrücken neugebaut oder saniert werden, sagte Bernd Löchter, Sprecher beim Landesbetrieb Straßenbau. Dazu würden schon seit vergangenem Jahr massiv Ingenieure eingestellt.

„Wir kriegen aber nicht so viele Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen wie das früher war“, sagte Löchter. Bauvorhaben mussten demnach zwar bislang nicht verschoben werden. „Aber wir müssen an die Zukunft denken. In der Wettbewerbssituation müssen wir den Leuten sagen, warum wir der attraktivere Arbeitgeber sind.“ Mehr Geld als Privatunternehmen könne seine Behörde nicht bieten - aber gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie spannende Projekte. „Wo können sie sonst mal eine Rheinbrücke bauen?“, sagte Löchter.

Während die Engpässe die Behörden in die Bredouille bringen, profitieren Ingenieure. In der Berufsgruppe herrscht laut den IW-Berechnungen Vollbeschäftigung. Das heißt: Die Arbeitslosenquote liegt bei rund zwei Prozent.

dpa

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