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„Medizin-Apps sind von sehr unterschiedlicher Qualität“

„Medizin-Apps sind von sehr unterschiedlicher Qualität“

Der neue Präsident der Gesundheits-Branchenkonferenz, Prof. Marek Zygmunt, sieht in der Digitalisierung mehr Vor- als Nachteile

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Prof. Marek Zygmunt (50)

Quelle: Frank Söllner

Warnemünde Ein neuer Präsident wird im Juli die Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft in Rostock-Hohe Düne leiten. Prof. Marek Zygmunt (50), Chef der Uni-Frauenklinik in Greifswald, tritt die Nachfolge von Gründungspräsident Prof. Horst Klinkmann (81) an.

Wie steht’s um die Vorbereitung der 12. Branchenkonferenz?

Prof. Marek Zygmunt: Dank eines erfahrenen, engagierten Teams und mit professioneller Unterstützung der Programmkommission liegen wir gut im Plan. Wie in den Vorjahren wird die Konferenz im Auftrag der Landesregierung von der Biocon Valley-GmbH organisiert. Das zweitägige Programm steht, wir erwarten wieder mehr als 600 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und eine große internationale Beteiligung. Referenten kommen zum Beispiel aus Italien, Estland, Finnland, der Niederlande, der Schweiz und Polen.

Das Motto lautet: „Die Gesundheitswirtschaft in der digitalen Welt“. Worum geht es konkret?

Zygmunt: Die digitale Transformation verändert unser Leben. Wir leben in einer wahren Netzwerkgesellschaft. Das Internet und die sozialen Netze machen es zum Beispiel möglich, dass viele Menschen heute sehr gut informiert zum Arzt kommen. Ich meine da nicht nur „Dr. Google“, der ja sehr intensiv befragt wird. Einer, der als Online-Arzt Kanäle wie Youtube zur medizinischen Aufklärung nutzt, hält bei uns am 13. Juli das Eröffnungs-Impulsreferat, der Hamburger Mediziner Dr. Johannes Wimmer.

Es ist doch positiv, dass Patienten sich informieren. Oder sehen Ärzte das anders?

Zygmunt: Viele Menschen wollen den Prozess der Heilung mitbestimmen und dabei selbst Verantwortung übernehmen. Das ist natürlich positiv. Die gute Information verbessert – in meinen Augen – die Sicherheit und den Zugang zu medizinischen Angeboten. Das bringt Chancen, aber auch Risiken. Es gibt inzwischen Apps für alle Lebenslagen, aber von sehr unterschiedlicher Qualität.

Wozu führt das?

Zygmunt: Mit Apps und Watches überwachen immer mehr Menschen bereits einen Großteil ihrer Körperfunktionen. Es gibt Kopfkissen, die in der Nacht aufzeichnen, wie sie geschlafen haben – falls sie das nicht selbst merken. Smarte Kontaktlinsen messen Blutzucker. Dabei werden Unmengen Daten produziert und gesammelt. Das schafft eine gewisse Transparenz, kann aber auch Angst machen.

Sehen Sie die Entwicklung mit Skepsis?

Zygmunt: Nein, aber wir müssen bewusst mit Gefahren leben, die sich daraus ergeben. Die Vorteile der digitalen Welt sind unbestritten. So ermöglicht die Telemedizin, dass Patienten Kontakt zur Klinik haben, ohne ständig hinfahren zu müssen. Chronisch Kranke können Daten so übermitteln, dass bei Verschlechterung ihres Zustandes sofort die Notfallzentrale alarmiert wird. Es gibt Aufkleber, die Neuroimpulse zur Stimmungsaufhellung senden, das kann ähnlich wirkende Medikamente überflüssig machen.

Führen Sie die bisher stark durch Ihren Vorgänger, Prof. Horst Klinkmann, geprägte Konferenz in ähnlicher Weise fort oder wird sich einiges ändern?

Prof. Zygmunt: Ich habe schon mehrere Jahre in der Programmkommission mitgewirkt und verschiedene Foren mitgestaltet. In dieser Zeit habe ich von Prof. Klinkmann gelernt, wie diese wichtige Veranstaltung geführt wird. Aber wir setzen auch neue Akzente.

Welche zum Beispiel?

Zygmunt: Wir versuchen, unsere Arbeit stärker mit den Augen junger Leute zu sehen. Es wird erstmals eine Kongress-App geben, wir bieten Chats mit mehreren Protagonisten der Konferenz an, wir sind auf Twitter aktiv. Wir führen ein neues Format ein, bei dem Start-up-Firmen mit Fondsmanagern und erfolgreichen Unternehmen zusammengebracht werden.

Was bringt eine nationale Gesundheitskonferenz Patienten in MV?

Zygmunt: Digitale Technologien sind für Mecklenburg-Vorpommern von großer Bedeutung, weil wir für den ländlichen Raum moderne, flächendeckende Versorgungskonzepte brauchen.

Die Hamburger Philips GmbH und die Firma Telekom Healthcare Solutions stellen dafür Lösungen vor. Die Universitätsmedizin aus Greifswald wird mit Partnern aus der IT-Branche gemeinsam eine E

-Health-Plattform für Vorpommern vorstellen. Auch die Experten aus dem Ausland bringen neue Ideen mit. Je mehr wir voneinander lernen, desto nützlicher ist die Konferenz für uns.

Seit zehn Jahren an der Uniklinik in Greifswald

Prof. Marek Tadeusz Zygmunt wurde 1966 im schlesischen Beuthen (Bytom) geboren. Als Kind eines polnischen Vaters und einer deutschen Mutter wuchs er in Gleiwitz (Gliwice) auf.

Nach dem Medizinstudium in seiner schlesischen Heimat ging er als Assistenzarzt an die Universitätsklinik Aachen (Nordrhein-Westfalen). 1993 wechselte der Gynäkologe an die Universitätsfrauenklinik in Gießen (Hessen), arbeitete einige Jahre an der University of Western Ontario in Kanada. 2006 wurde er Direktor der Greifswalder Universitätsfrauenklinik. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Interview von Elke Ehlers

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