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Wirtschaft Meeresschutz: Fischer und Angler sollen weichen
Nachrichten Wirtschaft Meeresschutz: Fischer und Angler sollen weichen
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00:05 03.06.2016
Norbert Kahlfuss (75) Quelle: Andreas Pfaffe

Fischer und Angler sollen künftig aus Meeres- und Vogelschutzgebieten weitgehend verbannt werden. „Gemeint sind drastische Fangverbote“, empört sich der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes, Norbert Kahlfuss. „Aber das gefährdet unsere Existenz.“Mecklenburg-Vorpommerns Kutter- und Küstenfischer wollen heute auf ihrem Fischereitag in Negast bei Stralsund auf diese prekäre Situation aufmerksam machen. „Man kann doch nicht ein ganzes Gewerbe opfern, um Schweinswale und ein paar Enten zu retten“, meint Kahlfuss.

Die Europäische Union droht Deutschland mit einem Verfahren, weil Schutzgebiete nur ausgewiesen, aber nicht mit konkreten Maßnahmen untersetzt sind.

Als Erste sollen die Sanktionen die Freizeitfischer treffen. Ein Entwurf des Bundesumweltministeriums sieht in geschützten Bereichen der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), die zwölf Seemeilen vor der Küste beginnt, strikte Angelverbote vor. In der Ostsee betrifft dies Bereiche in der Kadetrinne, in der Pommerschen Bucht östlich von Rügen und Usedom sowie im Bereich Adlergrund/Rönnebank nördlich von Rügen.

Die Fischer solidarisieren sich mit den Anglern. Aus seiner Sicht sind Angelkutter keine Gefahr für Seevögel und Meeressäuger. „Der Schiffsverkehr in der Kadetrinne verursacht viel größere Störungen.“ Ursprünglich sollte die Verordnung schon im Sommer in Kraft gesetzt werden. Das scheint jetzt vom Tisch zu sein. Laut Bundesumweltministerium gibt es keinen konkreten Termin für die Einführung der Angelverbote. „Wir prüfen, welche Änderungen wir nach den Stellungnahmen von Ländern und Verbänden noch einarbeiten“, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Möglicherweise könnte es auch Befreiungen von den Sanktionen geben, sollten diese zu „unzumutbarer Belastung führen“.

Landes-Umweltminister Till Backhaus (SPD) hält ein ganzjähriges Angelverbot in Natura-2000-Gebieten für „fragwürdig“. Rund 20 Kutter bieten vorwiegend im Sommer Hochsee-Angeltouren an. Rund 150

000 Angler sind laut Ministerium pro Jahr auf der Ostsee unterwegs. Die Einschränkung der Fischerei sei aber vertretbar, wenn durch ein Monitoring nachgewiesen sei, „dass sie schützenswerte Arten nachhaltig schädigt“.

Deutsche Umweltverbände wie Greenpeace und der WWF hatten Anfang 2015 die Bundesregierung wegen Untätigkeit im Meeresschutz verklagt. Riffe und Sandbänke in Ost- und Nordsee seien in schlechtem Zustand, betont Stephan Lutter vom WWF-Zentrum für Meeresschutz. Um Schweinswale und seltene Seevögel zu schützen, solle die Hälfte der deutschen Natura-2000-Gebiete in Nord- und Ostsee „frei von jeglicher menschlichen Nutzung sein“, sagt Lutter. In der Nordsee seien die Pläne bereits weiter gediehen als in der Ostsee. Allerdings: Die internationale Schifffahrt – wie in der Kadetrinne – habe das Recht auf freie Passage.

Die Berufsfischer befürchten, dass die Verbote nicht auf die Flächen außerhalb der 12-Meilen-Zone beschränkt bleiben. Es sei absehbar, dass auch Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Gebiete in Küstennähe und an Land künftig für Angler und Fischer gesperrt werden könnten. Künftige Fischerei-Managementpläne für diese Bereiche würden vermutlich die Grundschleppnetze sowie die Stellnetze im Bodden verbieten.

Trotz ihrer insgesamt schwierigen Situation sind die Kutter- und Küstenfischer für 2016 zuversichtlich. Die Frühjahrs-Heringsaison sei gut gelaufen, betont Kahlfuss. Auch die gesunkenen Treibstoffpreise würden sich positiv auf die Erlöse der Fischer auswirken.

Norbert Kahlfuss gibt Vorsitz ab

Auf dem Fischereitag wählt der Verband der Kutter- und Küstenfischer einen neuen Vorstand. Norbert Kahlfuss (75), seit 1998 Verbandsvorsitzender, gibt die Funktion ab. Der gelernte Hochseefischer, der zu DDR-Zeiten als Kapitän und Fangleiter im Fischkombinat Sassnitz tätig war und nach der Wende als Geschäftsführer den Verband der Kutter- und Küstenfischer aufbaute, ist aber weiterhin Präsident des Landesfischereiverbandes.

Für den Verbandsvorsitz der Kutter- und Küstenfischer kandidiert Günter Grothe, langjähriger Geschäftsführer der Kutter- und Küstenfisch GmbH Sassnitz und Vorsitzender der Erzeugerorganisation Rügenfang e.G.

Elke Ehlers

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