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Wirtschaft Mehr Flaschentypen: Sortieren wird für Bierbrauer teurer
Nachrichten Wirtschaft Mehr Flaschentypen: Sortieren wird für Bierbrauer teurer
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09:42 16.04.2017
Verschiedene Bierflaschen sind in Wolnzach im Hopfenmuseum zu betrachten. Quelle: Sven Hoppe
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München/Apolda

Weil mehr große Brauereien in Deutschland auf individualisierte Flaschen setzen, wird es für andere Brauereien teurer, an ihre Standardflaschen zu kommen. Die Flaschen wechseln im Pfandsystem für gewöhnlich zwischen den Unternehmen hin und her.

Doch immer mehr Flaschen können nur noch von einzelnen Brauereien befüllt werden - schließlich will keine Brauerei ihr Bier in der speziellen Flasche eines Konkurrenten abfüllen. „Die individualisierten Flaschen sind dem Mehrweg-System damit quasi entzogen“, sagt Detlef Projahn, Präsident des Verbands Private Brauereien und Chef der Vereinsbrauerei Apolda in Thüringen.

Das Sortieren der Pfandflaschen wird vom Getränkefachgroßhandel mit speziellen Maschinen übernommen, einige Brauereien sortieren die verschiedenen Flaschen aber auch selbst aus ihren Kästen heraus. Bezahlt wird die Sortierleistung in beiden Fällen von den Brauereien.

Der Aufwand werde immer größer: „Es gibt einen klaren Trend hin zur individualisierten Flasche“, sagt Thomas Fischer, Leiter des Bereichs Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe. 30 Prozent der Flaschen, die in den Kästen der Apolda-Brauerei angeliefert werden, seien inzwischen Fremdflaschen, schätzt Projahn. „Statt früher drei Leuten müssen bei uns nun fünf Mitarbeiter die Flaschen sortieren.“

Speziell bei kleinen Brauereien verursacht das höhere Kosten, denn nach der Sortierung müssen die Brauereien die für sie unpässlichen Flaschenformen wieder loswerden. Projahn erklärt das Problem anhand seiner Brauerei: „Ich verkaufe jede Woche rund 26 000 Pfandflaschen, die ich selbst bei der Abfüllung nicht gebrauchen kann.“

Die Käufer sind in diesem Fall Firmen, die sich auf das Sortieren und Beliefern der Brauereien mit passenden Pullen spezialisiert haben. Das Problem: Während die Brauerei bei der Rückkehr der Flasche die acht Cent Pfandwert zahlen musste, erhält Projahn beim Weiterverkauf der falschen Flasche an ein Sortierunternehmen nur rund drei Cent dafür - und macht allein durch den unrentablen Verkauf nach eigenen Angaben jede Woche 1300 Euro Verlust.

Der Trend zur individualisierten Flasche hat zudem eine unangenehme Folge für die Verbraucher. „Die kleinen Brauereien werden in Zukunft gezwungen sein, den Pool selber zu pflegen“, sagt Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. Bisher hätten vor allem die großen Brauereien für frisches Glas im Kreislauf gesorgt. Sollte das nicht gelingen, sehen die Flaschen in den Regalen bald immer abgenutzter aus.

Eine Glasflasche könne zwar mehr als 50 Mal wiederbefüllt werden, aber sie trage dabei auch deutliche Spuren davon. „Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Spanne der Wiederbefüllungen bei Glasflaschen zwischen 30 und 50 liegt, je nachdem wie viel Wert eine Brauerei auf das Aussehen der Flaschen legt“, sagt Fischer.

Je mehr große Brauereien sich für individuelle Flaschen entscheiden, desto größer werde das Problem für kleine Brauereien, sagt auch Projahn. Ende 2016 hat auch Krombacher eine neue 0,5-Liter-Flasche eingeführt. Prägungen im Glas machen das Gebinde unverwechselbar - und damit unbrauchbar für alle anderen Brauereien. 130 Millionen dieser Flaschen hat das Unternehmen auf den Markt gebracht. Nach groben Schätzungen des Deutschen Brauer-Bundes sind insgesamt drei bis vier Milliarden Glas-Mehrwegflaschen im Brauwesen im Umlauf.

Eine Marketing-Maßnahme soll die Einführung der neuen Flasche nicht gewesen sein, sagt Krombacher-Sprecher Franz-Josef Weihrauch. Denn auch die Brauerei aus dem Sauerland hat Probleme mit dem bestehenden Pool. „Wir haben die neue Flasche schweren Herzens eingeführt, da es keine Einigung für einen neuen Flaschenpool gab“, sagt Weihrauch.

Rund 60 Millionen Flaschen habe Krombacher in den Jahren 2014 und 2015 neu ins System eingespeist, um die abgenutzten Flaschen im Kreislauf zu ersetzen. Nun wollte man sich der Unterstützung anderer Brauereien versichern. Denn gerade die kleinen Brauereien profitierten von diesen Investitionen der Großen ins gemeinsame Pfandsystem. Eine Einigung kam nicht zustande - und Krombacher wählte wie viele andere Branchengrößen den eigenen Weg mit eigenen Flaschen.

Eine langfristige Lösung hat Projahn für die kleineren Brauereien noch nicht gefunden, eine gemeinsame Poolflasche für private Brauereien sei aber schon mal in der Diskussion gewesen. „Wir wären immerhin mehr als 800 Brauereien.“ Um flexibel zu bleiben, hat der Brauerei-Chef seine Produktion in Thüringen aber zunächst auf andere, bereits existierende Flaschentypen umgestellt.

dpa

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