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Nachrichten Wirtschaft Mehr Frauen arbeiten — aber immer weniger in Vollzeit
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00:25 15.01.2015
Die Rostocker Buchhändlerin Ines Genkinger (36) bringt Arbeit und Familie gut unter einen Hut. Quelle: Frank Söllner

In MV sind 57,2 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter berufstätig. Die Beschäftigtenquote liegt damit deutlich über dem Bundesschnitt von 51,8 Prozent. Wie aus der gestern vorgelegten Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht, führt Sachsen mit 58,5 Prozent die Liste der Bundesländer an.

Obwohl auch im Westen die Berufstätigkeit der Frau zunimmt, herrsche noch immer ein deutliches Ost-West-Gefälle, teilte die Stiftung mit. Die geringsten Quoten weise das Saarland mit 47,2 Prozent auf. Ein Grund für die Unterschiede seien die verschiedenen Rollenbilder in Ost und West. „Sicher spielt aber auch eine Rolle, dass Frauen im Osten wegen des niedrigeren Lohnniveaus gezwungen sind, zu arbeiten“, sagte Mitautorin Petra Klug.

In MV ist die Frauenbeschäftigung im Kreis Ludwigslust-Parchim mit 60,7 Prozent am höchsten, den niedrigsten Wert hat die Stadt Rostock mit 55,0 Prozent. „Dass die Beschäftigungsquote von Frauen hier so hoch ist, ist für mich in vielerlei Hinsicht ein gutes Signal“, sagt Landessozialministerin Birgit Hesse (SPD). „Für viele Frauen ist es selbstverständlich, sowohl für ihre Familie als auch für ihren Job Verantwortung zu übernehmen.“ Unternehmen profitierten von der gemischten Zusammensetzung ihrer Belegschaften. „Dass sich die hohe Frauenerwerbsquote auch 25 Jahre nach dem Mauerfall hält, zeigt, dass wir in Sachen Kinderbetreuung und Vereinbarkeit den richtigen Weg eingeschlagen haben.“

Dass sich Beruf und Familie nicht ausschließen, zeigt unter anderem Ines Genkinger aus Groß Stove bei Rostock: Die 36-jährige Buchhändlerin hat zwei sieben und neun Jahre alte Töchter und arbeitet in einer Rostocker Buchhandlung. „Mir macht meine Arbeit Spaß. Ich will nicht nur zu Hause sitzen, sondern auch über den Tellerrand sehen.“ Wichtig sei ihr, dass die Zeit mit den Kindern und ihrem Mann nicht zu kurz komme: „Und das ist an meinem Arbeitsplatz möglich“, betont Genkinger.

Antje Luckstein ist Sängerin am Opernchor des Rostocker Volkstheaters: „Mein Beruf ist meine Berufung, ich kann mir gar nichts anderes vorstellen“, sagt die 46-Jährige. Mit den Kindern sei es zwar manchmal etwas schwierig gewesen. „Aber es musste irgendwie gehen, mit einer starken Familie im Rücken klappt das auch.“

Der Gewerkschaftsbund DGB sieht die Studie kritisch: Die Zahlen zeigten nur die halbe Wahrheit, sagte Lisanne Straka, Referentin für Gleichstellungsfragen beim DGB in Schwerin: „Es arbeiten zwar mehr Frauen, aber die insgesamt von Frauen geleisteten Arbeitsstunden haben abgenommen.“ Grund sei die massive Zunahme der Teilzeitbeschäftigung in MV: 2006 hatten 26 Prozent der Frauen keine volle Stelle, 2012 waren es bereits 41 Prozent. „Teilzeit kann eine gute Möglichkeit sein, um Familie und Beruf zu vereinbaren“, sagt Straka. Viele Frauen arbeiteten aber ungewollt nur 20 oder weniger Stunden in der Woche .

Straka fordert die Unternehmen auf, stärker auf Frauen zu setzen: „Frauen, die in Teilzeit oder gar nicht arbeiten, sind die wichtigste Gruppe zur Bekämpfung des Fachkräftemangels.“ Würde dieses Potenzial genutzt, könnten bis zu zwei Millionen Vollzeitarbeitsplätze besetzt werden.



Axel Büssem

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